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Stormarn Deutlich mehr Einbrüche in Stormarn
Lokales Stormarn Deutlich mehr Einbrüche in Stormarn
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18:09 12.03.2016
Ein Blick in die Stadt Ahrensburg.

 Mit 312 Taten in 2015 ist die Zahl in der Stadt sprunghaft um mehr als 100 angestiegen. „Über das ganze Jahr gerechnet ist das fast täglich ein Einbruch“, beklagt Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke. Ahrensburg hat somit die höchste Kriminalitätsrate in Stormarn.

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Die neue Stormarner Kriminalstatistik zeigt eine Zunahme beim Diebstahl. Besonders dort, wo Wohlstand herrscht.

Uwe Krog (62) über das, was wir tun können, um noch mehr Kriminalität zu verhindern.

In Reinbek hat sich die Zahl der Einbrüche von 60 innerhalb eines Jahres auf 139 sogar mehr als verdoppelt, ebenso liegt Bad Oldesloe inzwischen bei gut über 100 im vergangenen Jahr. Am sichersten ist es nach der gestern veröffentlichten Kriminalstatistik noch in Bargteheide.

„Stormarn gehört seit Jahren zu den zehn wirtschaftlich erfolgreichsten Kreisen in ganz Deutschland“, erklärt Holger Meincke, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Ratzeburg. Deshalb sei der Kreis bei den Einbrechern beliebt. Dort, wo Geld sei, gingen die Einbrecher hin. Stormarn zählt auf der Schattenseite des Erfolges „möglicherweise ebenso zu den deutschen Top Ten“, sagt Kripomann Köhnke und sagt weiter: „Die Polizei kommt gegen die Vielzahl der Einbrüche nicht mehr an.“ Der Wohlstand in Verbindung mit den Autobahnen als schnelle Fluchtwege locke „vermutlich Tätergruppen aus nichtdeutschen Gebieten an. Die fliegen kurz ein und verschwinden wieder, entweder in ihre Heimat oder in die Anonymität Hamburgs.“ Der Anteil nichtdeutscher tatverdächtiger Einbrecher beträgt nach der neuen Statistik 73,5 Prozent. Die Kriminalpolizei geht von Tätern überwiegend aus Osteuropa und vom Balkan aus. Einen Zusammenhang mit dem massiven Anstieg der Wohnungseinbrüche und der in Stormarn lebenden nichtdeutschen Bevölkerung sieht Köhnke allerdings nicht.

Deren Verhalten sei „eher unauffällig“. Und wenn diese Personen auffielen, dann durch kleinere Delikte wie Ladendiebstahl. Die Leute würden oftmals nur in der Statistik landen, weil sie Straftaten begingen, die nur Ausländer begehen könnten — wie etwa illegales Einreisen. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb Neumünster mit seiner zentralen Erstaufnahmestelle den landesweiten Kriminalitätsvergleich mit Abstand anführt.

Für die Polizeidirektion Ratzeburg, die für Stormarn und den Kreis Herzogtum Lauenburg zuständig ist, soll es nun zumindest vier neue Stellen geben. Zudem sei eine Sondereinsatzgruppe für komplexe Ermittlungsverfahren im Gespräch, berichtet Vize-Polizeichef Meincke. Und an ihrer besonders intensiven Art der Spurensicherung wollen die Beamten festhalten. Über eine Umstrukturierung werde nachgedacht. Insgesamt sollen sich künftig 27 Mitarbeiter ausschließlich um Wohnungseinbrüche kümmern.

Die Beamten räumen allerdings ein, dass sie allein damit künftige Einbrüche kaum verhindern werden können. „Das würde nur gelingen“, weiß Meincke, „wenn wir in jeder Straße in Sichtweite einen Polizisten aufstellen würden.“ Und sie präsentieren „eine Hoffnungsfolie“, wie sie diese Berechnung nennen. Danach war 2015 bei den Einbrüchen im Langzeitvergleich noch lange nicht das schlimmste Jahr. Von 1992 bis 1994 lagen die Zahlen noch viel höher.

Und bei allem Ärger mit Einbrechern hat es im vergangenen Jahr in den meisten Bereichen einen Rückgang gegeben: weniger Rohheitsdelikte, weniger Autodiebstähle, weniger Rauschgift- und Straßenkriminalität, weniger Kindesmissbrauch und Brandstiftungen. Vor allem sind weniger Kinder und Heranwachsende auffällig geworden. „Die objektive Sicherheitslage ist weiter gut“, konstatiert Köhnke. Vor allem sei sie besser als im Landesdurchschnitt.

Stormarns Städte im Vergleich

312Fälle von Wohnungseinbrüchen verzeichnete die Polizei innerhalb des vergangenen Jahres allein in Ahrensburg. Das trägt wesentlich dazu bei, die Stadt im Vergleich der Stormarner Städte in eine negative Spitzenposition zu bringen. Als Grund nennt die Polizei vor allem den Wohlstand in der Region und die schnelle Erreichbarkeit der Autobahnen, um entweder in der Anonymität der Metropole Hamburg zu verschwinden oder noch weiter weg abzutauchen.

106 Mal wurde in Bad Oldesloe eingebrochen — eine Zunahme um fast die Hälfte im Vergleich zu 2014. Oftmals suchen sich die Täter eine bestimmte Region aus, schlagen mehrmals zu und verschwinden genauso schnell, wie sie gekommen sind. Die Polizei hat das Nachsehen.

Die Stormarner Polizisten haben im vergangenen Jahr von 1281 Wohnungseinbrüchen gerade 79 Taten aufgeklärt.

Integrationsarbeit ist jetzt wichtig

Als Reaktion auf die Zunahme der vielen Einbrüche denken sie bei der Polizeidirektion Ratzeburg über einen leichten Umbau ihrer Strukturen nach. Vier neue Stellen soll es bei der Polizeidirektion Ratzeburg geben, so dass dann eine Sondergruppe mit 27 Beamten nur mit solchen Taten beschäftigt ist.

Viel zu wenige, möchte man meinen angesichts der neuen Zahlen. Es sollte nämlich nicht vergessen werden, dass dies nur die bekannt gewordenen Fälle sind. In Wirklichkeit könnten es viele Einbrüche mehr sein. Alle die, in denen nur versucht wurde, in ein Haus einzudringen und die nicht angezeigt wurden. Deshalb haben Schleswig-Holsteins Ordnungshüter gemeinsam mit Niedersachsen eine Dunkelfeldstudie unter Beteiligung des renommierten Kriminologen Christian Pfeiffer in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse lassen zwar noch auf sich warten. Allerdings heißt es aus Polizeikreisen, Pfeiffer habe durchblicken lassen, dass mit mehr Kriminalität zu rechnen sei, wenn die Integration auf allen Ebenen nicht gelänge.

Die wird um so wichtiger, als die Polizei mit ihrer geringen Aufklärungsquote den Einbrechern nur noch hinterherläuft und sie in den seltensten Fällen fasst. Eine Integration aller sozial Schwachen und von der Gesellschaft Vernachlässigten ist jedenfalls lohnender, als immer nur mehr Polizisten zu fordern. Und Uniformen an jeder Straßenecke sind auch nicht erstrebenswert.

Von Uwe Krog

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