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Stormarn Die Unterschrift von Dänenkönig Friedrich V. im Wohnzimmer
Lokales Stormarn Die Unterschrift von Dänenkönig Friedrich V. im Wohnzimmer
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21:21 28.06.2013
Von Uwe Krog
Dieses Dokument haben Margret und Walter Groth vor vielen Jahren beim Stöbern auf dem Dachboden ihres alten Hauses gefunden. Quelle: Foto: ukk
Heilshoop

Eines der wohl ältesten Häuser von Heilshoop steht am Ortsausgang in Richtung Bundesstraße 206. Langgezogen, verklinkert. Sein Alter ist ihm nicht anzusehen, weil Familie Groth es stets modernisiert hat.

Aber es birgt ein Geheimnis aus längst vergangenen Zeiten.

In den 1980er Jahren hatten Margret (72) und Walter Groth (77) hinter alten Dachsparren eine in Tuch eingewickelte Schrift entdeckt. Datiert auf den 22. August 1758, steht obendrüber etwas von einem „durchlauchtigsten Fürsten“ mit einem kaum zu entziffernden Namen und von Norwegen. Das Material, glaubte Margret Groth, sei aus Leder. Die Wörter sind nicht zu lesen. Zu fremd, zu verschlungen sind die Buchstaben für den Laien.

Weder die Groths noch sonst jemand im Ort weiß bis heute, um was für ein Dokument es sich handelt. Das einzige, was Walter Groth von dem langgestreckten Gebäude weiß, ist sein hohes Alter. Die Mutter habe immer erzählt, dass in ganz Heilshoop kein Haus älter sei. Dass es früher einmal fast doppelt so lang gewesen sei und dass ein Brunnen davor stand. Eine kleine Bauernstelle soll es gewesen sein, wie es früher davon viele in den Nordstormarner Dörfern gab.

Außerdem hatten die Groths noch zwei Konfirmationsurkunden aus den Jahren 1826 und 1856 gefunden — und ihre Funde dann nebeneinander fein säuberlich gerahmt und hinter Glas in ihr Wohnzimmer gehängt.

Seit 1987 zieren die Funde ihre gute Stube, bis Bürgermeister Wendelin Herbrand vor ein paar Wochen zur Goldenen Hochzeit vorbeischaute. 50 Jahre sind beide jetzt verheiratet. „Es ist es bei uns üblich, dass der Bürgermeister dann gratuliert“, sagt Herbrand. Bei seinem Besuch fiel sein Blick auf die historischen Schriftstücke und weckten seine Neugier.

Womöglich leben die Groths auf Land, das ehemals dem damaligen König von Dänemark, Friedrich V., persönlich gehörte. Die Groths haben den Glasrahmen ausnahmsweise geöffnet. Und die LN haben das Foto dem Kreisarchiv in Bad Oldesloe gemailt. Stormarns Kreisarchivar Stefan Watzlawzik vermag zwar anhand eines Fotos „nichts Definitives zum Inhalt sagen — dafür muss es zeilengenau transkribiert werden.“ Er vermutet aber, dass es in dieser Urkunde „um ein königliches Regal geht, das an einen Ortsansässigen verpachtet wurde.“ Dabei könne es sich um eine Mühle handeln, aber auch um andere Sonderrechte.

Aus Leder sei das Schriftstück wohl kaum, so der Archivar, eher aus Pergamentpapier. Die Unterschrift aber, da ist sich Watzlawzik recht sicher, „dürfte eigenhändig vom dänischen König erfolgt sein“.

Absolute Sicherheit gibt es allerdings nur durch eine genaue Untersuchung.

Der Monarch aus Kopenhagen herrschte in Stormarn
Friedrich V., Beiname der Gute (1723—1766), war König nicht nur von Dänemark. Seit der Thronbesteigung 1746 herrschte er auch über Norwegen, trug den Titel des Herzogs von Schleswig und Holstein sowie des Grafen von Oldenburg und Delmenhorst. Er gilt als einer der schwächeren Könige Dänemarks und war auf Berater angewiesen. Immerhin: Seine Regentschaft zeichnete sich durch Frieden und Wohlstand für die Untertanen aus. Für Aufenthalte in der damals dänisch verwalteten Stadt Glückstadt ließ er das dortige Wasmer-Palais erwerben.

Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Louise von Großbritannien heiratete er bald darauf Juliane von Braunschweig-Wolfenbüttel, eine Schwägerin Friedrich des Großen. Seine zweite Ehe verlief höchst unglücklich. Der König verfiel der Trunksucht, was auch der Grund seines frühen Todes gewesen sein könnte.

Der dänische Herrscher wurde vor gut 250 Jahren auch Landesherr über weitere Teile Stormarns. Es gab nämlich ein „Successionstractat“ aus dem Jahr 1757, der zwischen Friedrich V. und dem Plöner Herzog Friedrich Carl geschlossen worden war. Demnach sollte das gesamte Herzogtum, das sich zuletzt aus der Stadt und dem Amt Plön, Pehmen und Stocksee sowie den Ämtern Ahrensbök, Reinfeld, Rethwisch und Traventhal zusammensetzte, nach dem Tod Friedrich Carls an die dänische Krone übergehen.

Und der letzte Plöner Herzog verstarb in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1761 im Traventhaler Schloss, das er selbst erbauen ließ. Todesursache war vermutlich ein Schlaganfall. Der Herzog hatte zuvor die Hochzeit seines Kammerjunkers und Leibmundschenks mit der Hofmeisterin gefeiert.

Friedrich Carl hatte mit der ihm angetrauten Comtesse Christine Armgard von Reventlow nur einen Sohn, der bereits als Kleinkind verstarb. Und seine vier Töchter waren keine männlichen legitimen Erben, schieden deshalb für eine Herrschaftserbfolge aus. Auch kamen dafür die nichtehelichen Kinder Friedrich Carls nicht in Betracht, die er mit zwei Mätressen hatte. Weil das Herzogtum Plön hoch verschuldet war — 1761 beliefen sich die Verbindlichkeiten auf 459 235 Reichstaler — war die Vereinbarung mit König Friedrich V. die beste Lösung. Der dänische Monarch zahlte 60 000 Reichstaler in zwei Raten und übernahm hohe Schulden. Auch war die Versorgung der Herzogin, der Herzoginmutter Dorothea Christine, der Töchter und sogar von Verwandten durch Apanagen sichert.

Uwe Krog

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