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Stormarn Die bewegten Bilder von Uwe Greiß
Lokales Stormarn Die bewegten Bilder von Uwe Greiß
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18:14 26.08.2017
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Tralau

Um der schönen Bilder willen lernte Uwe Greiß (76) die Welt kennen. Erst war er als Industriefotograf auf Bohrinseln und in Tunneln unterwegs oder lichtete Objekte vom Helikopter aus ab. Dann wurden seine Fotos immer kunstvoller, brachte er Bilder mit bestimmten Techniken in Bewegung. Mittlerweile entdeckt der Fotograf viele seiner Motive im heimischen Garten, im Tralauer Wald oder bei Urlaubsreisen.

„Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt“, erzählt er. Und dabei finde er Motive, selbst wenn er gar nicht danach suche. Ideengeberin für eine seiner liebsten Serien war seine Ehefrau Dagmar. Als die nämlich ausgeblühte Blumen etwas länger stehen ließ als sonst, entdeckte Uwe Greiß den Tanz der Tulpen in ihnen. Vor einem schwarzen Samttuch im Atelier setzt er seitdem immer mal wieder tanzende Blüten in Szene.

„Ich habe immer mal Phasen, in denen ich mit speziellen Techniken unscharfe Fotos mache“, verrät er. Dann überlässt er es dem Betrachter, darin etwas zu erkennen – oder auch nicht. Lässt ihnen Raum für die eigene Fantasie. Die Motive findet er auch „in unserem mystischen Garten“. Mal sind es verwischt wirkende rote Mohnblumen vor oder hinter grünen Gräsern, mal bietet der Blick durch einen dunklen Blätterrahmen überraschende visuelle Eindrücke. Für Greiß sind es „Such(er)-Bilder“. Bilder, die er im Sucher seiner Kamera entdeckte, ohne sie im Labor oder am Rechner zu manipulieren.

Uwe Greiß besuchte die Fachakademie für Fotodesign in München und arbeitete einige Jahre als Bildredakteur bei einem medizinischen Verlag. 1975 zog er mit seiner Familie in den Norden. „Ich habe mit einem Atelier am Sülzberg angefangen.“ Doch recht schnell konzentrierte Greiß sich auf Industrie- und Architekturfotos. 1992 kam die Kunstfotografie hinzu. Zuerst fotografierte er bei einem internationalen Kunst-Symposium. Zwei Jahre später flog er als Teilnehmer zu einem Kunst-Symposium nach Japan, fotografierte dort mit einer Dose aus einem japanischen Baumarkt als Lochkamera.

Es folgten Landart-Projekte in Dithmarschen und Schweden, die Greiß fotografisch begleitete und zudem Kataloge dafür erstellte. „Dann habe ich immer mehr für Künstler gearbeitet“, erklärt der Tralauer. Parallel dazu war er an Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Zum Beispiel in der Russischen Förderation (Kaliningrad), Schweden (Uppsala) und Japan (Samukawa). Auch bei den Landesschauen des Berufsverbandes Bildender Künstler, in dem er einige Jahre zum erweiterten Vorstand gehörte, stellt Greiß aus.

Fotografiert hat der Tralauer schon mit vielen verschiedenen Kameras. Mit Modellen der Firmen Leica, Nikon, Canon, mit Kleinbildkameras und beruflich mit seiner Hasselblad. Für ihn persönlich ist es egal, welche Kamera er benutzt. Uwe Greiß unterstreicht: „Es geht um das Optische, die Wirkung, die Aussage. Ich habe auch schon mit dem Handy Aufnahmen für eine Ausstellung fotografiert.“

Als Berufsfotograf ist der Tralauer viel herumgekommen. Gemeinsam mit einem befreundeten Industriefilmer war er unter anderem im Gotthard-Basistunnel und auf diversen Bohrinseln unterwegs. Er fotografierte in einem Tunnel in Japan und auf Schiffen in Singapur. Greiß betont: „Für mich war es eine schöne Zeit. Ich konnte auch viel für mich fotografieren.“ Und die Ergebnisse später bei Ausstellungen präsentieren.

Ein spezielles Tunnel-Erlebnis wird der Tralauer allerdings nie wieder vergessen. Eine Bohrmaschine hatte bei einem Durchbruch so viel Luftdruck, dass alle Ehrengäste und Fotografen komplett eingestaubt wurden. „Ich brauchte einen halben Tag, um meine Kamera zu säubern.“ Mittlerweile ist Greiß lieber mit handlichen Kameras unterwegs. Schließlich will er keine riesigen Poster mehr machen.

Dabei erlaubt sein heimischer Profidrucker immerhin Formate von 60×80 Zentimetern.

Mit einer speziellen Technik aus der analogen Zeit arbeitet Greiß besonders gern: mit der Mehrfachbelichtung. So bringt er wieder eine partielle Schärfe in unscharfe Bilder. Mit der bewegten Kamera hat er ebenfalls häufig gearbeitet. Seine Foto-Ausbeute aus über 40 Jahren ist riesig. Unmöglich, diesen Schatz auf einmal zu zeigen.

Beim Schleswig-Holsteinischen Sommeratelier 2017 stellte Greiß erstmals in Tralau aus. Im Sommeratelier davor waren seine Fotos bei einem Kronsforder Kollegen, bei Rainer Wiedemann, zu sehen. In der Lübecker Defacto-Galerie zeigte der Stormarner seine Werke zu seinem 70. Geburtstag. Drei der „Bildstörungen“, die Greiß bei einem Film über Windanlagen vom Monitor mit der Kamera festhielt, sind Ende September in Lübeck bei einer Jahresschau im Schuppen 6 zu sehen. Mit ihnen schlägt Uwe Greiß erneut den Bogen von der Industrie- zur Kunstfotografie.

Susanna Fofana

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