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Stormarn Die Gangsterbraut kommt aus Oldesloe
Lokales Stormarn Die Gangsterbraut kommt aus Oldesloe
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18:25 19.10.2013
Sie zücken auch ihre Waffen: Anna Julia Vogt und Holmer Bastian in dem plattdeutschen Stück „Twee as Bonnie und Clyde“. Quelle: Fotos: Fofana(1)/Archiv

„Ich bin keine Theatergängerin“, meint Anna Julia Vogt (31) aus Bad Oldesloe. „Nur bei unserer eigenen Bühne bin ich bei jeder Premiere dabei. Auf jeden Fall.“ Momentan nicht als Zuschauerin, sondern in der Hauptrolle der Chantal in der Zwei-Personen-Komödie „Twee as Bonnie un Clyde“ der Niederdeutschen Bühne Lübeck.

„Für mich ist das die bisher größte Herausforderung“, sagt die Oldesloerin. „Man steht wirklich nur zu Zweit auf der Bühne und muss zusehen, dass das Publikum die ganze Zeit unterhalten wird, der Spannungsbogen erhalten bleibt.“ Das sei ganz schön anstrengend. Die Oldesloer Erzieherin betont: „Mein Hobby, die Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, ist ein super Ausgleich zu meinem Job im Schichtdienst mit jungen Mädchen im Kinder- und Jugendhaus St. Josef.“ Doch normalerweise beschränke sie sich auf ein Stück im Jahr. Und so sagte sie spontan erst einmal „Nein“, als im Mai die Anfrage von der Bühnenleitung kam, in diesem Jahr noch in einem zweiten Stück mitzuspielen.

Auch privat ging und geht es bei Vogt gerade turbulent zu — ein Hauskauf mit ihrem Lebensgefährten und die damit verbundenen Renovierungsarbeiten fielen genau in die Probezeit. Als sie dann hörte, dass es sich um ein Zwei-Personen-Stück handelt, war sie jedoch hin- und hergerissen und nahm schließlich doch die Chance wahr, die wohl so schnell nicht wiederkommen würde.

Erschwerend kam weiter hinzu, dass durch Urlaubszeiten der Beteiligten nur 32 gemeinsame Proben statt der sonst durchschnittlichen 40 bis 50 zur Verfügung standen. Vogt: „Ein ganz schöner Druck.“

Doch beide Darsteller — auf der Bühne steht auch Holmer Bastian — waren sich einig: „Wir ziehen das durch.“ So ging neben Schichtdienst und Hausrenovierung fast jeder freie Abend für dreistündige Proben in Lübeck drauf. „Erst nach der Premiere ist die ganze Anspannung abgefallen und mir wurde bewusst, was die letzten Monate gelaufen ist.“ Trotz allem bereut sie nichts: „Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die beiden Charaktere sind einfach köstlich.“

Auch wenn die Rolle in „Twee as Bonnie un Clyde“ für die Oldesloerin auf der Bühne die bisher größte Herausforderung war — das emotional schönste Stück für sie war die Hauptrolle der Taubstummen in „Belinda“. Ihren Text musste sie damals in Gebärdensprache lernen. Und erst für ihre dritte Rolle als „De kloke Anna“ musste sie Plattdeutsch lernen. Von der Sprache hatte sie schon durch ihre Mutter viel mitbekommen, die mit den Großeltern Plattdeutsch sprach und selbst 25 Jahre bei der Niederdeutschen Bühne Lübeck spielte.

Durch sie war Anna Julia Vogt schon dabei, als die Mutter schwanger auf der Bühne stand und sie später hinter der Bühne stillte. „Ich habe die Leidenschaft mit der Muttermilch mitbekommen.“ Doch zunächst hätte sie die plattdeutschen Themen mit einem alten Publikum verbunden. Erst mit 18 ließ sie sich dann schließlich doch dazu überreden, eine kleine Nebenrolle als junges Lehrmädchen auf Hochdeutsch zu übernehmen. Plattdeutsch selbst lernte sie später trotz der Vorkenntnisse „wie eine Fremdsprache“.

Gerade das Lesen der Textbücher sei ziemlich schwierig, weil vieles anders geschrieben wird. Es gibt immer noch Vokabeln, bei denen sie nachfragen muss. So wie im neuen Stück „Seef“, was übersetzt „Sieb“ heißt. Denn wie ein Sieb wurde das echte Gangsterpaar Bonnie und Clyde durchlöchert.

Im Publikum in den Lübecker Kammerspielen sitzen häufig Freunde, Bekannte, Kollegen und Familienmitglieder, wenn die Oldesloerin einen Auftritt hat. Ab und an auch Mitglieder von „Bad Oldesloe macht Theater“, wo Anna Julia Vogt ebenfalls mehrmals mitspielte. Als Bauerntochter im „Salzgrafen“, Wirtstochter in der „Witwe von der Hude“ und Geliebte bei „Marke Bölck“.

Berühmtes Gaunerpaar dient als Vorbild
Die Komödie von Tom Müller und Sabine Misiorny wurde von Renate Wedemeyer ins Plattdeutsch übertragen. Chantal (dargestellt von Anna Julia Vogt) und und Manni (Holmer Bastian) sind ein junges Paar am Rande der heutigen Gesellschaft.

Das berüchtigte Gaunerpaar Bonnie und Clyde dient ihnen als Vorbild für ihre Versuche, durch Banküberfälle soviel Geld zu erbeuten, dass sie in die USA flüchten können. Sie verstecken sich in einem verlassenen Schuhlager, dort üben sie den Ablauf ihrer Überfälle ein, dort beraten sie, was sie aus den Fehlschlägen lernen können. Die beiden Charaktere sind in ihren Handlungsweisen und Überlegungen meist gegensätzlich. Manni ist der scheinbar Überlegene, Chantal hält mit praktischer Logik dagegen, reagiert aber oft tüffelig, wie ihr Freund meint. Die Wortgefechte über die Frage, wer nun wann recht hat, die spitzfindigen Argumente, wer was tun oder lassen soll, begründen den anspruchsvollen Humor der Dialoge.

Die Regie führt Wolfgang Benninghoven. Aufführungen gibt es unter anderem im Theater Lübeck in den Kammerspielen an der Beckergrube: Sonnabend, 26. Oktober, um 15 und 18 Uhr sowie Dienstag, 19.

November, Mittwoch, 27. November, und Mittwoche, 4. Dezember (jeweils 20 Uhr).

Susanna Fofana

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