Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Dicke Luft bei den Modellfliegern

Barsbüttel/Bad Oldesloe Dicke Luft bei den Modellfliegern

Stormarns einziger Fachhändler „Staufenbiel“ sieht durch die neuen Vorgaben vom Bundesverkehrsministerium die ganze Branche in Gefahr. Unter anderem soll eine Flugobergrenze von 100 Metern gelten.

Voriger Artikel
Im eigenen Wohnzimmer bleibt der Staat außen vor
Nächster Artikel
Mein lieber Schwan!

Der Modellflugzeugbau vor dem Absturz? Stephan Plewinski, Chef beim europaweiten Modellflugzeug-Händler Staufenbiel, fürchtet das Schlimmste.

Quelle: Fotos: Krog, Dpa, Bathke/hfr

Barsbüttel/Bad Oldesloe. Weiter keine Einigung zwischen Modellflieger-Verbänden und dem Bundesverkehrsministerium: Beim jüngsten Treffen wiesen Verbandsvertreter einmal mehr darauf hin, dass die generelle Flugobergrenze von 100 Metern für Modellflugzeuge nicht akzeptabel sei.

 

LN-Bild

Alexander Dobrindt (CSU)

Solange diese Grenze nicht vom Tisch sei, würden die Verbände ihre Anstrengungen für eine allen Seiten gerecht werdende Lösung unvermindert fortsetzen, hatte Hans Schwägerl, Präsident des Deutschen Modellfliegervereins, betont. „Wir wissen eine breite Öffentlichkeit hinter uns.”

Und im Barsbütteler Hanskampring, dort wo Stormarns einziger Fachhändler „Staufenbiel“ für Modellflugzeuge und ferngesteuerte Drohnen seinen Hauptsitz hat, verfolgt dessen Prokurist Stephan Plewinsky die Bestrebungen des Dobrindt-Ministeriums, die Vorgaben für Hobbyflieger zu verschärfen, mit Argwohn. „Hier wird alles über einen Kamm geschoren“, sagt der leidenschaftliche Modellflieger.

Als er sechs Jahre alt war, ließ er seine ersten Modelle fliegen. Schuld waren die Eltern, die mit ihrem kleinen Jungen in Hamburg-Harburg immer an einer Stelle vorbeispazierten, an der die Tüftler ihre Flugzeuge ausprobierten.

Plewinsky, der sozusagen in logischer Folge seine Berufskarriere bei der seit 1899 existierenden Firma begann, hat schon „eine gewisse Verunsicherung und Zurückhaltung“ der Kunden beobachtet. Seit Anfang der 70er Jahre handelt die Firma „Staufenbiel“ mit Modellbauartikeln. Heute zähle sie mit europaweit 200000 Kunden zu einem der größten Modellbau-Fachhandelsunternehmen Europas.

„Eine Begrenzung von 100 Metern für Modellflieger würde uns das Genick brechen“, fürchtet der Manager. „Ein ganzer Wirtschaftszweig hängt da dran.“ Niemand würde mehr in ein Hobby investieren, das er im Grunde nicht mehr betreiben könne. „Was wollen sie dann mit einem Modellflugzeug, das 400 Stundenkilometer schnell sein kann?“ Schon jetzt sei es im Hamburger Stadtgebiet ungeheuer schwierig, sein Modell fliegen zu lassen. In der Folge würden die Hamburger vielfach ins Umland, nach Stormarn und ins Lauenburgische ausweichen.

Zwar räumt er ein, dass es durch den Boom mit ferngesteuerten Drohnen schwarze Schafe gebe, die sich eben nicht an die Versicherungspflicht, an Beschränkungen bei Flughäfen und vor Industrieanlagen hielten. Allerdings seien ihm und anderen in der Branche immer nur Beinahe-Unfälle bekannt. Niemand sei verletzt worden. „Wir wundern uns, dass alle über einen Kamm geschoren werden“, sagt er.

Plewinsky sieht im Flugzeug-Modellbau eigentlich die Wiege für Karrieren bei Airbus etwa. „Der Grundstein für die Luftfahrt-Ingenieure von Morgen wird doch auf den Plätzen der Modellflieger gelegt.

