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Stormarn Der ganze Körper schwingt mit
Lokales Stormarn Der ganze Körper schwingt mit
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13:05 04.11.2013
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Bad Oldesloe

„Und jetzt das Ganze mal spanisch“, weist Barbara Rupp die Männer und Frauen an, die zu ihr in die Probe gekommen sind. Prompt richten sich die Sänger auf, weiten ihren Brustkorb, heben den Kopf. Und schon klingt das zuvor ein wenig verhalten vorgetragene Lied gleich forscher, ja stolzer. Und schnell wird klar: Chorgesang ist einfach mehr als die Summe gemeinsam erzeugter Töne. Die Haltung des Körpers trägt maßgeblich zum musikalischen Klang und Ausdruck bei.

Barbara Rupp wird wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes sehr geschätzt. Nicht von ungefähr erfuhr die Oldesloer Singakademie einen kräftigen Schub an neuen Interessenten, als sie vor einem Jahr die Leitung übernahm. Immerhin haben sich seitdem zehn „Schnuppermitglieder“ angeschlossen, die das Ensemble möglicherweise dauerhaft verstärken wollen. Derzeit gehören dem Chor 40 aktive Sänger und 20 passive Unterstützer an.

Jede Probe beginnt mit ausgiebigen Stimmübungen. Schließlich sollen sich die Sängerinnen und Sänger weiterentwickeln und so persönliche Erfolgserlebnisse für sich verbuchen können. Beim Einsingen — meist mit kleinen Kanons — mischt sich Rupp zuweilen unter das Ensemble, horcht angestrengt nach links und rechts, um auszuloten, wie die Stimmen harmonieren. Manchmal lässt sie Sänger die Plätze tauschen, wenn dies den Gesamtklang eines Musikstücks verbessert. „Ein Chor ist für mich wie ein Instrument. Das Wichtige ist, dass keine einzelne Stimme hervorsticht, sondern ein homogener Klang entsteht“, erklärt die ausgebildete Mezzosopranistin.

Bei den meisten Chören sind die tiefen Stimmlagen Mangelware. Deshalb hütet Barbara Rupp auch die singenden Herren wie ihren Augapfel. Als Bass darf Rolf Beyer als wichtige Stütze des Gesamtklangs nicht fehlen. Mit seinen 84 Jahren ist er nicht nur der älteste Sänger, er gehört der 1946 gegründeten Singakademie auch am längsten an. Manchmal nimmt er Chorleiterin Barbara Rupp zur Seite und sagt augenzwinkernd: „Komm mal her Kleine, ich erzähl mal von früher.“ Damals dominierten noch Stücke von Brahms, Bach und Schubert das Repertoire der Singakademie, eine Zeit, der Beyer mit Wehmut hinterhersieht. Er absolvierte eine Gesangsausbildung in Bad Oldesloe, gab Solokonzerte im Rathaus der Stadt und der Loge.

Dass sich das Notenblatt gewissermaßen gewendet hat, findet er bedauerlich. „Heute ist klassische Chormusik nicht mehr so gefragt. Das ist einfach so“, sagt er und räumt ein, dass er manches Mal Probleme hat, sich auf moderne Stücke einzulassen, auf kompliziertere Rhythmen mit Synkopen, wie sie etwa im neu einstudierten Lied „While Sheperds Rocked“ bestimmend sind. „Aber wir haben das Glück in Frau Rupp eine Chorleiterin zu haben, die uns langsam an moderne Musikliteratur heranführt“, sagt Rolf Beyer.

Ganz verabschieden muss sich der 84-Jährige von gewohnten Klängen dennoch nicht. „Ich habe sehr großen Respekt vor dem traditionellen Liedgut und finde, dass es auf jeden Fall erhalten bleiben muss“, sagt Chorleiterin Barbara Rupp. Und dieser Meinung sind auch die meisten Sänger im Ensemble. Sie sind stolz, dass die Singakademie ein generationsübergreifendes Projekt ist, bei dem das Alter so gut wie keine Rolle spielt, sondern vielmehr die Begeisterung für die Musik. „Wir freuen uns natürlich immer über neue Mitstreiter“, sagt Barbara Rupp.

Wer sich davon anstecken lassen will, sollte die beiden Auftritte der Oldesloer Singakademie am Jahresende nicht verpassen. Das Ensemble tritt zunächst am 22. Dezember, dem vierten Advent, um 17 Uhr in der Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe auf. Der Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Gratis ist der Chor beim traditionellen Einsingen der Weihnacht am 23. Dezember ab 18 Uhr zu hören, und zwar ebenfalls in der Peter-Paul-Kirche.

Dorothea von Dahlen

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