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Stormarn Die „Miss Niedersachsen“ aus Heilshoop
Lokales Stormarn Die „Miss Niedersachsen“ aus Heilshoop
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21:09 13.08.2016
Die Sechste von rechts ist Sonja Hoth: Im Buch „Miss Germany“, erschienen bei Lardon Media, zeigt ein historisches Foto die Kandidatinnen der Miss-Wahl in Berlin. Quelle: Fotos: B. Albrod

Heilshoop. 50 Paar Nylon-Strumpfhosen made in Reinfeld haben Sonja Hoth vor vielen Jahren dazu verlockt, sich als Kandidatin für die Wahl der Miss Niedersachsen zu bewerben. Damals wohnte sie in Oldenburg und ahnte weder, dass sie mal nahe Reinfeld in Heilshoop leben, noch, dass sie die Wahl gewinnen würde. „Die Miss-Wahlen wurden 1967 von den Opal-Werken in Reinfeld ausgeschrieben“, erzählt die 63-Jährige. „Ich habe die Anzeige in der Zeitung gesehen und gedacht: Da mache ich mit.“ Ihr damaliger Freund und späterer Mann machte die Fotos, mit denen sie sich bewarb. „Und dann kam die Einladung.“

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Die Sechste von rechts ist Sonja Hoth: Im Buch „Miss Germany“, erschienen bei Lardon Media, zeigt ein historisches Foto die Kandidatinnen der Miss-Wahl in Berlin.

Sonja Hoth, die damals 20 war und den Vertrag noch von ihrem Vater unterschreiben lassen musste, fuhr mit 299 weiteren Bewerberinnen nach Hannover und landete gleich unter den ersten 30. „Ich war furchtbar aufgeregt“, erinnert sie sich, „als ich unterschreiben sollte, hat meine Hand so gezittert, dass nur Gekritzel dabei raus kam.“ In der ersten Runde schritt sie im kleinen Schwarzen an der Jury vorbei, in Runde zwei präsentierten sich die jungen Damen im Badeanzug. Die letzten zehn Kandidatinnen wurden von der Jury interviewt. „Dabei ging es um Allgemeinwissen und Auftreten“, erklärt Sonja Hoth, „man sollte ja als Miss Niedersachsen das Land repräsentieren.“

Das Mädchen vor ihr hieß Christel und sollte eine Namensvetterin aus der Musik nennen. „Sie wusste es nicht, aber es war die Christel von der Post“, sagt Sonja Hoth, die Rechtsanwalts- und Notargehilfin ist. „Meine Mutter war im Opernchor und hat das zu Hause immer gesungen.“ Sonja Hoth war es dann, die mit den Maßen 88-58-88, ihrem Aussehen und ihrem Auftreten die Wahl gewann. „Komme später, bin Miss Niedersachsen geworden“, schickte sie ein Fax nach Hause. „Die 50 Strumpfhosen habe ich bekommen“, so die Heilshooperin, „dazu ein Schmuckstück mit einem Opal, eine Schärpe, eine Schmuckschatulle und eine Kosmetikbox.“

Wenig später ging es nach Berlin, wo um den Titel der Miss Germany gekämpft wurde. „Ich hatte verschlafen, und als der Fahrer klingelte, musste ich ungeschminkt zum Flughafen, wo ich mir noch die falschen Wimpern angeklebt habe.“ Nach einer Woche Schulung, bei der sie mit einem Buch auf dem Kopf über den Laufsteg schritt, ging es zu Modeschöpfer Heinz Oestergaard, bei dem jede Kandidatin ein Kleid in Auftrag geben durfte. Das von Sonja Hoth ist weiß, knapp knielang, duftig und bestickt. „Das habe ich später als Hochzeitskleid getragen“, erzählt sie. „Mein Freund hat mir gleich nach der Wahl einen Antrag gemacht.“ Satinschuhe gab es dazu und einen Prinzessinnen-Mantel aus Samt. „Den hat uns bei der Wahl Martin Jente abgenommen und nicht wiedergegeben.“

Martin Jente war der Mann, der bei Kuhlenkampff als Butler Martin auftrat, und er war nicht der einzige Prominente im Dunstkreis der Missen. „Simone Jürgens saß in der Jury, und ich habe mit Roy Black Weinbergschnecken gegessen, die ich seitdem mag.“ Sonja Hoth traf Hans-Joachim Kuhlenkampff sowie Vico Torriani, Udo Jürgens und Esther und Abi Ofarim. „Die Mädchen waren alle sehr nett zueinander“, blickt sie zurück. „Die Gewinnerin hat uns allen Ansichtskarten von der Miss-Universum-Wahl geschickt.“ Sie selber erhielt viele Jobangebote. „Aber ich wollte in meinem Beruf bleiben.“

Immerhin zierte ihr Konterfei manche Werbekampagne, sie war bei der Eröffnung des ersten Parkhauses in Niedersachsen dabei, und in „Fox Tönende Wochenschau“ kam sie in Großaufnahme groß raus. „Das hat meine Schwester im Kino gesehen, die noch gar nichts davon wusste.“ 1969 zog sie mit ihrem Mann nach Stockelsdorf und begegnete sich beim ersten Spaziergang in Lübeck selbst: „In einem Kaufhaus war ein Foto von mir in Übergröße und warb für die Herbstmode."

Seit 1979 lebt Sonja Hoth in Heilshoop, wo sie sich sehr wohl fühlt. 2011 war sie noch einmal mit Lebensgefährte Walter Schmidt bei der Wahl der Miss Germany in Rust. „Die Miss-Wahlen sind viel aufwändiger geworden als früher. Aber Horst Klemmer ist immer noch dabei. Wir mussten uns damals selber schminken, hier hatte jede Kandidatin zwei Stylisten."

Heute singt Sonja Hoth in der Reinfelder Singgemeinschaft und im Kammerchor und bringt Kindern Porträtzeichnen bei. „Das Kleid, die Schärpe, die Fotos und den Opal habe ich aufgehoben.“

Ein Mann mit zwei Berufungen

Walter Schmidt ist ein Mann mit zwei Berufen. „Ich habe Theologie studiert und war Pastor in Lübeck“, erzählt der 67-Jährige. „Neben der Theologie habe ich auch klassischen Gesang studiert und das als Hobby immer nebenbei gemacht.“ Eines Tages kam der Leiter der Plöner Comedian Harmonists auf ihn zu und fragte, ob er nicht bei ihnen mitsingen wolle, sie suchten einen Tenor.

Schmidt sagte sofort Ja. „Bei meinem ersten Auftritt in Eckernförde habe ich nur die Lippen bewegt, weil ich die Lieder nicht kannte.“ Damals waren ihm auch noch die Noten runtergefallen. Doch bald war er dabei und sang „Mein kleiner grüner Kaktus“ stilecht wie in den 30er-Jahren. „Ich habe fast zehn Jahre mitgesungen und eine tolle Zeit gehabt“, blickt er zurück, „einmal haben wir bei der Miss-Wahl in Rust gesungen.“ Heute ist er in Bad Oldesloe beim Operettenensemble Musikuss aktiv und steht in Hamburg mit dem Opern- und dem Operettenchor auf der Bühne. „Auch als Solist“, freut er sich.ba

 Bettina Albrod

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