Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Der Traum vom eigenen Huhn
Lokales Stormarn Der Traum vom eigenen Huhn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:01 23.10.2017
Dietrich Schmidt, Vorsitzender des Vereins für Geflügelzucht Bad Oldesloe und Umgebung. Quelle: HFR
Bad Oldesloe

„Mama, ohne Hühner kann ich nicht leben!“ Dietrich Schmidt aus Neufresenburg war noch ein kleiner Junge, als er diesen Satz sagte. Im Alter von zwölf Jahren ging sein großer Herzenswunsch in Erfüllung. Sein Opa baute ihm einen Hühnerstall. „Ich hatte ganz unterschiedliche Rassen – große Hühner und kleine, manche mit Federn an den Füßen, manche ohne.“ Heute ist der 32-Jährige nicht nur Halter von fünf Hennen und einem Hahn der seltenen Rasse Orpington, die sich durch prächtiges, wuscheliges Gefieder auszeichnet, sondern seit März dieses Jahres ist er auch Vorsitzender des Vereins für Geflügelzucht Bad Oldesloe und Umgebung von 1896.

Erst Fipronil, dann Salmonellen – Schluss mit den Skandalen! Immer mehr Stormarner wollen ihr Frühstücksei von glücklichen Hühnern gelegt bekommen und schaffen sich deshalb eigenes Federvieh an. Geflügelzüchterverein und Amtstierarzt bestätigen den Trend.

„Da muss man jede Menge Engagement und auch Geld reinstecken. Karlheinz Reisewitz

Kreisveterinär

„2010 war der Verein mit zwölf Mitgliedern kurz vor dem Sterben. Heute haben wir 62 Mitglieder. Davon viele Frauen und viele Familien mit Kindern – außerdem werden wir immer jünger“, freut sich Schmidt, der auch mit einem modernen Internetauftritt dafür gesorgt hat, dass der Verein nicht nur mit einer Website, sondern auch auf Facebook vertreten ist. „Das wird total gut angenommen“, so der Vereinschef. Hühnerliebhaber würden sich zunächst im Netz informieren, bevor sie auf den Verein zukämen. „Die Leute haben einfach keine Lust mehr auf Skandaleier aus dem Supermarkt. Sie wollen Eier von eigenen glücklichen Hühnern“, erklärt Schmidts Vorgänger Rainer Götze aus Travenbrück die positive Entwicklung.

„Den Trend kann ich eindeutig bestätigen. Die Leute legen sich Kleinbestände zu – mit bis zu acht Hühnern“, sagt Dr. Karlheinz Reisewitz, Amtstierarzt des Kreises Stormarn. Aktuell seien 1050 Hühnerhalter im Kreisgebiet gemeldet. Da es aber keine Abmeldevorschrift gebe, gehe er davon aus, dass es tatsächlich um die 750 Hühnerhalter seien.

Kürzlich habe eine junge Familie aus der Vogel-Baum-Siedlung in Bad Oldesloe vier Hühner und einen Hahn von Rainer Götze erworben. „Die sind aus Hamburg hergezogen und waren total glücklich, dass sie jetzt ihr eigenes Federvieh halten können. ,Stellen Sie sich vor, die fressen uns schon aus der Hand‘, haben sie mir gerade berichtet“, so der Travenbrücker, der seit 1956 Mitglied der Oldesloer Geflügelzüchter ist. „Die haben erst noch überlegt, ob sie überhaupt einen Hahn nehmen.“ Aber Götze habe ihnen unbedingt dazu geraten. „Wenn Sie nur Hennen halten, ist das wie bei Frauen, die zusammen arbeiten. Eine will das Sagen haben und wird zur Zicke.“ Ein Hahn bringe Ruhe in den Stall und passe außerdem sehr gut auf seine Hennen auf.

