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Stormarn Die Trittauer Wassermühle
Lokales Stormarn Die Trittauer Wassermühle
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14:26 26.10.2018
Die Trittauer Wassermühle. Quelle: Bettina Albrod
Trittau

Wer heute zur Trittauer Wassermühle kommt, wird häufig aus dem obersten Stock von einem wachsamen Hund verbellt. Er ist Nachfolger der einst üblichen Mühlenkatze, die dafür zuständig war, die kostbaren Getreidekörner vor allerlei Nagern zu schützen. Sie gab es auch in der Trittauer Wassermühle, deren Existenz seit 1600 als Kornwassermühle belegt ist und die es wahrscheinlich schon viel länger gibt. Eine Katzenklappe in der historischen Tür legt davon Zeugnis ab.

„Nicht weit weg stand seit 1327 das Trittauer Schloss, wahrscheinlich wurde schon damals eine dazugehörige Mühle gebaut“, vermutet Walter Nussel, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde, der das Haus heute gehört. In dem historischen Gemäuer sind alle Spuren des alten Handwerks erhalten. Das Vorderhaus, das als Wohnhaus genutzt wurde, entstand 1701, der eigentliche Mühlenkörper beinhaltet die mechanischen Vorrichtungen, mit denen das Getreide eingefüllt, gemahlen, verteilt und von der Spreu getrennt wurde. Angetrieben wurde das Mühlenrad im Keller vom Wasser aus dem Mühlenbach, das dafür mittels Wehr gestaut wurde. „Manchmal stieg das Wasser dabei bis kurz unter die Kellerdecke“, so Nussel.

Um 1850 löste die so genannte Francis Turbine das Wasser als alleiniges Antriebsmittel ab, so dass das Mahlwerk wesentlich effizienter arbeiten konnte. Noch viel später übernahm ein Dieselmotor den Antrieb. Die Technik des Mahlens können Besucher bis heute durch eine Glaswand betrachten; im ersten Stock lagern noch Mahlsteine, Hebevorrichtung und Gerätschaften des alten Handwerks. Walter Nussel öffnet eine Klappe in einem der Holzbalken und fördert damit einen „Elevator“ zutage. Das ist ein Gurtbecherwerk, das wie ein Pater Noster kleine Becher an einem Gurt im Kreis befördert, die das gemahlene Korn in die Säcke unter dem Absackrohr transportierten.

200 Jahre im Besitz einer Familie

„Die Trittauer Mühle war ein herrschaftlicher Betrieb, dem 18 Dörfer zugeordnet wurden“, erzählt Nussel. Bis 1963 war sie noch in Betrieb und zwei Jahrhunderte lang – von 1733 bis 1933 – im Besitz der Familie Holst. Die Stellung des Müllers war zwiespältig, denn auf der einen Seite verdiente er durch den Mühlenzwang, der die Bauern dazu verpflichtete, bei ihm ihr Korn mahlen zu lassen, viel Geld, zum anderen galt der Müller als unehrlich. „Die Bauern haben nicht verstanden, dass sie mehr Säcke mit Getreide abgegeben haben als sie Säcke mit Mehl zurück bekamen“, erklärt Nussel. Nicht nur die Physik, sondern auch hohe Abgaben waren dafür verantwortlich.

Die Wassermühle in Trittau verrät auch viel über eine historische Arbeitswelt.

1973 kaufte die Gemeinde die Mühle, den Teich und zwei Scheunen, die zu dem Haus gehörten, und brachte im Flur die „Trittauer Tafel“ unter. „Damals wurden erste Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, Vereine und Verbände haben die Mühle als Treffpunkt genutzt, und die Jungen Europäischen Föderalisten haben die Wurzel für den Mühlenmarkt gelegt, den es bis heute gibt.“ 1976 wurden sowohl die Mühle als auch das Mahlwerk unter Denkmalschutz gestellt. Als 1989 die Wende kam, nutzte die Gemeinde noch einmal die Mittel der Zonenrandförderung und sanierte das alte Gemäuer für rund vier Millionen Mark, um dort ein Kulturzentrum einzurichten.

„Der eine alte Schuppen ist abgerissen worden, an Stelle des zweiten Schuppens ist 2004 ein Atelierhaus gebaut worden.“ Dort befindet sich ein Atelier für die jährlichen Stipendiaten, die in der Wassermühle wohnen und arbeiten, nebst drei weiteren, die vermietet werden. Die Ausstellungsräume liegen vorne im Mühlenhaus. Die Galerie präsentiert bis zu fünf Ausstellungen im Jahr, vor allem Einzelausstellungen junger, zeitgenössischer künstlerischer Positionen aus dem norddeutschen Raum, sowie einmal im Jahr die Abschlussausstellung der Stipendiaten des Kunststipendiums. „Die Galerie in der Wassermühle Trittau hat mittlerweile einen guten Namen in Norddeutschland für moderne Kunst“, sagt Nussel.

Eigene Mühlen-Stiftung

Hier kooperiert die Gemeinde mit der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, die auch eine eigene Mühlenstiftung unter ihrem Dach hat. Allerdings reicht das Kapital von bisher 500 000 Euro nicht, um daraus das alte Gebäude zu finanzieren, deshalb ist noch die Gemeinde für den Unterhalt zuständig. Die Mittel dafür werden regelmäßig in den Haushalt eingestellt. Der Mühlenboden wird außerdem als Konzertsaal genutzt. „Dem Müller haftete immer etwas Mystisches an“, sagt Nussel, „wohl deshalb, weil viele Dörfler die komplizierte Technik nicht verstanden.“ Etwas Verwunschenes hat sich die Trittauer Wassermühle bis heute bewahrt.

Kuriosa zur Mühle

Beim Großenseer Prozess hatten der Trittauer Müller Holst und der Rausdorfer Müller 1882 gegen die Stadt Wandsbek geklagt. Die hatte den Großensee gekauft und dort ein Wasserwerk gebaut. Geklagt wurde aufgrund der verbrieften Rechte auf die Wassernutzung ihrer Bäche, die vom Großensee gespeist wurden. Der Prozess zog sich über 20 Jahre hin.

Der Müller war vom Kriegsdienst befreit, weil sein Beruf zu wichtig für die Bevölkerung war. Das führte dazu, dass sein Stand nur gering geachtet wurde. Gleichzeitig war der Müller fast immer vermögend, da der Mühlenzwang ihm die Kunden zusicherte.

Der Mühlenfriede besagte, dass sich jeder, der verfolgt wurde, in eine Mühle flüchten durfte, weil er dort unbehelligt blieb. Er durfte nicht mit Gewalt herausgeholt werden, um das lebenswichtige Bauwerk nicht zu gefährden.

Bettina Albrod

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