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„Der Umgang miteinander ließ manchmal zu wünschen übrig“

„Der Umgang miteinander ließ manchmal zu wünschen übrig“

Nach zwölf Jahren: Ende September geht der Bad Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary (63) in den Ruhestand – im LN-Interview blickt er auf eine spannende Zeit zurück.

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Die Einweihung des KuB war die letzte große Amtshandlung von Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos).

Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Ende September ist Schluss, dann gehen Sie in den Ruhestand. Wie geht es Ihnen damit? Schließlich waren Sie zwei Amtsperioden Bürgermeister der Kreisstadt.

LN-Bild

Nach zwölf Jahren: Ende September geht der Bad Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary (63) in den Ruhestand – im LN-Interview blickt er auf eine spannende Zeit zurück.

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Tassilo von Bary: Es geht mir sehr gut damit. Ich freue mich darauf, meinen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Ich habe endlich mehr Zeit für die Familie, für Freunde und meine Hobbys wie Musik machen, im Garten und am Haus rumzupuzzeln. Endlich kann ich alles in Ruhe machen. Als Bürgermeister hat man ja nicht so viel Zeit. Am Anfang hatte ich eine 70- bis 80- Stunden-Woche. Die letzten Monate habe ich das auf eine 40- bis 45- Stunden-Woche reduziert. Mittlerweile habe ich einen Tag pro Woche frei. Die Menschen konnten mich immer anschnacken, das konnte ich auch immer gut haben. Ich bin deshalb regelmäßig sonnabends in der Stadt gewesen, auf dem Markt. Das habe ich bereits reduziert und freue mich darauf, mal wieder in die Stadt zu gehen, ohne dass mich jemand anspricht.

Bei so viel Arbeit, wurden Sie jetzt zum Schluss amtsmüde?

von Bary: Nein, amtsmüde bin ich nicht geworden. Aber ich merke, dass ich älter werde und der Job als Bürgermeister für mich anstrengender wird. Meinen Urlaub habe ich bereits genommen, ich wollte bis zum Schluss durchhalten. Und meinem Nachfolger Jörg Lemke natürlich noch Sachen mit auf den Weg geben. Der kommt in diesem Monat und kann dann die ersten Einblicke bekommen.

Zwei Amtsperioden haben Sie jetzt hinter sich, wie blicken Sie zurück auf die vergangenen zwölf Jahre?

von Bary: Es war eine spannende Zeit in einem verantwortungsvollen Amt. Als Bürgermeister wird es nie langweilig. Es kommen beinahe täglich neue Herausforderungen auf einen zu. Ich war immer im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Das war auch meistens positiv. Der eine oder andere hat mich auch mal geärgert, aber Ärger gehört in so einem Amt dazu. Ich habe ein dickes Fell. Wichtig ist auch, dass man die Dinge nicht persönlich nimmt. Es war eigentlich immer so, dass sich meine Frau viel mehr aufgeregt hat als ich, ich bleibe dann immer ruhig. Trotzdem war es so, dass der Umgang miteinander manchmal zu wünschen übrig ließ. Es gab auch persönliche Anfeindungen, Gerede hinterm Rücken. Was meinen Sie, wie oft es hieß, ich bin zu Hause ausgezogen, meine Frau und ich haben uns getrennt.

Auf was sind Sie stolz, was konnten Sie in der Zeit erreichen?

von Bary: Ein einschneidendes Erlebnis war beispielsweise der Verkauf des Steinfelder Redders. Das war, im positiven Sinne, eine Hau-Ruck-Aktion. Es hatte vor meiner Zeit, in den 1980er Jahren, bereits schon einmal Planungen in diesem Gebiet gegeben, die aber nach einem Wechsel in der Kommunalpolitik wieder zu den Akten gelegt wurde. Der B-Plan wurde damals wieder aufgehoben. Man braucht also manchmal einen langen Atem. Der Stadtumbau-West ist auch gut gelaufen. Der war wichtig für uns. Wer vom Bahnhof in Richtung Innenstadt ging, der war am schlechtesten Ende vom Ort. Durch den Umbau haben wir eine Menge gewonnen. Und der Effekt hält noch an, immer mehr Private investieren, in der Bahnhofstraße wird gebaut. Das ist doch klasse. Außerdem haben wir es auch geschafft, den Raumbedarf der Schulen im Schulzentrum einigermaßen zu befriedigen. Dazu gehört auch der Bau der Mensa.

