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Stormarn Die Imbiss-Spezialisten des DRK
Lokales Stormarn Die Imbiss-Spezialisten des DRK
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21:55 19.08.2016
Brote belegen:Veronika Tramm, Wiebke Dressler, Gertrude Steenbock und Resi Wunderlich.
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Seth/Lütjensee

Kiste um Kiste fährt im Lastenaufzug in das oberste Stockwerk im Gebäude des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost in Lütjensee. Lebensmittel, Getränke und Küchenutensilien werden so in die Küche transportiert. Dort nehmen sechs Frauen aus dem DRK-Ortsverein Seth-Sülfeld-Oering die Dinge in Empfang. Sie gehören zum „Blutspende-Imbiss-Team“, das regelmäßig Blutspender nach dem Aderlass mit leckeren Kleinigkeiten versorgt. Etwa 80 Mal im Jahr wird die Truppe um Anke Peters angefragt, überwiegend bewirten die Teams Blutspender im südlichen Schleswig-Holstein und in Hamburg.

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Seit 20 Jahren versorgen Frauen des Ortsvereins Seth-Sülfeld-Oering Blutspender im ganzen Süden des Landes.

„Das mobile Imbiss-Team ist beeindruckend. Ich ziehe meinen Hut.“Till Quint, Referent

für Öffentlichkeitsarbeit

Jeder Handgriff sitzt, jeder im Team weiß, was er zu tun hat: zu kühlende Ware in den Kühlschrank, Tische decken, Gemüse schneiden, Kuchen aufteilen. Hans-Jürgen Lindemann (69) ist nicht nur der Fahrer der Damen, er ist auch fürs Broteschmieren zuständig. „Im Laufe des Nachmittags werde ich den Korb abgearbeitet haben“, sagt Lindemann zuversichtlich.

Vor über 20 Jahren hat dieses Catering mit einer Anfrage des Bad Bramstedter DRK-Ortsvereins angefangen. „Die hatten Probleme untereinander und haben uns um Hilfe gebeten“, sagt Resi Wunderlich, die in ein paar Tagen 77 Jahre alt wird. Eine Handvoll Frauen aus Seth und Oering sei damals eingesprungen. „Und die Arbeit hat so viel Spaß gemacht, dass sie dabeigeblieben sind.“

Die Mannschaft wuchs, und auch die Einsatzorte wurden immer mehr. Derzeit sind 32 Frauen und zwei Männer in bis zu fünf Imbiss-Teams aktiv. „Manchmal sind drei Teams zeitgleich unterwegs“, sagt Till Quint, DRK-Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Er lobt die ehrenamtliche Arbeit der Damen und Herren. So viele mobile Helfer wie der Ortsverein Seth-Sülfeld-Oering hat kein anderer, deshalb habe man auch in Lütjensee auf dieses eingespielte Catering-Team zurückgegriffen. Denn für den eigentlich verantwortlichen DRK-Ortsverein Trittau sowie für die Mitarbeiter des Blutspendedienstes sei der Imbiss-Service nicht mehr zu leisten. „Und keine Blutspende ohne Imbiss. Das geht nicht“, so Quint. Und so reichen seit zwei Jahren die Damen aus Seth, Sülfeld und Oering an 13 Terminen in Lütjensee den Spendern eine Stärkung.

Eine Stunde vor Beginn der Blutspende werden die Brotscheiben belegt. Jede der DRK-Frauen ist für eine Sorte zuständig. Resi Wunderlich schneidet Eier, Veronika Tramm (64) verteilt geräucherten Lachs und Matjesfilet auf den Scheiben. Für das Mozzarella-Brot ist Wiebke Dressler (73) eingeteilt. Gertrude Steenbock (65) kümmert sich um Käse, Wurst und Schinken, Inge Lindemann (70) um aufgespießte Tomaten und Kaffee.

Außerdem gibt es an diesem Tag Baked Potatoes mit Sour Creme und Geflügelstreifen. Kartoffeln und Fleisch schiebt Hannelore Ebers (65) in den Umluftofen. Die Arbeit macht den Damen Spaß, unbeschwert arbeiten sie ihr Pensum ab, da bleibt Zeit zum Plaudern. Backrezepte werden ausgetauscht, Urlaubserlebnisse und Kindheitserinnerungen erzählt.

Dann ist es Zeit für Hannelore Ebers, ins Erdgeschoss zu gehen. Denn nicht nur das Catering gehört zu ihrer Aufgabe, sie nimmt auch die Kontaktdaten der Spender entgegen, gleicht sie ab und gibt ihnen den Laufzettel mit Fragebogen in die Hand. Auch Hans-Jürgen Lindemann hat noch einen Drittjob: Er wird die Personen auszeichnen, die zum 25., 50. oder 75. Mal Blut spenden. Die übrigen Damen belegen Brote, füllen das Büfett auf und werfen einen Blick auf die Spender. Denn sollte einer „umfallen“, rufen sie den Arzt herbei. „Uns gefällt die Arbeit, sie macht Spaß. Die Kameradschaft ist super, man trifft viele Menschen und sieht etwas vom Land“, sind sich die DRK-Frauen einig. Und dann muss schnell Nachschub gekauft werden, denn mit 126 Spendern hat niemand gerechnet.

Die meisten Einsätze dauern mit Anfahrt, Vorbereitung, Saubermachen und Abfahrt acht Stunden. Auch zu Großveranstaltungen rücken die Segeberger Imbiss-Spezialisten aus. Zweimal im Jahr spenden Airbus-Mitarbeiter Blut, über zwei Tage werden insgesamt 400 Menschen angezapft, die alle einen Imbiss bekommen. Auch die Hamburger Uni wird so versorgt. Vergangene Woche war die Catering-Mannschaft über sechs Tage im Lübecker Luv-Center. „Jeden Tag war ein anderes Team vor Ort, das war schon beeindruckend“, sagt Quint. Auch im Notfall springt die Crew von heute auf morgen ein.

Doch damit nicht genug: Der Blutspendedienst zahlt für den Imbiss sechs Euro pro Spender an das Catering-Team. Und das wirtschaftet so gut, dass noch Geld übrig bleibt, um es zu spenden.

Silvie Domann

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