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Stormarn Die tägliche Arbeit wird als Glücksfall empfunden
Lokales Stormarn Die tägliche Arbeit wird als Glücksfall empfunden
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20:49 10.04.2017
Im Gespräch: Marvin Reimers (v. l.), Ministerpräsident Torsten Albig und Stephan Bruns, Leiter der Stormarner Werkstätten. Quelle: Susanna Fofana

Sein Konterfei zierte eine der Schautafeln, auf denen Menschen mit und ohne Handicap schildern, welche Bedeutung die Arbeit für sie persönlich hat. Marvin Reimers (21) beispielsweise betonte auf seiner Ausstellungstafel: „Arbeit ist mein Lebensinhalt.“ Schon seit 2014 arbeitet der junge Wakendorfer in den Stormarner Werkstätten. „Seit August 2016 bin ich in der Hauswirtschaft,“ erzählte Marvin, dessen Bild fast neben dem des Ministerpräsidenten steht.

Auch Peter Haarländer (26) aus Trittau betonte: „Arbeit ist auf jeden Fall wichtig.“ Mit seiner Mutter Christel Haarländer schaute er sich die Ausstellung und natürlich auch seine eigene Stelltafel an. „Ich gehe gern zur Arbeit“, sagte Haarländer, der in der Metallbearbeitung tätig ist und gern gute Leistungen abliefert. Dies gebe ihm auch ein gutes Gefühl.

„Ich muss etwas zu tun haben“, „Ich habe das Gefühl, ich mache etwas Sinnvolles“ oder „Die Arbeit gibt mir Struktur, ohne Arbeit kann ich nicht leben“ lauteten weitere Aussagen von Ausstellern. Der älteste von ihnen ist wohl der Bad Segeberger Bäckermeister Walter Gräper, der 2016 seinen 100. Geburtstag feierte und immer noch täglich in der Backstube des Familienbetriebes steht, um Hefekringel zu formen. Stephan Bruns, Leiter der Stormarner Werkstätten, erläuterte, dass schon Martin Luther die Arbeit in den höchsten Tönen gelobt hat und ein Sprichwort besagt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. In den Werkstätten werden Arbeiten für unterschiedliche Begabungen entwickelt. „Es gibt niemanden, der nichts kann“, hat Bruns festgestellt.

Ministerpräsident Albig betonte, dass man keine Angst vor den eigenen Mängeln haben sollte. Jeder solle sich selbst mit seinen Stärken und Schwächen akzeptieren. So wie er zwar gerne Musik höre, aber sie nicht selbst spielen könne.

„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung“, zitierte Landrat Dr. Henning Görtz Albert Einstein. „Wenn Arbeit glücklich macht, bin ich die Leiterin der Agentur für Glück“, so Dr. Heike Grote-Seifert, Leiterin der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe. Arbeit steigere die Zufriedenheit, bringe Struktur in den Alltag und die Möglichkeit zum Austausch. „Eine selbstbestimmte Arbeit verrichten zu können oder aber etwas neu gestalten zu können“, fand Oase-Vorsitzende Wiebke Finck besonders befriedigend. Sie konnte den Ausstellungstitel unterstreichen. Arbeit bedeute auch für sie ein Glücksfall. Besucherin Cornelia Zurawczak (57) betonte: „Ich freue mich sehr, nach einiger Zeit einen neuen Arbeitsplatz zu haben, der mir viel Spaß

macht und in dem ich alle meine Ausbildungen einbringen kann. Dort fühle ich mich sehr wohl.“

Von der Musik der Werkstätten-Band „Leuchtfeuer“ waren alle Besucher fasziniert und applaudierten begeistert. Landrat Görtz unterstrich, dass „Am Fenster“ von der Band „City“ zwar zu den besten deutschen Rock-Klassikern zählt, aber viele Bands den Titel nicht spielen, „weil ihnen der Teufelsgeiger fehlt“. Den hatte die Leuchtfeuer-Band mit Christian Brauner (30) aus Trittau dabei.

Jede Woche proben die insgesamt acht Bandmitglieder unter Leitung von Kirchenmusikerin Bettina Baasner aus Bebensee. Die Musikpädagogin absolviert gerade den neuen B-Studiengang Popularmusik mit Schwerpunkt Rock, Pop und Jazz in der Kirche.

 Susanna Fofana

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