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Stormarn Die Behördenlotsen werden zehn
Lokales Stormarn Die Behördenlotsen werden zehn
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22:03 19.10.2016
Feiern Zehnjähriges: die ehrenamtlichen Behördenlotsen der Kirchengemeinde Oldesloe (v. r.) Dagmar Goldenbaum (74), Beate Dahlström (60), Gloria Thielemann (59), Margrit Witte (54), Gabriele Sahlmann (68), Heinz Rolfes (67) und ihr „Chef“, Pastor Volker Hagge. Quelle: vb
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Bad Oldesloe

2006 ließen sich 14 Ehrenamtler intensiv vom Diakonischen Werk ausbilden und zertifizieren, heute sind es noch sieben Lotsen, die Menschen in Not durch den Dschungel der deutschen Bürokratie begleiten. Am kommenden Sonntag, 23. Oktober, gibt es anlässlich des runden Geburtstages einen feierlichen Gottesdienst im Haus der Begegnung, Poggenseer Weg 28, in Bad Oldesloe. Beginn ist um 11.15 Uhr.

Kostenlose Hilfe

Die Sprechstunden der Behördenlotsen sind montags (9 bis 12 Uhr) und donnerstags (10 bis 12 Uhr) in deren Büro im Haus der Kirchengemeinde Oldesloe, Kirchberg 4, Telefon 04531/168 96 90, E-Mail: behoerdenlosten@kirche-oldesloe.de. Die Unterstützung ist kostenlos. Die Ehrenamtler dürfen keine Rechts-, Gesundheits-, Bank- oder Steuerberatungen geben.

„Die Ehrenamtler haben ein weites Feld von Aufgaben. Zu einem großen Teil leisten sie auch pastorale Arbeit. Ich sehe darin eine wunderbare Möglichkeit der umgesetzten Nächstenliebe“, sagt Pastor Volker Hagge, unter dessen Fittichen die Lotsen in Bad Oldesloe aktiv sind und den sie liebevoll „Chef“ nennen. Dagmar Goldenbaum, Beate Dahlström, Gloria Thielemann, Margrit Witte, Gabriele Sahlmann, Heinz Rolfes und Axel Krummrich stehen zweimal die Woche Menschen unterstützend zur Seite, die im Wirrwarr der Behörden verloren gehen. In der Regeln geht es um Hartz IV, Arbeitslosigkeit und Stress mit den zuständigen Behörden. „Die Zahl der Hilfesuchenden ist in den vergangenen Jahren nicht weniger geworden“, berichtet Gloria Thielemann (59), eine von vier Ehrenamtlern der ersten Stunde. Etwa 1000 Klienten haben die Losten in der Vergangenheit betreut, 70 Prozent davon mit Migrationshintergrund. „Wir verstehen uns als Vermittler und Türöffner“, sagt Margrit Witte (54). „Und wir versuchen, Angst zu nehmen.“ Denn Angst bedingt Stress und Stress verhärtet die Fronten.

„Beide Seiten, Behörde und Mensch, befinden sich in einer Zwangssituation. Die gilt es aufzulösen“, sagt Pastor Hagge, der den Fest-Gottesdienst abhalten wird.

Die Behördenlotsen leisten ganze Arbeit, nicht nur fachlich fundiert, sondern auch mit „einem weiten Herzen“, wie der Pastor es ausdrückt, klarem Verstand und viel Verständnis. Mal geht die Hilfe leichter von der Hand. „Wenn Hartz IV nur weiter beantragt wird und sich nichts geändert hat, geht es schnell“, sagt Gabriele Sahlmann. Die 68-Jährige ist vom Fach, war früher bei der Arbeitsagentur für Arbeitslosengeld I zuständig. Manchmal wird es kompliziert. „Es kam auch schon ein Klient mit einem Trolley voller Papier in die Sprechstunde. Er hatte monatelang keine Post geöffnet“, erzählt Gloria Thielemann. „Hier müssen wir zunächst Ordnung und Struktur hineinbringen. Dann suchen wir nach Lösungen.“ Aber immer nur in dem Maße, in dem es der Hilfesuchende möchte. „Seinen Weg muss er am Ende selbst finden.“ Denn erzieherisch wollen und können die Behördenlotsen nicht wirken. „Wir nehmen den Menschen so, wie er zu uns kommt.“

 Verena Bosslet

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