In welchen Bereichen sind Sie nicht weitergekommen?

von Bary: Die Wohnungsbauentwicklung ist so ein Beispiel. Wir brauchen mehr Ausweisungen für Grundstücke, auf denen Mehrfamilienhäuser gebaut werden können. Das Problem ist, die Politik will immer ein Gesamtkonzept, das wird es aber nie geben, denn die Stadt besitzt nicht alle Grundstücke. Es ist immer ein Abwägen zwischen Eigentümern und Interessen der Stadt. Das hätte ich gerne mehr voran gebracht. Das gilt übrigens auch für die Gewerbeansiedlung. Es gab zwei Anläufe für die Ansiedlung eines Autohofes im Gewerbegebiet bei Famila, aber die Politik wollte das nicht.

Apropos Politik. Wie bewerten Sie das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung. Gibt es da Gesprächsbedarf?

von Bary: Es gibt ein Misstrauen der Politik dem Handeln der Verwaltung gegenüber. Ich habe das Gefühl, dass die Politiker sich als Aufsichtsgremium verstehen und nicht als Selbstverwaltungsorgan. Warum das so ist, weiß ich nicht, ich glaube, das kommt aus der Vergangenheit, weiß es aber nicht.

Wo steht Bad Oldesloe in 20 Jahren, was wünschen Sie der Stadt?

von Bary: Es wird weiter bergauf gehen. Wir haben in 20 Jahren einen tollen Marktplatz, der begehbar ist, die Fußgängerzone sieht auch wieder eins a aus. Wir haben derzeit nur fünf Leerstände. Es werden neue Wohngebiete entstanden sein und die Kaufkraft wird steigen. Jetzt fehlt natürlich ein Kino in der Stadt. Und ich würde mir wünschen, dass es wieder eine kleine Bühne gibt.

Nachdem jetzt Rainers Stage Club dicht gemacht hat, gibt es keine mehr und das können wir durch das Kultur- und Bildungszenturm nicht auffangen.

Sollte es wieder einen Club geben, treten Sie dann auch selbst wieder auf?

von Bary: Nein, ich trete nicht mehr selber auf, das macht meine Stimme nicht mehr mit. Beim vergangenen Kindervogelschießen durfte ich die Abschlussrede halten und habe beim Schleswig-Holstein-Lied den Ton nicht mehr getroffen.

Was wird Ihre letzte große Amtshandlung sein?

von Bary: Meine letzte große Amtshandlung war jetzt die Einweihung des Kultur- und Bildungszentrums. Ich bin froh, dass ich das noch machen konnte, ich hatte sehr gehofft, das es noch klappt, bevor ich aus dem Amt scheide. Es ist ja so, dass so ein Projekt ewig dauert. 2007 begann der Entwicklungsprozess, jetzt haben wir 2016. Damals haben wir zum ersten Mal überlegt, was machen wir eigentlich mit dem Gebäude, in dem die Volkshochschule und die Musikschule untergebracht sind. Wir hatten ja auch noch einen Kindergarten in dem Gebäude. Erst hatten wir überlegt, das Haus zu sanieren, später haben wir uns dagegen entschieden. Wir kauften dann das alte Amtsgericht. Das ehemalige Kreiswehrersatzamt hätten wir auch kaufen, aber schlecht umbauen können. Wir haben zwar die Festhalle, da passen 400 Personen rein, aber Bad Oldesloe brauchte dringend einen Saal für 200 Personen.

Haben Sie einen Ratschlag für Ihren Nachfolger Jörg Lemke?

von Bary: Er muss für seine Bürgerinnen und Bürger stets ein offenes Ohr haben. Und er soll Frau Strohkirch nicht ärgern, seine künftige Sekretärin.

Interview: K. Kuhlmann-Schultz

LN

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