Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Die restaurierten Gemälde einer schillernden Reinfelderin
Lokales Stormarn Die restaurierten Gemälde einer schillernden Reinfelderin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 15.10.2016
Anne Hübner von der Fielmann-Niederlassung Bad Oldesloe (l.), Museumsleiterin Anja Rademacher und Bürgermeister Heiko Gerstmann ) mit restaurierten Selbstporträts der Freifrau von Maltzahn. Zu sehen ist auch deren Lebensgefährte Friedrich Meyer. Quelle: Fotos: Oda Rose-Oertel
Anzeige
Reinfeld

Das Heimatmuseum in Reinfeld ist reich beschenkt worden. Die Fielmann AG hat sieben Gemälde der Malerin Freifrau Alice von Maltzahn (1883 bis 1973) aufwändig restaurieren lassen. Jetzt überreichte die Leiterin der Niederlassung Bad Oldesloe, Anne Hübner, Museumsleiterin Anja Rademacher im Beisein von Bürgermeister Heiko Gerstmann die in neuem Glanz erstrahlten Ölbilder.

Dank des Engagements der Fielmann AG sind bald im Heimatmuseum sieben überarbeitete Werke der Malerin Alice von Maltzahn zu sehen.

Weitere Arbeiten

Eine Ausstellung im Heimatmuseum Reinfeld, Neuer Garten 9, ab dem 20. November bis zum Sommer 2017 zeigt die restaurierten Gemälde Alice von Maltzahns sowie weiterer Künstler und Künstlerinnen aus Reinfeld und Umgebung. Dazu gehören unter anderem Ludwig Behrens und Elisabeth Wolters-Bitterling.

Sie war eine elegante Erscheinung, so ist überliefert, und Fotos und Selbstporträts im Besitz des Heimatmuseums bestätigen das: Freifrau Alice von Maltzahn, geborene Markgräfin von Coligny-Petitjean, war eine besondere Persönlichkeit. Von 1939 bis zu ihrem Tod 1973 lebte sie in einem der bis heute wohl schönsten Häuser Reinfelds am Herrenkamp 5, mit Blick auf den Herrenteich. Die Vita,die das Heimatmuseum zur Verfügung stellt, ist gespickt mit Anekdoten über die Dame. 13 Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes, des mecklenburgischen Barons Karl-Axel von Maltzahn, zog sie von Schwerin nach Reinfeld. Das Haus am Herrenteich bewohnte sie mit ihrem Lebensgefährten, dem Offizier Friedrich Meyer – offiziell ihr Butler. Als einzige Frau soll die Adelige das Privileg gehabt haben, auf dem Herrenteich zu segeln.

Bereits als junge Frau schien die in Schlesien geborene Freifrau unerschrocken und modern gewesen zu sein: Sie studierte an der Kunstakademie in Weimar. Das war zu dieser Zeit ungewöhnlich für eine Frau. Von 1909 bis 1912 ließ sie sich dort als Porträtmalerin ausbilden. Professoren bescheinigten ihr großes Talent. Eine besondere Ehre wurde der Studentin am Pariser Louvre zuteil: Hier durfte sie als eine von wenigen Künstlern Kopien der alten Meister anfertigen.

Anja Rademacher war es ein Herzensanliegen, „dass Alice von Maltzahn als Reinfelderin zu neuen Ehren kommt“, wie sie sagte. Daher bat sie die Fielmann AG bereits vor drei Jahren um Unterstützung.

Kunsthistoriker Jürgen Ostwald, zuständig für die Museumsförderungen des Augenoptik-Unternehmens, begleitete schließlich ab Februar die Restaurierung der Bilder in der Kieler Werkstatt Rosehr. Sieben Gemälde wurden gereinigt – unter anderem mussten sie von Nikotin-Ablagerungen befreit werden –, einige Farbaussprünge wurden gefüllt, die Leinwand neu aufgerollt und geglättet, die Farbe neu befestigt. Einige der Bilder sind neu gerahmt worden. Das habe schon „einige tausend Euro“ gekostet", so Ostwald, die genauen Kosten will er nicht verraten.

Der Kunsthistoriker sieht die künstlerische Qualität der Gemälde im Stil des „deutschen Spätimpressionismus“ übrigens kritisch: „Die in Reinfeld nach ihrem 60. und 70. Lebensjahr entstandenen Arbeiten sind schwach.“ Aber auch die in der Weimarer Studienzeit gemalten Akte und Porträts überzeugen ihn nur teilweise. Ein mit schnellen Strichen gemalter Frauenakt in Öl allerdings fällt aus dem Rahmen. „Das ist nicht uninteressant“, bemerkte Jürgen Ostwald, „ich vermute, er wurde in den vierziger oder fünfziger Jahren gemalt.“ Insgesamt sei das Projekt in jedem Fall interessant, „weil sie Reinfelderin war“, und auch das bewegte Leben der schillernden Malerin weckt Ostwalds Neugier. „Wir wissen nur sehr wenig“, meinte er, „die Biografie in den alten Aufzeichnungen des Museums ist nur teilweise belegt.“

Während die frisch verschönten Gemälde bald in einer Ausstellung gewürdigt werden, lagern rund 30 Skizzen der Alice von Maltzahn zunächst weiterhin im Museumsarchiv. Es sind große Blätter mit Akten und Porträts in Kohle und Bleistift, eingerollt im Verborgenen. Für die optimale Lagerung sollten sie eigentlich auf Passepartouts gezogen werden, empfiehlt Ostwald. „Aber das kostet pro Blatt zwischen 60 und 70 Euro.“

Wer weiß, vielleicht erblicken auch diese Werke aus dem Nachlass der Alice von Maltzahn eines Tages das Licht der Öffentlichkeit.

Oda Rose-Oertel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Haus- und Grundeigentümerverein Bargteheide lädt gemeinsam mit der Polizeidirektion Ratzeburg zu einer Präventionsveranstaltung zum Thema Einbruchsschutz für Dienstag, 18.

15.10.2016

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat die Trittauer Stiftung einen interessanten Vortragsabend vorbereitet. Professor Dr.

15.10.2016

Der Landesjagdverband und das Gymnasium Eckhorst Bargteheide haben ein Projekt gestartet, um Schülern bessere Eindrücke von der heimischen Natur zu vermitteln.

15.10.2016
Anzeige