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Stormarn In Reinfelds Schulen ist noch Kreidezeit
Lokales Stormarn In Reinfelds Schulen ist noch Kreidezeit
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15:24 24.10.2018
Dawinder Singh ist der neue Schulsprecher der Immanuel-Kant-Schule. "Wir wünschen uns WLan und dass die PCs funktionieren", so der Schüler. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

 Digitale Bildung wird in Schleswig-Holstein großgeschrieben. Schüler sollen Medienkompetenz erlernen. Computer, iPad & Co. sollen systematisch in allen Unterrichtsfächern genutzt werden. So lautet zumindest die Theorie. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie die Mitglieder des Reinfelder Bildungsausschusses diese Woche bei einer Begehung der Immanuel-Kant-Schule (IKS) feststellen mussten. In der Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe läuft noch nicht mal das WLan.

WLan gibt es nur im PC-Raum

„Wir haben einen PC-Raum und zwei mobile Laptop-Wagen, die man in die Klassenräume schieben kann. Es gibt nur ein Problem: Um die mobilen PCs zu nutzen, muss man sich in eine Domain einwählen, und die ist nur übers WLan erreichbar“, schilderte Christian Matthiessen, Koordinator der Jahrgänge 9 und 10. WLan gebe es jedoch nur im PC-Raum und mit Glück noch zehn Meter weiter. Der größte Teil des Schulgebäudes sei allerdings von der digitalen Welt abgeschnitten und die mobilen Laptops deshalb nicht wirklich einsetzbar.

 

Christian Matthiessen: WLan funktioniert nur im PC-Raum und mit Glück zehn Meter weiter." Quelle: E-Mail-LN-Stormarn

Um die Vorgabe des Landes, das digitale Lernen in alle Unterrichtsfächer zu integrieren, dennoch zu erfüllen, werden laut Lehrer Matthiessen in den Klassenräumen private Datenvolumen genutzt. „Zum Recherchieren“, so Matthiessen.  

Chatten mit privatem Datenvolumen

Laut neuer Handynutzungsverordnung dürfen die Schüler der IKS ab nächster Woche auch ihre mobilen Telefone in der langen Mittagspause benutzen. Das dürfte teuer werden. Sie müssen fürs Chatten in den sozialen Netzwerken ihr eigenes Datenvolumen verbrauchen. „Schöner wäre es natürlich, wenn die Schüler das WLan nutzen könnten“, so Matthiessen.

Digitales Bildungspaket Schleswig-Holstein

Folgende Projekte gehören in das Digitale Bildungspaket: Einheitliche Schulverwaltungssoftware (für standardisierte Zeugnisformulare oder digitales Klassenbuch).

Schulportal SH: Digitale Plattform, mit der Lehrer, Schüler und Eltern kommunizieren können. 

Lehrkräftebildung: Aus- und Fortbildung mit digitalen Medien

Digitale Infrastruktur: Eine landesweite Infrastruktur ist Voraussetzung für das digitale Arbeiten an den Schulen. Um diese aufbauen und unterhalten zu können, brauchen die Schulträger Ausstattungs- und Betriebskonzepte. Sie sollen in Zusammenarbeit mit den kommunalen Landesverbänden diese Konzepte erarbeiten. Ein weiterer Punkt ist die Ausstattung der Schulen zum Beispiel mit Endgeräten für Schüler sowie Präsentationstechnik in Unterrichtsräumen.

Laptop, Beamer und eine Art Leinwand haben heutzutage an Schulen eigentlich Tafel und Kreide abgelöst. Die neue Technik bietet ungeahnte Möglichkeiten. „Doch wir haben nicht in allen Klassenräumen Beamer“, teilte die stellvertretende Schulleiterin Jennifer Behnke mit. 16 Geräte müssten noch angeschafft werden. Auch die Technik im PC-Raum lässt zu wünschen übrig. „Wir haben etwa 20 PCs, von denen aber nur zwölf funktionieren“, berichtete Informatik-Lehrerin Sandra Wienak. Es gebe niemanden, der sich um die Instandhaltung kümmere.

Informatik-Unterricht auf dem Papier

Die Rechner seien zudem neun Jahre alt und noch mit Windows sieben ausgestattet. Auch viele der Laptops würden sich kaum noch in das WLan einwählen können.

Sandra Wienak ist Informatik-Lehrerin an der IKS. Ihr Unterricht muss oft auf dem Papier stattfinden. Quelle: Britta Matzen

Wienak muss deshalb ihren Informatik-Unterricht zum größten Teil auf dem Papier stattfinden lassen. „Was schade ist, weil der praktische Teil dadurch wegfällt“, so die IKS-Pädagogin.

Politiker sind wachgerüttelt

Die Situation an der IKS ist dramatisch. Das wurde auch den Ausschussmitgliedern bewusst, die jetzt wachgerüttelt wurden. Die Schulen und auch die Kommunen würden mit der Aufgabe der Digitalisierung allein gelassen. Alle seien damit überfordert. Darin waren sich die Ausschussmitglieder einig. „Dass die Digitalisierung so dermaßen aufploppt, ist für uns alle neu. Das hat keiner vor fünf oder zehn Jahren geahnt, dass das so kommen wird“, so Manfred Schönbohm (WIR). Die Schulleiter wüssten gar nicht, wie sie das Thema angehen sollten. „Es ist fünf vor zwölf. Wir haben die Ausstattung gesehen, das ist erschreckend. Ich erwarte, dass wir dringend Maßnahmen ergreifen, sonst ist die Oberstufe in Gefahr“, warnte René Krolow (CDU). Auch Ausschussvorsitzende Monika Poppe (SPD) betonte, dass die Schulen dringend Unterstützung bräuchten.

Soforthilfe-Programm für Reinfelder Schulen

Bei ihrer Sitzung nach der Begehung beschlossen die Stadtpolitiker ein Soforthilfe-Programm für alle drei Schulen in Reinfeld. Denn digitales Lernen findet momentan auch nicht an der Matthias-Claudius-Schule und der Erich-Kästner-Schule statt. Es sollen in den Haushalt 2019 Gelder für die Digitalisierung bereitgestellt werden. Angedacht sind 100 000 Euro. „Es wäre schön, wenn wir das trotz des angespannten Haushalts aus liquiden Mitteln hinbekommen“, so Krolow. Im November soll ein Workshop zum Thema Digitalisierung stattfinden. Zudem hat die Verwaltung der IKS unbürokratische Hilfe beim Leasen der Beamer in Aussicht gestellt.

Aufbruchstimmung an der IKS

„Ich bin jetzt wirklich froh, dass das Thema auf den Weg gebracht wird und dass das Bewusstsein entstanden ist, dass es nicht noch ein, zwei Jahre länger warten kann“, so die stellvertretende Schulleiterin Jennifer Behnke. Im Rahmen ihrer Haushaltsmittel für 2018 will die IKS mit Unterstützung von PC-Experten die vorhandene Technik zumindest so auf den Stand bringen, dass man damit wieder arbeiten kann. Zudem soll geprüft werden, welche technische Infrastruktur für die WLan-Ausleuchtung benötigt wird. Behnke: „Daraus wird ein Angebot erstellt. Danach soll zusätzliches Geld in den Haushalt eingestellt werden, damit zum nächsten Schuljahr das WLan auf jeden Fall installiert ist.“ Das sei die tollste Nachricht, die für Aufbruchstimmung im Kollegium sorge. Die Anschaffung von Tablets und Notebooks seien dann die nächsten Schritte.

Britta Matzen

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