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Perspektivwechsel: Kriegerdenkmale mit Wäscheleinen

Ammersbek Perspektivwechsel: Kriegerdenkmale mit Wäscheleinen

Der Bildhauer Axel Richter und der Künstler Uwe Schloen erinnern mit ihrer Aktion anlässlich des Beginns des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren an die zivilen Opfer.

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Axel Richter (l.) und Uwe Schloen wollen Kriegerdenkmäler mit einer Kunstaktion ins Bewusstsein rücken.

Quelle: Bettina Albrod

Ammersbek. Dinge, die man täglich sieht, nimmt man nicht mehr wahr. Dazu gehören die Kriegerdenkmale, die einmal im Jahr mit einer Kranzniederlegung ins Bewusstsein rücken. Zuweilen gibt es dann Diskussionen um Kriegsverherrlichung und Friedensbewegung, ehe die Denkmale wieder zurücktreten. Axel Richter, Bildhauer und Leiter des Kunsthauses am Schüberg in Ammersbek, und der Künstler Uwe Schloen beteiligen sich am 29. August an einer landesweiten Aktion der Akademie der Nordkirche, die die Denkmale auf andere Weise bewusst machen möchte. Anlass ist der 75. Jahrestag des deutschen Angriffs gegen Polen am 1. September 1939.

„Wir wollen an den Kriegerdenkmalen in Ahrensburg und Ammersbek eine Wäscheleine aufstellen, an die wir weiße Wäsche hängen“, erklären die beiden Künstler. „Damit wollen wir den Blick auf die Zivilbevölkerung lenken.“ Das Projekt unter dem Motto „Einladung zum Blickwechsel“ soll bewusst einen Gegensatz schaffen zu der Strenge von Stein und Monument. Dabei soll der Wert der Denkmale aber nicht beeinträchtigt werden. „Durch die Kunstaktion wird die Bedeutung des Denkmals erweitert“, erklärt Richter. „Es entsteht etwas temporär Flatterhaftes vor Granit und Bronze, das neue Aspekte in die Erinnerungsarbeit aufnimmt.“

Feinripp-Unterhemden, Handtücher, BH, Familiär-Intimes hänge man eigentlich hinters Haus, so die beiden Künstler. „Mit dem Öffentlichmachen wollen wir zeigen, dass das Zivile zur Erinnerungskultur dazu gehört. Nicht nur Väter und Söhne, sondern auch Mütter und Töchter sind angesprochen.“ Mit der Aktion solle deutlich werden, dass jeder Soldat eine Familie hatte, die auch im Krieg gelitten hat. „Das Denkmal wird nicht verhüllt, sondern ergänzt, beides soll zu sehen sein.“ Mit dem Kunstobjekt Wäsche würden sich zahlreiche Bilder verbinden. Der Kontrast des Alltäglichen zum öffentlichen Denkmal, Assoziationen wie Unschuld, dreckige Wäsche waschen, Friedensfahne… viele Themen würden angesprochen. „Der Krieg war dreckig“, gibt Richter zu bedenken, „viele Soldaten sind auch durch den Dreck gestorben.“

Die Aktion, die auf 14 Tage begrenzt ist, will nicht nur neue Blickwinkel eröffnen, sondern durch den Verfremdungseffekt auch einen Kunstimpuls setzen, der zum Gespräch einlädt. Kritik hat es schon im Vorfeld gegeben. „Man wirft uns wegen des BHs vor, dass wir sexistisch seien“, sagt Schloen. „Das sind wir nicht, wir möchten etwas eindeutig Feminines zeigen.“ Die eigene Meinung ist ausdrücklich erwünscht, deshalb werden in Ahrensburg und Ammersbek zusätzlich Diskussionsrunden zum Thema angeboten.

In Ammersbek gibt es zwei Denkmale zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Am Freitag, 29. August, ab 15 Uhr wird die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für zehn Tage zu sehen sein. Eine Diskussion gibt es am Donnerstag, 4. September, um 19 Uhr im Gemeindezentrum „An der Flottbek“.

In Ahrensburg haben auf Vorschlag von Bürgermeister Michael Sarach alle Fraktionen der Kunst-Aktion am Kriegerdenkmal in der Kastanienallee in Sichtweite des Schlosses zugestimmt, hier wird die Installation ab 11 Uhr zu sehen sein. Die Künstler stehen für ein Gespräch an Ort und Stelle zur Verfügung, eine Diskussion soll es im Oktober im Ahrensburger Marstall geben. Dabei sein werden Kulturmanager Armin Diedrichsen und auch Ahrensburgs ehemalige Bürgermeisterin Ursula Pepper.

Bettina Albrod

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