Hühner in der Stadt zu halten, hält Dietrich Schmidt für völlig unproblematisch. Die Siedlungshäuser aus den 50er Jahren seien geradezu prädestiniert – „die wurden extra für die Tierhaltung angelegt“. Aber auch für diejenigen, die weniger Platz zur Verfügung hätten, gebe es Lösungen. „Es gibt passende Hühnerrassen für jeden Anspruch und jede Grundstücksgröße“, so der Experte. Die Vereine berieten Interessenten immer gerne.

Noch in den 50ern habe es viele Geflügelhalter in der Innenstadt von Bad Oldesloe gegeben. „Und kein Mensch hat sich darüber aufgeregt, wenn die Hähne morgens krähten“, erinnert Götze. Hühner sind Kleintiere. Grundsätzlich ist die private Haltung in Wohngebieten ohne Genehmigung zulässig. Damit es mit den lieben Nachbarn keinen Stress gibt, empfiehlt der Geflügelzuchtverein Hobbyhaltern, diese vorab zu informieren. Zudem sollte man darauf achten, dass die Hühner werktags zwischen 20 Uhr und 8 Uhr im Stall sind, an Sonn- und Feiertagen zwischen 20 Uhr und 9 Uhr.

„Wir haben die Beobachtung gemacht, dass so mancher Halter auch schnell wieder den Spaß daran verliert“, sagt Amtstierarzt Reisewitz. Hühnerhaltung sei ziemlich anspruchsvoll. „Da muss man jede Menge Engagement und auch Geld reinstecken“, weiß der Veterinär des Kreises.

Zunächst müssten Hühner, die im eigenen Garten gehalten werden, dem Kreisveterinäramt gemeldet werden. Das koste einmalig 15 Euro. Zudem seien Halter verpflichtet, ihre Tiere drei- bis viermal im Jahr vor der Newcastle-Krankheit impfen zu lassen. „Jeder Halter sollte seinen Bestand einmal im Jahr einem Tierarzt vorstellen, um sicher zu gehen, dass die Tiere gesund sind“, empfiehlt der Amtstierarzt. „Außerdem spielen Sauberkeit und Hygiene eine große Rolle. Denn schlechte Tierhaltung zieht sofort Ungeziefer und Ratten an.“

Wenn es nach Reisewitz geht, muss man keine eigenen Hühner halten, um an qualitativ hochwertige Eier zu kommen. „Wir haben hier in Stormarn sehr wohl gute Eier, die aus regionalen und vor allem überwachten Betrieben kommen.“ Mit der Anschaffung von Stall und Zaun sowie den Kosten für Futter, Einstreu, Impfungen oder Vereinsbeiträgen werde es letztlich teurer als Eier zu kaufen.

Geld hin, Geld her – für Dietrich Schmidt ist es nicht nur ein schönes Erlebnis, das Ei aus dem Nest zu holen. „Für mich sind die Tiere auch ein toller Ausgleich zu meinem stressigen Job. Zu den Hühnern zu gehen und sie zu beobachten, bringt mich wirklich total zur Ruhe.“

Veranstaltungen

Hühner, Tauben, Enten, Gänse und Kaninchen stehen am kommenden Wochenende in Elmenhorst im Mittelpunkt. Im Mehrzweckgebäude der Gemeinde wird am Sonnabend, 28. Oktober, von 9 bis 16.30 Uhr und am Sonntag, 29. Oktober, von 9 bis 15.30 Uhr die 43. Rassegeflügel- und Kaninchenschau sowie die 56. Kreisverbandsschau Holstein-Süd stattfinden. Besucher haben die Möglichkeit, sich einen großen Einblick in die Rassenvielfalt der Tiere zu verschaffen. 34 Aussteller zeigen 276 Tiere in 30 Rassen und 45 verschiedenen Farbschlägen.

Kükengesundheit – das ist das Thema eines Vortages am 14. November um 20 Uhr im Bürgerhaus in Bad Oldesloe.

Am 18. und 19. November findet in den Holstenhallen in Neumünster die 116. Landesgeflügelschau statt sowie die 66. Landesjugendschau. Rainer Götze aus Travenbrück wird bei der Schau zum Meister der schleswig-holsteinischen Rassegeflügelzucht gekürt.

 Britta Matzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!