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Der Rallye-Champion und seine Stadt

LN SERIE: MEIN HERZ SCHLÄGT FÜR BAD OLDESLOE Der Rallye-Champion und seine Stadt

Motorsportmeister und Unternehmer Rolf Witthöft über Jugendsünden und Blickwinkel.

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„Hier wäre ein ideales Plätzchen für ein Café“, sagt Rolf Witthöft über den idyllischen Garten hinter dem Blauen Haus. FOTOS: MATZEN, ARCHIV

Bad Oldesloe. Er ist schon zu Lebzeiten eine Legende: Rolf Witthöft. Der Oldesloer führt nicht nur ein Familienunternehmen mit Tradition, sondern er steht auch für sportliche Erfolge. Der 72-Jährige war mehrmaliger Welt-, Europa- und Deutscher Meister im Motorsport. Für ihn persönlich der größte Erfolg: „Als ich 1973 die Internationale Sechstagefahrt aller Klassen mit meiner 125er Zündapp gewonnen habe“, erinnert sich der Gelände-Champion. Für diese sportliche Höchstleitung wurde er vom Bundespräsidenten mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.

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Motorsportmeister und Unternehmer Rolf Witthöft über Jugendsünden und Blickwinkel.

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„Ich habe nur bedauert, dass ich sportlich nie Oldesloer wurde. Die Stadt hatte für den Dreckspatz, der durch den Wald kurvte, nicht viel übrig“, erinnert sich Witthöft. Deshalb sei er für die Motorsportabteilung (MSA) der Polizei Hamburg gestartet und nicht für den AMC Stormarn. „Die legten keinen Wert auf jemanden wie mich, der durch schweren Dreck und Baumwurzeln kurvte. Die vom AMC hatten alle weiße Handschuhe an.“ Die Hansestadt Hamburg habe ihn mit offenen Armen empfangen.

Vom Bürgermeister seiner Heimatstadt flatterte Witthöft nach seinen großen Siegen höchstens ein Schreiben ins Haus. „Wie wir der Tagespresse entnommen haben, haben Sie das Rennen gewonnen. Wir gratulieren recht herzlich.“ Wenn sich so etwas über Jahre hinziehe, sei das recht traurig, meint der Geschäftsführer und Inhaber der Mazda- und Kawasakivertretung in der Kreisstadt. „Heute tut es mir sogar noch mehr leid als früher.“

Dass er seinem Heimatort trotz dieser enttäuschenden Erfahrungen nicht den Rücken gekehrt hat, mag verwundern. „Aber Bad Oldesloe liegt mir so am Herzen, weil es einfach eine wunderschöne Stadt ist.

Durch den Sport habe ich viele Freunde bundesweit. Wenn die mich hier besuchen, machen die immer ganz große Augen“, sagt der Geschäftsmann.

Vor einigen Jahren sei Wolfgang Lippert bei ihm zu Gast gewesen. „Er suchte noch ein Geburtstagsgeschenk. Ich ging mit ihm in die Buchhandlung Willfang. Als wir wieder vor die Tür traten, blieb Lippert stehen und sagte: ,Meine Güte, was für ein Blick!’“ Für Witthöft sei das eine Bestätigung gewesen, dass Oldesloe Ecken und Blickwinkel habe, die einfach immer wieder faszinieren.

Ursprünglich stammt die Familie Witthöft aus Rickling im Kreis Segeberg. 1937 kaufte Heinrich Witthöft, der Vater von Rolf Witthöft, ein Grundstück in der Hamburger Straße 6 mit Kfz-Werkstatt und Tankstelle. Während des Krieges war der Betrieb geschlossen, da Witthöfts Vater zum Militär musste. Doch bald nach 1945 eröffnete Witthöft neu, verkaufte und reparierte Motorräder, ab 1954 war er Lloyd Vertragshändler. „Unsere ganze Familie hat Benzin im Blut“, sagt Rolf Witthöft. „Ich konnte kaum laufen, da saß ich schon auf einem Motorrad.“ Schule war für Witthöft eher ein notwendiges Übel.

„Ich war erst auf der Stadtschule, danach auf der Klaus-Groth-Schule, die damals ganz neu war. Ich hatte Probleme mit dem Lernen, weil ich lieber Motorrad fahren wollte“, erinnert sich der Oldesloer.

