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Der Obsthof und die Zicklein

Neritz Der Obsthof und die Zicklein

Aus der Serie "Stormarn kulinarisch": Die Familie Lienau betreibt in vierter Generation die Landwirtschaft und einen Hofladen direkt an der B75 in Richtung Bargteheide.

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Das ist ein Anblick zum Kuscheln: Franziska Lienau (17) nimmt das Zicklein „Lexie“ in die Arme.

Quelle: Rüdiger Jacob

Neritz. Wer mit dem Auto auf der B 75 daran vorbeirauscht, hat selbst Schuld. Zumindest verpasst er den Anblick der niedlichen, kleinen Ziegenbabys, von den Obst- und Gemüseangeboten mal ganz abgesehen. Direkt an der Schnellstraße in Richtung Bargteheide liegt er, der Obsthof Lienau. Wer das erste Mal den Laden betritt, fühlt sich vom vielseitigen Sortiment fast erschlagen. Hier gibt es von der alten Kartoffel- und Apfelsorte bis zu exotischen Früchten fast alles, was das Frische-Herz begehrt.

LN-Bild

Die Familie Lienau betreibt in vierter Generation die Landwirtschaft und einen Hofladen.

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Ein wenig nach Werbung klingt die Geschäftsphilosophie von Inhaber Detlef Lienau schon. „Ich mache lieber 50 Sachen zu 100 Prozent als 100 zu 50 Prozent“, ist sich der 51-Jährige überzeugt.

Gleichwohl vermittelt der große Hofladen ein schier riesiges Angebot an Produkten. Verschiedenste Essige zum Beispiel, Öle, Aufstriche, Liköre, Säfte, Weine, Oliven, Trockenfrüchte, Brote. Die Liste aller Produkte aufzuzählen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Lienau gibt sich gelassen: „Es ist viel Arbeit und erfordert jede Hand - wir haben an 360 Tagen im Jahr geöffnet“, sagt der Familienvater, der sich sichtlich über die nachrückende Generation freut. Der Grund: Nach Kräften unterstützen ihn neben seiner Ehefrau Sylvia (51) auch seine Töchter Katharina (22), Johanna (20) Viktoria (19) und Franziska (17). „Das Schöne ist, dass die Mädchen dies aus ganz eigenem Antrieb tun“, sagt Lienau, der aber auch noch von zwei Festangestellten, in der Landwirtschaft einem Mitarbeiter, und insgesamt acht Teilzeitkräften unterstützt wird. 50 Jahre lang waren die Lienaus auch auf Wochenmärkten präsent. „Das mussten wir aus Personalmangel einstellen“, sagt Lienau, „man verliert leicht den Überblick.“

Egal, ob heimisch oder exotisch: „Jedes Produkt probieren wir zunächst selbst“, erklärt Sylvia Lienau. Jetzt in vierter Generation, machen die Lienaus die Direktvermarktung. Der Ursprung war einmal ein landwirtschaftlicher Milchbetrieb, ein Mischbetrieb mit Futterbau. Einst wurden zwölf Hektar Obst angebaut, Äpfel, auch für den Großhandel, „mittlerweile sind es nur noch vier Hektar“, sagen die Lienaus. In dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, neben dem Hofladen das zweite Standbein, werden außerdem noch 100 Kühe gemolken. Die direkte Rohmilchverarbeitung ist den Hofbetreibern jedoch untersagt. „Der Hof und die Ställe liegen mit 800 Metern zu weit auseinander“, sagt der Obstbauer, der auf stringente Gesetze verweist. Bei den Milchkühen herrscht aber noch ein ganz anderes Gesetz.

„Bei uns hat jede Kuh ihren Namen“, verrät Franziska. „Und bei der Namensgebung wird immer fleißig diskutiert.“

Der Obsthof bietet auch Führungen für Kindergärten an. Äpfel können selbst gepflückt werden. Und was für die Kleinen besonders spannend ist: „Beim Melken kann direkt zugesehen werden“, macht Sylvia Lienau Lust auf einen Besuch auf dem Hof.

Zurück zum Ziegennachwuchs: Das von Franziska betreute, kleine Außengehege ist ein wahrer Magnet für Klein und Groß. In einem ausrangiertem Hänger wohnen nämlich „Lilly“, „Billy“, „Pünktchen“, und die anderen sieben Artgenossen, die bei jedem Besuch neugierig an den Zaun kommen. Und dann ist immer Streicheln und ein kleiner „Plausch“ mit den lustigen Vierbeinern angesagt.

Alte Sorten

Mit dem Apfel hat alles angefangen. Und noch heute stehen Äpfel hoch im Kurs der Lienaus: „Rubinette“ nennt sich der Liebling des Hofes, eine alte Sorte – saftig-knackig und feinsäuerlich schmeckend, wenn auch vergleichsweise klein. Ferner werden Holsteiner Cox, Boskop, Elstar, der Glockenapfel, Gloster, Jonagold, Gala, Coxorange und der rustikale Wellant angebaut. Auch bei den Kartoffeln sind alte Sorten zu finden, zum Beispiel die kleinen, würstchenförmigen Bamberger Hörnchen, eine vom Aussterben bedrohte Sorte.

 Rüdiger Jacob

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