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Stormarn Die C-Glocke erklingt so hell wie ehedem
Lokales Stormarn Die C-Glocke erklingt so hell wie ehedem
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20:16 23.12.2015
Beim 1757 geweihten Eichedeer Gottesdienst handelt es sich um eine einschiffige Hallenkirche.

Wenn heute Abend der warme volle Klang der Glocken vom Kirchanger über das ganze Dorf hinweghallt, dann erfüllt das viele Eichedeer mit einem Gefühl festlicher Hochstimmung. Sie machen sich auf den Weg, den Heiligen Abend in Frieden und gemeinsamer Andacht zu erleben. In der Kirche warten derweil schon die Konfirmanden gespannt darauf, das Krippenspiel aufzuführen.

Zu den Gläubigen, für die das Fest der Geburt Jesu Christi eines der höchsten Feiertage im Jahr darstellt, gehört auch Dr. Susanne Lyon. Sie fühlt sich mit der Eichedeer Kirche auf ganz besondere Weise verbunden. „Ich bin hier beim Klang der Glocken getraut worden. Auf vielen Stationen meines Lebens haben sie mich begleitet“, erzählt die Medizinerin.

Umso erpichter war die Mollhagenerin darauf, etwas über die Entstehungsgeschichte der Glocken im Turm der Kirche zu erfahren. Eine der beiden gehört wohl zu den ältesten erhaltenen in ganz Stormarn.

Die andere erlitt ein sehr wechselvolles Schicksal, wie Dr. Lyon beim Studium der Dorfchronik erfahren musste.

Ihr fiel ein Artikel aus den 1960er Jahren in die Hände. Darin war von einer 14 Zentner schweren Glocke die Rede, die mit dem Trecker vom Bahnhof Mollhagen nach Eichede transportiert wurde. Der riesige, auf A gestimmte Klangkörper war dank einer Spende der Kirchgänger im Jahr 1958 neu gegossen worden. Denn während des Zweiten Weltkriegs hatte man die alte Glocke eingeschmolzen, um daraus Munition herzustellen — zum zweiten Mal übrigens. Auch ihre Vorgängerin war anno 1917 gegen Bezahlung von 2400 Mark für Kriegszwecke ans Heer abgeliefert worden. Und auch das Original, das schon aus dem 14. Jahrhundert stammte, sollte unter keinem glücklichen Stern stehen. 1650 war das gute Stück zerläutet. In Eckernförde wurde sie umgegossen, offenbar nicht zufriedenstellend. Denn 1783 brachte man den Bronzekoloss wieder in die Werkstatt. Diesmal nach Hamburg.

Die große Schwester dagegen kam über die Jahrhunderte „ungeschoren“ davon. Die auf C gestimmte Glocke, die sich noch im Originalzustand befindet, zählt deshalb wohl zu den Veteranen im Kreis Stormarn. Bei einer Besichtigung im Turm der Eichedeer Kirche sprang Susanne Lyon gleich das Zeichen ins Auge, das der Glockengießer nach alter Tradition auf dem bronzenen Körper hinterlassen hat.

Nach weiteren Recherchen sollte sich herausstellen, dass die sogenannte Gießermarke von Johannes Reborch stammt. Über das Leben des Glockengießers, der 1379 geboren wurde, ist recht wenig bekannt.

Überliefert ist nur, dass er späterhin als Frater Johannes in ein Kloster eintrat.

Aus Reborchs Werkstatt soll laut der Chronik auch eine Glocke stammen, die einst zum Geläut der Lübecker Katharinenkirche gehörte. Der Meister hatte sie im Jahr 1399 hergestellt. Einen Beweis dafür konnte Susanne Lyon aber bis dato nicht ausfindig machen, da das Gebäude derzeit wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen ist. Doch mit Hilfe von Thomas Schmittinger, Oberstudiendirektor des Katharineums zu Lübeck, war es jetzt möglich, die Übereinstimmung unzweifelhaft zu bestimmen. Er unterzog die Glocken, die im Innenhof ausgestellt sind, einer eingehenden Überprüfung und entdeckte tatsächlich die Gießermarke, die auch auf der Eichedeer Glocke prangt. Somit steht fest, dass Letztere aus dem 14. Jahrhundert stammen muss.

„Es gibt noch viele weitere Schätze in unserer Kirche“, sagt Dr. Lyon. „Wir wollen sie jetzt stärker ins Bewusstsein heben.“ Schließlich gehörten der schöne Altar, die Kronleuchter und das andere Inventar zu wichtigen Kulturgütern der Region, die es wert wären, in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Nicht zuletzt habe jedes Stück auch eine besondere Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die sich auch mit den Menschen von Eichede verbinde.

Besuch an der Krippe
Der heutige Gottesdienst in der Eichedeer Kirche beginnt um 17 Uhr. Die Konfirmanden führen die Weihnachtsgeschichte in einem Krippenspiel auf.


Meditativ-musikalisch gestaltet sich der Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember. Unter dem Motto „Besuch an der Krippe“ laden Altistin Anne-Dorothea Pahl und Pastorin Susanne Schumacher für 11 Uhr ein. Im Zentrum steht die Dichtung Paul Gerhardts „Ich steh an deiner Krippe hier“ in der Vertonung Johann Sebastian Bachs. Die Bedeutungstiefe und sprachliche Schönheit des Liedes werden in Wort und Ton zum Ausdruck kommen. An der Orgel spielt Frank Lilje.

Dorothea von Dahlen

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