Viel Spaß habe er auch beim Modellbau gehabt. „Damals war der Aero Club noch in der Klaus-Groth-Schule. Da haben wir Flugzeuge und Schiffe gebaut – das war toll.“

Im zarten Alter von zehn Jahren hat Rolf Witthöft schon mit Geschicklichkeitsrennen angefangen. „Das erste Rennen bin ich 1954 in Reinfeld gefahren. Aber natürlich habe ich schon vorher in der Werkstatt meines Vaters meine Runden gedreht“, erinnert sich der Autohändler schmunzelnd. Später hätten sich seine Rallye-Konkurrenten immer gewundert, wieso er als Flachländer so geschickt im bergigen Gelände sei. „Das darf man eigentlich keinem verraten: Aber früher habe ich mit meiner Kreidler im Kurpark und im Brenner Moor geübt. So habe ich gelernt, Steigungen zu nehmen, ohne in die Beste zu stürzen.“

Während Witthöft davon erzählt, fällt ihm noch eine Jugendsünde ein. „In einer Nacht im Mai standen wir zu Viert am Gänselieselbrunnen. Es war kalt, und wir dachten uns, die halbnackte Frau muss doch auch frieren. Also zogen wir der Gänseliesel unsere Klamotten an. Der Erfolg: Tags darauf stand in der Zeitung, dass Denkmalschänder am Werk gewesen seien.“ Witthöft und seine Freunde hätten sich darüber köstlich amüsiert.

1973 war Witthöft der zweite Betrieb nach August Ernst, der in die Industriestraße zog. „Damals war das ganz weit draußen, heute sind wir mittendrin“, so Witthöft über die strategische Veränderung der Lage. Glücklich ist der Oldesloer auch darüber, dass die Zukunft des Auto- und Motorradhauses gesichert sei. Witthöfts Tochter Katy werde den Betrieb übernehmen. „Sie hat das Geschäft von der Pike auf gelernt.“

Wenn Rolf Witthöft etwas verbessern dürfte in seiner Heimatstadt, dann dies: „das gastronomische Angebot. Außerdem würde ich mir wünschen, dass die Anlage am Bürgerpark Camper-freundlicher gestaltet wird. Man kann da nicht duschen, das müsste man unbedingt im Angebot mit aufnehmen.“ Viele Urlauber würden dort wegen des Travewanderweges und des Brenner Moores Halt machen. „Wir bringen manchmal Kunden, die mit ihrem Auto eine Panne haben, in der Jugendherberge unter. Die sind immer ganz begeistert, wie schön man dort spazieren gehen kann.“

Meine Lieblingsplätze

Vor 33 Jahren wollte Rolf Witthöft mit seinen Kumpels im Restaurant „Zum Kamin“ etwas trinken gehen. „Doch der Laden war knackevoll. Die hatten keinen Platz für uns, nicht mal am Tresen. ,Wir kommen wieder‘, sagten wir zum Wirt Klaus Strahlendorf. ,Am 20.12. um 20.12 Uhr. Und dann stehen da sieben frisch gezapfte Biere.‘“ Genau zum vereinbarten Zeitpunkt trafen sich Witthöft und seine Freunde vor dem „Kamin“. Sie machten die Tür auf, und da warteten die Hopfenkaltschalen schon auf sie.

„Das hat uns begeistert, dass Strahlendorf uns nicht vergessen hatte. Seitdem treffen wir Sieben uns jedes Jahr am 20. Dezember um 20.12 Uhr im ,Kamin‘. Die Strahlendorf-Familie verwöhnt uns dann nach Strich und Faden. Wer den Termin vergisst, der übernimmt die ganze Rechnung“, sagt Witthöft lachend. Aber nicht nur an dem besagten Tag, sondern auch sonst ist Witthöft ein großer Fan der Küche des Spezialitäten-Restaurants.

Doch Witthöft hat noch weitere Lieblingsplätze. „Zum Beispiel der verwilderte Garten hinter dem Blauen Haus, wo sich Trave und Beste treffen. Ich finde, hier sollte man ein Gartencafé einrichten. Dann mag ich die riesige Trauerweide im Heiliggeistviertel unheimlich gern. Auch den Platz hinter der Mühle, wo das Travewasserrad rattert, finde ich wunderschön. Überhaupt hat Oldesloe in der Innenstadt zahlreiche Ecken, wo man ehrfürchtig stehen bleibt und denkt: Meine Güte, wo gibt es denn so was noch.“

Britta Matzen

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