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Stormarn Die Gelben Säcke werden knapp
Lokales Stormarn Die Gelben Säcke werden knapp
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21:17 09.09.2013
Angela Dittmer vom Preisparadies kennt viele Kunden, die gern mehr als eine Rolle nehmen würden. Quelle: Foto: ukk

Ein bewährtes Entsorgungssystem droht allmählich zum Auslaufmodell zu werden. Dabei erfreuen sich die Gelben Säcke äußerster Beliebtheit. Nur der strengen Kontrolle von Angela und Martin Dittmer vom Oldesloer Preisparadies etwa ist es zu verdanken, dass sie noch einigermaßen mit ihren Beständen auskommen. Nach Erkenntnissen der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) und der ausführenden Entsorgungsfirma Damm sind die hauchdünnen Behältnisse zum Nulltarif wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit derart begehrt, dass die Kosten für den Mehrbedarf die Kalkulation des Entsorgers sprengen würden. AWSH-Sprecher Olaf Stötefalke schätzt, „dass die Säcke etwa zur Hälfte zweckentfremdet werden“.

Die prall gefüllten Beutel in den Straßen sind an den Abenden vor einem Abfuhrtag seit mittlerweile 20 Jahren in Stormarn ein gewohntes Bild. Die Trennung von Kunststoffmüll, der meist aus Umverpackungen besteht, und Restabfall ist für die meisten Menschen eine alltägliche Verfahrensweise. Insofern handelt es sich um ein bewährtes System, das allerdings immer löchriger wird.

Die Zahlen sprechen für sich: Der Umlauf an Gelben Säcken hat sich in den vergangenen zwei Dekaden gut verdoppelt. Das Müllaufkommen ist aber gleich geblieben. Von den jährlich ausgegebenen Gelben Säcken kommt lediglich ein Drittel als gefüllte Plastikmüllsäcke bei den Entsorgungsbetrieben wieder an. Zwei Drittel werden zweckfremd verwendet — und landen schließlich in der Restmülltonne. Was keinesfalls im Sinne des Erfinders des kostenlosen Wertstoffsacks war.

Der Gelbe Sack als Umsonst-Universalbehältnis: Er dient als Kleidersack, als Beutel für Gartenschnitt — oder als Transportbehältnis für voluminöses Leergut. Es gibt aber nur feste Kontingente für die einzelnen Händler. „Die meisten wollen gleich mehrere Rollen“, sagt Angela Dittmer. Darauf lässt sie sich freilich nicht ein. Gerade weil seine Hauptzielgruppe, für die er die Gelben Säcke eingeführt hat, sonst leer ausgehe: „Die alten Menschen in der Innenstadt, die sich oftmals nur noch mit Rollatoren bewegen können“, sagt Martin Dittmer.

Das Preisparadies gehört zu den wenigen Geschäften in der Oldesloer City, die überhaupt noch die kostenlosen Säcke ausgeben. Die einzige Alternative in der Innenstadt ist nur Delikatessen-Peters.

Dieter Steffen, Geschäftsführer der Firma Damm, bestätigt die gestiegene Beliebtheit der Verpackungsmüllbeutel: „Wenn es nach der Nachfrage ginge, könnten wir weit mehr als die jetzigen Ausgabestellen mit Gelben Säcken beliefern. Aber wir sind schon so weit über der ursprünglich kalkulierten Anzahl, dass da nichts mehr geht.“

Alles in allem habe sich das System der Wertstoffentsorgung über die Sammlung in Gelben Säcken schon bewährt. Es gebe aber letztlich nie genug davon, ein altes Problem. Dabei habe tatsächlich die Fremdnutzung dieser Gratisgroßtüte vor allem seit der Umstellung der Getränkeindustrie auf Plastikflaschen einen immer höheren Anteil daran. Den meisten Kunden sei wohl kaum bewusst, so Steffen, dass sie unterm Strich für die Zweckentfremdung des Wertstoffsacks über höhere Produktpreise selbst aufkommen. Ändern werde sich laut Steffen erst etwas mit der Einführung der Wertstofftonne, die für etwa 2016/17 in Sicht sei.

Ähnlich sieht das Problem Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH. Angesichts der hohen Fremdnutzung des Gelben Sacks und eines mit etwa zehn Prozent Plastikmüll immer noch ziemlich hohen Anteils im Restmüll sei das Prinzip des Gelben Sacks nicht gerade der Weisheit letzter Schluss. Daher setzt auch er auf die Einführung der Wertstofftonne, allerdings mit verhaltener Begeisterung. Kissel: „Das jetzige System ist nicht optimal, aber die Wertstofftonne wird mit Sicherheit teurer, intransparenter hinsichtlich der Befüllung, und es wird zu einem harten Gefecht bei der Verteilung der Lizenzen unter den Entsorgern kommen.“

Schließlich fehle noch die bindende politische Entscheidung auf Bundesebene. Daher werde für absehbare Zeit zunächst alles so bleiben. Mit dem abendlichen „Gelbschmuck“ am Straßenrand und den wahrscheinlich noch knapper werdenden Säcken bei den Supermärkten. wr/ukk

Rasant gestiegener Bedarf von vier auf sieben Millionen Säcke
Zur Einführung des Gelben Sacks vor 20 Jahren wurden jährlich im Kreis Stormarn etwa vier Millionen Säcke ausgegeben.


Sieben Millionen sind es heute bei etwa gleich bleibender Müllmenge. Der tatsächliche Bedarf wurde ursprünglich auf nur etwa 2,4 Millionen Säcke kalkuliert.


Der Anteil des so genannten DSD-Mülls (Duales System Deutschland) liegt laut Abfallwirtschaft Südholstein seit zehn Jahren gleichbleibend bei etwa 30 Kilogramm pro Kopf im ganzen Jahr.


Der Anteil an Restmüll liegt bei 190 Kilo, die aber immer noch etwa zehn Prozent DSD-Müll enthalten.


Ausgabeorte in Stormarn

Bad Oldesloe: Preisparadies, Brunnenstraße 1; AWSH-Recyclinghof, Elly-Heuss-Knapp-Straße 11; Sky-Verbrauchermärkte, Hamburger Straße 134 und Ratzeburger Straße 9; Max Bahr Baumarkt, Lily-Braun-Straße; Delikatessen Peters, Mühlenstraße 4.

Bargteheide: AWSH-Recyclinghof, Lise-Meitner-Straße 11; Budnikowski, Rathausstraße 13.


Reinfeld: Markant Markt, An der Autobahn 9; Markant Markt, Bahnhofstraße 2; AWSH-Recyclinghof, Weddernkoppel.


Glinde: Budnikowski, Markt 3; in den Edeka-Märkten Möllner Landstraße 24 und Möllner Landstraße 119.


Elmenhorst: Shell Hilpert, Bundesstraße 20; Markant, Bundesstraße 75.

„Das jetzige System ist nicht optimal, doch die Wert-

stofftonne wird teurer.“
Dennis Kissel, Geschäftsführer AWSH

LN

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