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Diese Haltestelle regt Erinnerungen an

Rümpel Diese Haltestelle regt Erinnerungen an

Am Wartehäuschen im Rohlfshagener Wohnpark finden Demenzkranke eine vertraute Umgebung.

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Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter und Sponsoren freuen sich über die neue „Bushaltestelle“.

Quelle: Petra Dreu

Rümpel. An dieser Bushaltestelle im Ortsteil Rohlfshagen der Gemeinde Rümpel wird niemals ein Bus Halt machen, denn schon ihr Standort ist ungewöhnlich. Sie steht fernab der Hauptverkehrswege im „Garten der Sinne“ des Wohnparks Rohlfshagen und erfüllt therapeutische Zwecke.

In der Einrichtung werden derzeit 70 Pflegebedürftige stationär und in der Tagespflege bis zu zehn Gäste betreut. Viele von ihnen leiden an der Krankheit „Demenz“, dem großen Vergessen und Abgleiten in die Vergangenheit, dessen prominentestes Opfer derzeit Rudi Assauer, ehemaliger Manager des Bundesligavereins Schalke 04, ist.

Anfragen von Vereinen nach Werbeartikeln für eine Tombola oder Bitten um eine finanzielle Unterstützung für die Schulbücherei, Trikots oder den lang ersehnten Kletterturm im Kindergarten hat Alexander Bremer, stellvertretender Niederlassungsleiter bei Autokraft, schon viele gehabt. „Aber nach einem alten Bushalteschild hatte noch niemand gefragt“, erzählt der Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens, der während eines Anrufs von Daniel Schöneberg, Geschäftsführer der Pflegeheime Riedel, anfangs sehr verwundert war. Erst als ihm dieser genau erklärt hatte, warum und wofür er dieses ausrangierte Schild haben möchte, war auch Alexander Bremer von der Idee begeistert.

„Ich habe mit unserem Team darüber gesprochen. Alle fanden die Idee gut. Ein altes Schild wollten wir jedoch nicht verschenken. Wir haben ein neues gemacht. Sogar die richtige Liniennummer ist darauf“, berichtet Alexander Bremer. Mitsamt Befestigungsmaterial hatte er das nagelneue Schild an den Wohnpark geliefert. Hausmeister Gerno Danger baute dazu einen Unterstand aus Holz, eine Bank wurde hineingestellt und ein Rahmen für den Fahrplan montiert, der original die aktuellen Abfahrzeiten der Linie 8115 anzeigt.

„Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Papierkorb“, stellt Heimleiterin Janina Riedel fest, die an der Schein-Bushaltestelle immer wieder Bewohner und deren Angehörige antrifft. „Sie ist zu einem Treffpunkt geworden, der überall positiv aufgenommen wird, selbst bei denen, die nicht an Demenz erkrankt sind“, erklärt sie.

Für gesunde Menschen wirken „Schein-Bushaltestellen“, die immer mehr in Pflegeeinrichtungen errichtet werden, wie ein Scherz, bei dem die Demenzkranken auf den Arm genommen werden. „Das ist es jedoch überhaupt nicht. Allerdings kann auch nicht jeder Erkrankte etwas mit einer Schein-Bushaltestelle anfangen. Wer aber früher, als er noch gesund war, immer mit einem Bus zur Arbeit gefahren ist oder für seine Einkäufe den Bus genutzt hat, für den ist die Bushaltestelle etwas Vertrautes, ein Zufluchtsort, von dem aus er zurück in seine vertraute Umgebung gelangen kann“, weiß Daniel Schöneberg.

Dass Demenzkranke stundenlang an einer solchen Schein-Bushaltestelle stehen würden, wie viele glauben, sei jedoch nicht richtig. „Viele sind unruhig, haben Bewegungsdrang. Wenn sie die Bushaltestelle sehen, ist sie wie ein Impuls, der ihnen sagt: Hier musst du warten. Gleich kommt der Bus, der dich nach Hause bringt. Doch da bei ihnen das Kurzzeitgedächtnis zunehmend weniger funktioniert, haben sie das auch schnell wieder vergessen und setzen ihren Weg fort oder gehen zurück ins Haus“, erklärt Schöneberg. Dadurch sei die Gefahr geringer, dass sich demenzkranke Heimbewohner außerhalb des Wohnpark-Geländes verlaufen und wenigstens kurzfristig ruhiger werden können.

Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Schein-Bushaltestellen gebe es nicht, gute Erfahrungen damit hätten aber auch andere Pflegeeinrichtungen gemacht.

Beruhigende Attrappe
Es waren Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung „Landhaus Laspert“ in Remscheid, die 2006 die wahrscheinlich erste Schein-Bushaltestelle in Deutschland aufgestellt hatten. Sie, aber auch Angehörige hatten festgestellt, dass die Attrappe beruhigend auf die an Demenz erkrankten Bewohner wirkte. Schnell wurde das Remscheider Modell auch in anderen Pflegeheimen aufgebaut. In der Fachwelt allerdings finden die Schein-Bushaltestellen für Menschen mit Demenz keine ungeteilte Zustimmung.

Petra Dreu

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