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Stormarn Die Sehnsucht nach einem normalen Leben im Krieg
Lokales Stormarn Die Sehnsucht nach einem normalen Leben im Krieg
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18:24 08.11.2013
Der holländische Schriftsteller Otto de Kat signiert Bücher. Quelle: sus
Bad Oldesloe

„Es ist wunderbar, hier zu sein“, sagte der holländische Schriftsteller Otto de Kat in den Applaus der rund 90 Literaturfreunde aus Bad Oldesloe und Umgebung im ausverkauften Bella-Donna-Haus. Die kleine Lesereise nach seiner bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober vorgestellten Neuerscheinung „Eine Tochter in Berlin“ hatte den Holländer in mehrere Großstädte und jetzt in die Kreisstadt geführt.

Er habe „eine gute Erinnerung an Bad Oldesloe“, sagte de Kat. Zum einen wegen des einladenden Buchhändler-Ehepaares Uta und Martin Jentzsch, zum anderen wegen des Marzipans aus der Region, nach dem er süchtig sei. Vor drei Jahren hatte er hier seinen Roman „Julia“ präsentiert. Die Geschichte des in diesem Jahr in der Oldesloer Buchhandlung Willfang meistverkauften Buches spielt zu einem großen Teil in Lübeck.

Nun also wieder ein Werk, das teilweise in Deutschland spielt, in einer Atempause der Kriegsgewalt, dem Versuch, im Krieg die Liebe zu erhalten. Es geht um die Sehnsucht nach einem normalen Leben, Gewissen und Verrat, die Angst sich zu entscheiden. Die Handlung wechselt zwischen den Schauplätzen Bern, London und Berlin, zwischen den Figuren Kate, Oscar und Emma. Oscar Verschuur ist im Frühling 1941 als holländischer Diplomat in Bern und erhält von seiner Tochter Emma, die mit einem Deutschen verheiratet ist, der im Außenministerium arbeitet, eine Geheiminformation zugeflüstert: den genauen Termin von „Unternehmen Barbarossa“, Hitlers geplanten Überfall auf Russland.

Wie wird er mit dieser Information umgehen? Was zählt das Leben eines einzelnen Menschen, wenn man viele retten könnte? Oscar weiß, dass er seine Tochter gefährdet, wenn er diese Information weitergibt.

Mit vier Fragmenten gab Otto de Kat einen Einblick in den Roman und den Hinweis: „Zwischen den Zeilen steht ganz viel.“ Die Zuhörer hatten noch viele Fragen, bevor sie sich mit ihren Büchern in die lange Reihe für eine persönliche Widmung des Autors anstellten. Zum Beispiel zu dem Übersetzer. Otto de Kat war froh, mit Andreas Ecke jemanden gefunden zu haben, der seinen speziellen Stil mitsamt Atmosphäre stimmig aus dem Niederländischen ins Deutsche überträgt. Auch wenn er ihm selbst nie persönlich begegnet sei, alles per E-Mail diskutiert werde.

Der Schriftsteller verriet dem Publikum, dass er ganz intuitiv schreibe. Er fange ein Buch an und wisse nicht, wo ihn dies hinführt. Nur über die Namen seiner Romanfiguren denke er lange nach.

„Schauen Sie sich die Orte an?“, wollte eine Zuhörerin wissen. Wenn er sie nicht kennt, sei er hingefahren. Das Skigebiet in den Schweizer Bergen um die „Jungfrau“ herum war ihm jedoch bereits vertraut, weil er 40 Jahre lang in jedem Winter dort war. Hinzu komme natürlich viel Recherche.

Ein Dankeschön von Uta Jentzsch galt den Bella-Donna-Frauen, die das Haus auch zu einem kleinen Kulturzentrum gemacht hätten. Bereits seit zehn Jahren werden ihre meist ausverkauften Lesungen dort veranstaltet und nicht mehr wie früher in ihrer Buchhandlung Willfang im Blauen Haus.

Pseudonym Otto de Kat
Der Autor, Literaturkritiker und Schriftsteller Jan Gaarland, wurde 1946 in den Niederlanden geboren. Er studierte unter anderem niederländische Literatur, schreibt unter dem Pseudonym Otto de Kat und erhielt für seine Werke mehrere Literaturpreise. In deutscher Übersetzung gibt es „Mann in der Ferne“, „Sehnsucht nach Kapstadt“, „Julia“ und neu „Eine Tochter in Berlin“. Seine Lesereise förderte der „Nederlands Letterenfonds“.

Susanna Fofana

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