Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Die „Kräuterkundige“ aus Rethwisch
Lokales Stormarn Die „Kräuterkundige“ aus Rethwisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 01.12.2016
„Kräutertini“ Martina Sauer vor ihrem Schrank mit den fertigen Produkten. „Diese biete ich auch auf dem Sülfelder Markt an", erklärt sie.
Anzeige
Rethwisch

Bereits beim Eintreten ins Haus von Martina Sauer duftet es nach Zitrone und Melisse. Im Wohnzimmer ist der Tisch mit Fruchtaufstrichen und gartenfrischem Tee eingedeckt. Und in der Küche ist alles vorbereitet für die Zubereitung eines leckeren Kräuterpestos. „Nur die Kräuter dazu fehlen noch, die holen wir jetzt direkt aus dem Garten.“

Zur Galerie
„Kräutertini“ Martina Sauer vor ihrem Schrank mit den fertigen Produkten. „Diese biete ich auch auf dem Sülfelder Markt an", erklärt sie.

In der circa 900 Quadratmeter großen grünen Oase findet sich neben Bäumen mit heimischem Obst und einem Rasen, auf dem Klee, Löwenzahn, Gänseblümchen und Moos wachsen, auch ein kleines Kräuterbeet.

Vogelmiere, Giersch, aber auch Bärenklau, Sauerampfer und Mädesüß hat die 57-Jährige dort angepflanzt. Jetzt sammelt sie für das Pesto die Vogelmiere ein und legt sie ins Körbchen. In der Küche wird alles gewaschen und professionell zusammengemixt, so dass nur Minuten später das Pesto probierfertig ist.

Die gebürtige Uelzenerin ist schon als Kind mit allem, was die Natur zu bieten hat, in Berührung gekommen: „Im März haben wir in der Lüneburger Heide Wasserkresse gesammelt, zu Ostern gab’s traditionell bei uns Brennnesselsuppe und im Herbst wurden Pilze gesucht“, erinnert sie sich. Als Jugendliche geriet dieses Wissen bei ihr ein bisschen in Vergessenheit, blühte jedoch wieder auf, als sie 1983 mit Mann Joachim und den beiden Töchtern nach Rethwisch in ein Haus mit Garten zog. Erst gab es die Brennnesselsuppe für die Familie, später kreierte Martina Sauer Pesto und Fruchtaufstriche für Freunde. Zudem wanderte sie, die immer gern an der frischen Luft ist, durch Rethwisch, um dort die unterschiedlichsten Gewächse zu entdecken. 2008 wurde das Ökologische Institut in Trenthorst auf die gelernte Erzieherin aufmerksam und bat sie, eine Wildkräuterführung zu machen. „Diese dauerte mit Sammeln der Kräuter, Zubereitung in der dortigen Küche und anschließendem gemeinsamen Essen gleich viereinhalb Stunden“, erinnert sich Sauer. Jährlich sollte sie diese Führungen nun anbieten, fühlte sich dann aber doch zu unsicher: „Ich bin ja keine gelernte Apothekerin.“ Und so machte sie 2011 eine halbjährige Schulung im Bildungsinstitut in Flintbek, lernte unter anderem die botanische Bestimmung von Kräutern, wie man mit Kräutern gesund lebt und wie man Küchenkräuter anbauen und verwenden kann. Durch eine erfolgreiche Prüfung darf sich Martina Sauer nun „Kräuterkundige“ nennen und macht seitdem Wildkräuterführungen im eigenen Garten, aber auch durch ihr Dorf. „Die Natur hat tatsächlich alles. Man muss es nur entdecken und genau gucken, was man essen darf und was nicht.“

Nicht nur ihre Wildkräuterführungen sind inzwischen in Rethwisch und Umgebung bekannt, auch ihre kleine „Manufaktur zur Verarbeitung von heimischen Kräutern und Früchten“, mit welcher sich Martina Sauer als „Kräutertini“ in diesem Jahr selbstständig gemacht hat, erfreuen sich großer Beliebtheit. „Das Herstellen meiner Fruchtaufstriche, Pestos und Wildkräutersalze sowie Blütenzucker war dabei die leichteste Sache. Ein Ort für die Zubereitung war mit der Gewerbeküche in dem Sülfelder Café ,Keksdose’ schnell gefunden“, erinnert sich Sauer an die Anfänge ihrer Selbstständigkeit. Viel mehr Kopfzerbrechen bereiteten ihr die rechtlichen Rahmenbedingungen: „Auf dem Etikett muss meine genaue Adresse, vor allem aber jede Zutat exakt in Prozentangaben aufgeführt sein, die Schrift muss eine bestimmte Größe haben und muss immer wieder aktualisiert werden.“ Alle vier Wochen – in diesem Jahr nur noch heute – ist „Kräutertini“ auf dem Wochenmarkt in Sülfeld zu finden und bietet dort vom Sanddorn-Gelee über Vitalkräutersalz bis zu Spitzwegerich-Honig die unterschiedlichsten Produkte an. Auch über Telefon 045 39/82 30 nimmt sie Bestellungen entgegen. Unter dieser Nummer sind auch ihre Wildkräuterführungen anzufragen. „Ich bin damit gut beschäftigt“, strahlt Martina Sauer. Sie freut sich aber auch auf die Winterpause. „Da reisen wir viel und besuchen unsere Töchter mit ihren Familien“, erzählt die zweifache Oma.

Der Sülfelder Wochenmarkt

Jeden Freitag findet der Wochenmarkt von 14 bis 18 Uhr im Zentrum von Sülfeld statt. Dort werden größtenteils Naturprodukte aus der Region angeboten. So gibt es Biogemüse und Biofleisch, Obst und Gemüse aus Grabau, Leckereien aus dem Cafe „Keksdose“, Ziegenkäse und Ziegenfleisch, den Fischwagen „Die Krabbe“, den Kretenmann aus Pölitz, einen Käsewagen und das mobile Cafe „Kaffeehus“.

Martina Sauer bietet alle vier Wochen – in diesem Jahr noch heute – ihre Waren in Form von Fruchtaufstrichen, Wildkräutersalzen, Fruchtsirup und Pestos dort an und ist immer wieder von dem Angebot der anderen Stände begeistert.

Sandra Freundt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Antrag von Bürgermeister Norman Hübener fand eine Mehrheit.

01.12.2016

Weihnachtspräsente für Kinder in der Ukraine.

01.12.2016

Firma Proalpha gewann landesweite Mitmach-Aktion.

01.12.2016
Anzeige