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Erschreckendes Bekenntnis

Klein Wesenberg Erschreckendes Bekenntnis

Neues Projekt widmet sich der evangelischen Kirche.

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  Der Klein Wesenberger KLaus-Rainer Martin mit seinem Dossier über die Geschichte der evangelischen Kirche im Zweiten Weltkrieg.

Quelle: Dorothea von Dahlen

Klein Wesenberg. Kaum ist das eine beendet, hat Klaus-Reiner Martin schon ein neues Projekt begonnen. Und es ist eher ein heikles Kapitel, das er da aufgeschlagen hat. Den Begriff Kirche hat der Diakon und Sozialpädagoge aus Klein Wesenberg bis dato eher mit Barmherzigkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit in Verbindung gebracht. Doch seine jüngsten historischen Forschungen über die Zeit des Zweiten Weltkriegs fördern ein ganz anderes Bild zutage.

Je mehr Dokumente er aus lokalen Archiven studiert, desto deutlicher zeigt sich, dass offizielle Vertreter der evangelischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus eine äußerst zweifelhafte Rolle gespielt haben, eine Rolle, die sie zu Tätern werden ließ.

„Im Kreis Stormarn hat die evangelische Kirche den Arierparagrafen in ihre Verfassung aufgenommen“, berichtet Martin. Opfer dieser Regelung sei beispielsweise ein Pfarrer geworden, der mit einer jüdischen Frau verheiratet war. „Man hat ihn gezwungen, sich zu trennen, ihn seines Amtes enthoben und sogar exkommuniziert“, weiß der geschichtsinteressierte Autor zu berichten.

Aus seinen Recherchen hat sich ergeben, dass die Synode der evangelischen Kirche in Schleswig-Holstein damals analog zu den weltlichen Herrschern in braunen Hemden aufgetreten ist und die Leitung nach dem Führerprinzip strukturiert war: ein Bischof legte mit zwei bis drei Kirchenobersten die Marschroute fest. Kritik war ausgeschlossen. Einer der Pastoren, die der Gruppe der Deutschen Christen angehörten, ist Martin zufolge überzeugter Nazi gewesen und wurde 1939 Propst in Bad Segeberg.

Und da ist noch dieses erschütternde Dokument NO-4314 aus dem NS-Archiv. Es handelt sich um eine eidesstattliche Erklärung, die der als Kriegsverbrecher verurteilte Ernst Emil Heinrich Biberstein während der Nürnberger Prozesse zu Protokoll gab. Der studierte Theologe bekam demnach seine erste Anstellung als Pastor im schleswig-holsteinischen Kating. Von November 1933 bis August 1935 war er Propst der evangelischen Kirche in Bad Segeberg. Freimütig bekennt Biberstein, dass er bereits von 1926 an Mitglied der NSDAP war und später auch der SS. Der Theologe machte offenbar richtig Karriere bei den Nazis. Immerhin avancierte er 1934 zum Kreisschulungsleiter.

Mit erschreckender Nüchternheit schildert er seinen Dienst als Chef des Einsatzkommandos 6. „Ich selbst beaufsichtigte eine Exekution in Rostow, die mit Hilfe eines Gaswagens vorgenommen wurde. Die zum Tode bestimmten Personen wurden, nachdem ihnen Geld und Wertsachen abgenommen worden waren, in den Gaswagen eingeladen“, bekennt Biberstein. Die Leichen der Ermordeten wurden hernach in einem Massengrab verscharrt.

Noch steckt Martin in den Anfängen seiner Recherchen. Er möchte auch die Dokumente der Kirchengemeinde von Klein Wesenberg unter die Lupe nehmen.

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Autor erlebte selbst die Willkür des Schicksals

Die Ohnmacht gegenüber Entscheidungen, die quasi von oben übergestülpt werden, hat der im sächsischen Hartenstein geborene Autor Klaus-Rainer Martin selbst schon in Kindertagen erfahren müssen. Nach der Kapitulation der Wehrmacht – er war damals sieben –, marschierte zunächst ein amerikanisches Infanterieregiment in seine Heimatregion ein. Doch im Juli zogen die Soldaten wieder ab und niemand wusste, wie es weitergehen würde. „Damals kamen viele Nationalsozialisten wieder aus ihren Löchern und kehrten in ihre Ämter zurück. Als schließlich die Rote Armee das Gebiet einnahm, wurden alle verhaftet“, erzählt Martin. Nach seiner Schilderung hatten die Amerikaner das Erzgebirge als Unterpfand bei den Verhandlungen aufgegeben, um die Kontrolle über Westberlin zu erlangen. Die Sowjets, so sagt er, hätten es im Tausch wegen seiner guten Uranvorkommen besetzt.

Nur diesem Umstand war es zuzuschreiben, dass Martin jenseits der Mauer im Osten aufwuchs. Doch er ergab sich nicht seinem Schicksal. 1958 ist ihm die Flucht gelungen.

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