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Stormarn Die Trave fließt in ihr altes Bett
Lokales Stormarn Die Trave fließt in ihr altes Bett
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19:52 11.08.2018
Die Trave umfließt die neue geschaffene Insel. Sie darf nicht betreten und soll ein Refugium für Tiere und Pflanzen werden. Quelle: Fotos: M. Thormählen
Bad Oldesloe

Noch ist das Projekt offiziell nicht abgeschlossen, weil die Abnahme der Arbeiten an der bereits von den Handwerkern und den großen Maschinen wieder geräumten Baustelle noch bevorsteht – doch Gustav Stoffers, Vorsteher des Gewässerunterhaltungsverbandes (GUV) Trave, und Uwe Leiner vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz sind durchaus zufrieden mit den bisherigen Veränderungen. Der Flussbereich am Kneeden hat sich im Laufe der vergangenen Monate deutlich gewandelt – der GUV gilt als Auftraggeber, während der Landesbetrieb die Kosten übernimmt.

Es ist nur eine Verlängerung von rund 200 Metern, die bei einer Gesamtstrecke von 124 Kilometern eigentlich kaum ins Gewicht fällt. Dennoch ist der ökologische Wert der Trave dank des Vorhabens, einen Altarm bei Bad Oldesloe wieder zu reaktivieren, deutlich gestiegen.

„Noch liegen nicht alle Rechnungen vor. Ich gehe aber davon aus, dass wir mit den eingeplanten 600000 Euro auskommen werden“, versicherte Gustav Stoffers. Diese Summe fließt als Landeszuschuss, darin enthalten sind auch Beträge des Bundes. „Wir müssen darauf achten, dass auch bei diesem Projekt die Wasserrichtlinie der Europäischen Union eingehalten wird“, erläuterte Uwe Leiner.

Und daran hegen die beiden keinen Zweifel, denn die Natur ist nach ihren Beobachtungen schon dabei, sich den Trave-Altarm zurück zu erobern. Fische tummeln sich bereits in diesem Teil des Flusses, andere Tiere nutzen den Uferbereich: „Ich glaube, dass es eine Bereicherung für die ganze Region geworden ist“, stellte Uwe Leiner fest. Und Gustav Stoffers ergänzte: „Der Altarm war bisher doch nur ein totes Modderloch.“

Die Trave schlägt jetzt einen rund 200 Meter langen Bogen. Dieser Lauf war in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stillgelegt und abgeschnitten worden, um eine Flussbegradigung zu erreichen. Damit ging eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit einher. Das damalige Vorhaben sollte sicherstellen, dass es bei Hochwasser weniger Überschwemmungen gibt und auch angrenzende Flächen intensiver für die Landwirtschaft genutzt werden können.

Es könnte noch mehr passieren, um die Struktur der Trave zu verbessern – darüber sind sich der Verbandsvorsteher und der Mitarbeiter des Landesbetriebes einig. Doch alle Begradigungen wieder rückgängig zu machen und stattdessen den Fluss winden zu lassen wie vor ganz langer Zeit, sei vermutlich ein realistisches Ziel. „Wir müssen auch die Interessen der Anlieger im Blick haben. Sie würden vermutlich protestieren, wenn es wieder häufiger zu Überschwemmungen käme“, so Uwe Leiner. Deshalb bleibt es auch dabei, dass die Travepflanzen jeweils zwei Mal im Sommer gemäht werden, damit der Fluss seine Funktion als Vorflut für die Ostsee erfüllen kann. Denn der Wasserabfluss müsse sichergestellt werden – auch weil in der Region immer mehr Flächen versiegelt würden.

Zurzeit ist von Überschwemmungen wegen der aktuellen Hitzewelle überhaupt keine Rede – der Wasserspiegel des Flusses ist sogar deutlich gesunken. Deshalb ist der neu geschaffene Überlauf gut zu erkennen. Die Trave biegt jetzt in ihren Altarm ab, weil dieses neue Hindernis den Weg in den bisher genutzten Flusslauf versperrt. Nur bei Hochwasser kann die Überflutungssperre von den Wassermassen überwunden werden.

Umspült wird von der Trave eine neu entstandene rund 6000 Quadratmeter große Insel. Deren Fläche ist vom Naturschutzbund einem privaten Eigentümer abgekauft worden. Tiere und Pflanzen sollen sich auf dem nicht mehr trockenen Fußes zugänglichen Eiland selbst überlassen bleiben. „Ich denke, dass sich dort noch eine ganze Menge tun wird“, zeigte sich Gustav Stoffers überzeugt.

Die Natur wird sich in diesem Bereich am Kneeden weitgehend ohne weitere Eingriffe selbst entwickeln. So ist nicht geplant, die Uferbereiche des Altarms weiter zu bepflanzen – dies geschehe, so Uwe Leiner und Gustav Stoffers, von ganz allein. Und auch Besucher sollten sich entsprechend verhalten – Paddler dürften mit ihren Booten auf keinen Fall die kleine Insel ansteuern. Den puren Naturgenuss garantiert ein ausgedehnter Spaziergang auf dem wieder hergestellten Trave-Wanderweg.

Der größte Fluss im Südosten des Landes

7000 Kubikmeter Boden wurden während des Vorhabens gelöst und abgefahren. Vor Ort waren Mitarbeiter der Lübecker Firma Bergemann-Gräper. Das Unternehmen hatte ein vergleichbares Projekt bereits am Travebereich in Sühlen realisiert. Am Kneeden gab es eine Verzögerung von rund zwei Monaten wegen der starken Regenfälle im vergangenen Herbst.

2000 Tonnen Kies und Geröll wurden eingebaut. Befahren wurde außerdem eine rund 600 Meter lange Baustraße, die von der nahen Bundesstraße 75 abzweigte.

Die Trave fließt durch die Kreise Ostholstein, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie die Hansestadt Lübeck. Sie besitzt nach der Eider das zweitgrößte Einzugsgebiet eines Flusses in Schleswig-Holstein.

Michael Thormählen

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