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Stormarn Diesel-Debatte bei Autofans in Oldesloe: Fluch oder Segen?
Lokales Stormarn Diesel-Debatte bei Autofans in Oldesloe: Fluch oder Segen?
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21:34 30.04.2018
Dieser Flitzer wäre zu klein für Michael Wittmann. Der Trittauer nutzt als Vielfahrer ein Diesel-Fahrzeug. Das Auto braucht er, um zur Arbeit zu kommen. Von den derzeitigen Diskussionen rund um den Diesel lässt er sich nicht abschrecken. Quelle: Fotos: Susanna Fofana
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Bad Oldesloe

Eine von denen, die sich besonders viele Gedanken gemacht hatte, ist Beate Manke aus Berlin, die gerade Familienurlaub in Bargteheide macht. „Ich wollte keine Dreckschleuder“, sagt sie. Und kaufte deshalb einst einen Fiat 500 Diesel, der als umweltfreundlich angepriesen wurde. Es würde ihr Herz brechen, wenn sie ihn nun verschrotten müsste. Die Berlinerin wünscht sich einheitliche Lösungen. Und bei Containern, Flugzeugen oder großen Benzinern sollte man ebenso die Umweltfreundlichkeit im Auge behalten.

Uwe Husfeld aus Henstedt-Ulzburg ist auf der Oldesloer Autoroute mit einem Zollstock unterwegs. Er sucht einen Campingbus. „Die sind fast alle Diesel“, hat er festgestellt. Auf ein Modell festgelegt hat er sich noch nicht. Ihm kommt es erst einmal auf exakte Innenmaße an. „Eigentlich sind wir Zelter“, verrät er. Doch mit einem VW-Bus sei er früher auch schon mal unterwegs gewesen.

Für Frank Schmüser, Geschäftsführer von 13 Süverkrüp-Autohäusern in Schleswig-Holstein, ist die Sache ganz klar. „Es gibt nichts Saubereres als Diesel“, betont er. Bereits seit 2010 nutze Mercedes-Benz bei Diesel-Fahrzeugen „AdBlue“ um den Ausstoß von Stickoxiden zu reduzieren. Mit Rückläufern gebe es deshalb keine Probleme in seinen Autohäusern. Er habe beobachtet: Durch das derzeit kleine Angebot gebrauchter Diesel-Fahrzeuge steige gerade der Preis.

Diesel ist wichtig für Vielfahrer

Beim Probesitzen in einem Sport-Flitzer weiß Autofan Michael Wittmann aus Trittau sogleich: „Dieses Auto wäre zu klein für mich, um jeden Tag damit zur Arbeit zu fahren.“ Er nutze als Vielfahrer einen Diesel und habe noch nicht entschieden, ob er künftig daran etwas ändern möchte. Bei den Diesel-Diskussionen lasse er sich von der „Hysterie“ nicht anstecken.

Jana (12) könnte ein Mini gefallen. Ihrer Mutter Stephanie Wandschneider aus Wahlstedt dagegen nicht. „Ich bin VW-Fan“, sagt sie kategorisch. „Ich habe von Anfang an nur VW gefahren.“ Sie sei als Vielfahrerin „vollkommen zufrieden“ mit ihrem 15 Jahre alten Diesel. Und fährt damit sogar zum Tuning-Treffen. Die Diesel-Debatte sei ihr „relativ egal“. „Ich liebe mein Auto. Es bleibt.“

Lars Bergmann, Verkaufsleiter bei Senger Holstein, verweist darauf, dass in den letzten eineinhalb Jahren viele Dieselfahrzeuge abgewrackt wurden. „Es werden deutlich weniger neue Diesel verkauft.“

Nur für Vielfahrer seien Dieselautos nicht zu schlagen. Für Neuwagen und Jahreswagen würde es zudem Garantien geben.

Die Vorurteile gegenüber Dieselautos seien noch da, werden aber „gefühlt weniger“, sagt der Oldesloer Autohändler Werner Blohm. Es werden weniger Diesel, dafür mehr Benziner verkauft. Die Probleme mit Fahrverboten etc. sehe er eher in großen Städten und nicht hier auf dem Land.

Blohm ist überzeugt davon: „Diesel ist nicht so schlecht wie sein Ruf.“ Stickoxid sei massiv gesenkt worden. Seine persönliche Einschätzung: „Wir brauchen den Diesel weiter. Vor allem für Leute, die viel fahren. Für sie seien Elektroautos noch nicht unbedingt etwas. Sein Fazit: Die Diesel-Debatte sei „sehr emotional hochgekocht“ worden. Klare Regeln hätten da Abhilfe schaffen können. Bei Diesel-Autos mit der „Euro-6-Norm“ (seit September 2014) seien Fahrverbote eh kein Thema, bei „Euro 5“ ab 2009 gelten Übergangsregelungen. Nur wer noch ältere Diesel-Autos fahre, sollte darüber nachdenken.

 Von Susanna Fofana

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