Dort können sie üben, selber etwas zu entwickeln. Und jetzt will man dieses schöne, technische Hobby auch noch abwürgen.“

Dabei hält das Spielzeug gerade Einzug ins wirkliche Leben. Die beweglichen und mit Kameras ausgerüsteten Drohnen werden in den USA in der Landwirtschaft eingesetzt, um etwa Pflanzenkrankheiten frühzeitig zu erkennen.

„Ja, die Drohnen sind ein Thema bei uns“, berichtet Peter Koll, Geschäftsführer der Kreisbauernverbandes. Fliegende Wärmebildkameras würden Sinn machen, wenn es etwa um Wildrettung in den Feldern gehe. „Ein probates Mittel, um große Flächen abzusuchen“. Aber genau deshalb, weiß Koll, hätten sich die Drohnen mit ihren vielfältigen Möglichkeiten wenigstens in Stormarn noch nicht durchgesetzt.

Allgemein seien die Flächen zu klein. Sogenannte Ertagskarierungen würden die Landwirte mit dem Mähdrescher betreiben. „Der zeichnet den Ertrag jeder einzelnen Spur auf.“

Stormarns Kreisjägermeister Klaus Klemm unterdessen berichtet von einem Waidmann, der sich bei Rethwisch einen Drohnenpiloten suchte, um durch Wildschweine verursachte Schäden herauszufinden. „Das funktionierte.“ Das Problem nur sei die praktische Erfahrung mit den fliegenden Gerätschaften – und ihr Preis. „In der Praxis haben sich die Drohnen noch nicht durchgesetzt“, sagt der Kreisjägermeister.

Gleichwohl sei neue Technik immer interessant, findet Peter Koll. Für die Bauern besonders, wenn an Düngung und Pflanzenschutz gespart werden könne. „Aber wir brauchen Regeln. Lassen Sie mal einen Unfall geschehen. Dann ist aber Stimmung in der Bude.“

Kennzeichen für Drohnen schon mit einem Gewicht von einem Pfund?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will die Nutzung von zivilen Drohnen neu regeln. Anlass sei die stetig steigende Zahl an Geräten. Ihr Einsatz sei aber bisher nicht ausreichend geregelt, heißt es aus dem Berliner Verkehrsministerium.

Mit den neuen Regelungen sollen nun Gefährdungen im Luftraum und am Boden vermindert werden. Alle gewerblich und privat genutzten Geräte ab einem Gewicht von einem Pfund sollen nach diesen Plänen künftig kennzeichnungspflichtig werden, um bei Missbrauch oder Unfällen den Verursacher identifizieren zu können.

Private Drohnen-Flüge würden verboten in einer Höhe von mehr als 100 Metern, außerhalb der Sichtweite des Steuerers, über Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Kraftwerken und Anlagen der Energieerzeugung und -verteilung sowie Bundesfernstraßen und Eisenbahnlinien, über Menschenansammlungen, Unglücksorten oder Katastrophengebieten und Einsatzorten von Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden oder –Organisationen.

Der gewerbliche Einsatz werde neu geregelt, weil unbemannte Luftfahrtsysteme große Chancen zum Beispiel in der Landwirtschaft oder der Verkehrsüberwachung böten. Um diese Entwicklung zu unterstützen, würden ihre Einsatzmöglichkeiten erweitert. Landesbehörden könnten künftig Flüge auch außerhalb der Sichtweite des Steuerers erlauben, wenn der sichere Betrieb nachgewiesen wird.

Bislang ist der Betrieb außerhalb der Sichtweite des Steuerers grundsätzlich verboten. Für gewerbliche Nutzer von Drohnen werde es künftig einen Führerschein geben. Fliegerische und luftrechtliche Kenntnisse seien in einer Prüfung nachzuweisen. Die Lizenz werde durch das Luftfahrt-Bundesamt erteilt. Aktuell werde an der Änderung entsprechender Rechtsvorschriften gearbeitet.

 Quelle: www.bmvi.de

 Uwe Krog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!

Zurück zur Groko - Ist das eine gute Idee?

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

TSV Trittau

Alles zu den Badminton-Stars beim TSV Trittau.

Zweiter Weltkrieg

Dieses Dossier beschäftigt sich mit der Situation in Stormarn während des Zweiten Weltkriegs.