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Der Politiker für alles, was draußen ist

Ahrensburg Der Politiker für alles, was draußen ist

Der grüne Umweltminister war im Ahrensburger Marstall zu Gast und füllte den Saal.

Ahrensburg. . Politiker, Schriftsteller, Philosoph, Entertainer – wenn Robert Habeck kommt, erlebt der Zuhörer multiple Persönlichkeiten. Denn der Grünen-Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume von Schleswig-Holstein – oder wie er sagt: „Für alles, was draußen ist“ – hat sich gerade um die Kandidatur bei der Bundestagswahl 2017 beworben. Er ist promovierter Philosoph und zusammen mit seiner Frau Andrea Paluch Autor diverser Bücher, von denen „Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“ auch verfilmt wurde, sowie Verfasser eines Theaterstücks. Am Dienstag war Habeck in der Reihe „Politik in der Remise“ im Ahrensburger Marstall zu Gast, wo ihm 100 Zuhörer lauschten und er zwei Seiten aus seinem jüngsten Buch „Wer wagt, gewinnt“ vorlas.

Im Marstall hatte er schon nach fünf Minuten gewonnen. „In der Demokratie hat jede Stimme ihren Wert“, hielt er ein Plädoyer dafür, das Wahlrecht zu nutzen. Sätze wie „Ich dachte, ich wähle mal Protest, ich wusste ja nicht, dass es so ausgeht“ nach dem Brexit würden beweisen, dass es auf jeden Einzelnen ankomme. „Wir dürfen keine apathische Haltung in der Demokratie einkehren lassen.“ Nach diesem Appell erlebte man den Naturphilosophen auf der Bühne, der eine Vorlesung über den Zustand der Welt hielt.

„Treffen sich zwei Planeten im Weltraum“, erzählte Habeck einen Witz. „Sagt der eine zum anderen: „Du siehst aber schlecht aus!“ Der antwortet: „Ja, ich hatte homo sapiens.“ „Ich auch“, erklärt der erste, „aber jetzt geht es mir wieder gut.“ Der Druck auf die Umwelt sei so immens wie selten zuvor, warnte der Minister. „Der Mensch zerstört sich seinen Lebensraum. Das wird er nicht überleben, die Erde aber schon.“ Seit Bestehen der Welt habe es fünf Massensterben gegeben. Mit dem Tod der Dinosaurier, spätestens aber seit dem 16. Jahrhundert erlebe die Welt eine sechste große Extinktionswelle. „Jedes Jahr werden 11000 bis 54 000 Arten ausgerottet“, so Habeck, „der Klimawandel heizt das an.“

Während die Zuhörer noch da saßen wie Dinosaurier, auf die der Meteorit zurast, wechselte der Autorphilosophminister in die Grünen-Rolle. Jakobskreuzkraut, Bienensterben, Versiegelung der Landschaft und Massentierhaltung würden dazu führen, dass die ursprüngliche Natur verloren gehe. „Als Junge habe ich auf dem Feld noch Wildblumen am Muttertag gepflückt, heute gibt es die nicht mehr.“ Zurück zum Muttertagsstrauß, möchte man fordern, aber nun ist Habeck wieder Philosoph. „Man muss das Wilde der Natur als Bereicherung sehen“, forderte Habeck angesichts der Rückkehr des Wolfes. „Das schafft das Erleben von Freiheit. Wir müssen auch mit Kreaturen leben, die nicht hier ansässig sind.“ Deutschland müsse global ein Beispiel sein. „Wir können nicht gegen das Abschießen der Tiger sein und selber unsere Wölfe erlegen.“

Dann folgte eine Fragerunde. „Wir haben eine Empörungskultur“, stellte Habeck zur Frage nach den Wutbürgern fest, dabei sei Angst die Motivation. „Aber aus Angst vor Atomkraft sind die Grünen entstanden.“ Gescheitert sei er beim Thema Rückbau der Atomkraftwerke. Die Kommunen hätten sich dagegen gewehrt, den schwach radioaktiven Bauschutt auf ihren Deponien zu entsorgen. Über Plastiktütenverbot und Ausgleichsflächen kam das Fracking zur Sprache. „Hier droht im Moment keine Gefahr“, beruhigte Habeck und wurde zum Entertainer. Derzeit reise er wie bei „Germanys next Top-Model“ umher, um sich neben Cem Özdemir und Anton Hofreiter als Kandidat vorzustellen. „Da gibt es ein Spiel, bei dem man entscheiden soll: Willst du keine Massentierhaltung oder keine Atomkraft?“ Seine Mitbewerber hätten nicht mitgespielt, weil sie beides nicht wollten. „Ich habe weitergemacht. Denn das Sich-entscheiden-müssen ist Politik.“ Zum Schluss las Habeck zwei Seiten aus seiner politischen Biografie, die 2016 erschienen ist.

„Ich halte ihn für einen sehr aussichtsreichen Kandidaten“, urteilte Horst Ansén. „Er macht gute Arbeit in Schleswig-Holstein.“ Als Mensch, Philosoph, Politiker und Schriftsteller sei er beeindruckend, fand Martina Gammelien. „Er hat ein gutes Auftreten“, begrüßte auch Uwe Krohn Habecks Kandidatur für die Bundestagswahl.

Bettina Albrod

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