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Diskussion um Fotoverbote im Freibad

Bad Oldesloe Diskussion um Fotoverbote im Freibad

Das Fotografieren in diesem sensiblen Bereich sorgt immer wieder für Ärger. Viele Bäder führen jetzt Verbote ein. Die Bäderland Hamburg GmbH testen sogar Kamerasiegel, die eigentlich als Schutz gegen Industriespionage genutzt werden.

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„Auf Personen im Hintergrund achten“, erinnert Ömer Dagkesen vom Freibad Poggensee, als Marian Götting Fotos von ihren Kinder macht.

Quelle: Fotos: Meyer

Bad Oldesloe. Schnell ein Foto schießen, wie die eigenen Kinder im Sand spielen, der Partner seine Runden schwimmt oder die Freunde in der Sonne liegen – diese Zeiten sind in vielen Freibädern vorbei. Mit der zunehmenden Zahl von Smartphones wächst auch der Missbrauch. Heimlich werden Badegäste fotografiert, halbnackt. Manchmal passiert es auch nur aus Versehen. Dann räkelt sich auf den eigenen Erinnerungsbildern ein fremder Badegast im Hintergrund. Gelangen diese Fotos ins Internet, kann das richtig unangenehm werden. So starten viele Freibäder mit einem Fotoverbot in die aktuelle Saison. Die Bäderland Hamburg GmbH testen sogar Kamerasiegel, die eigentlich als Schutz gegen Industriespionage genutzt werden.

LN-Bild

Das Fotografieren in diesem sensiblen Bereich sorgt immer wieder für Ärger. Viele Bäder führen jetzt Verbote ein.

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„Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer hoch ist“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg. Dabei sei gerade das Fotografieren in einem Freibad prekär. „Es geht dort um die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs – die Menschen haben da schließlich kaum etwas an“, sagt Meier. Wer in so einem Bereich Bildaufnahmen von Fremden erstellt, kann gegen den Paragraphen 201 a des Strafgesetzbuches verstoßen und muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Im Freibad Poggensee in Bad Oldesloe wurde ein Fotoverbot gerade erst in die neue Haus- und Badeordnung aufgenommen. Das Fotografieren und auch Filmen fremder Personen ist ausdrücklich verboten – Verwandte und Freunde sind in Ordnung. „Das Thema ist durch die wachsende Zahl von Smartphones aufgekommen“, sagt Jürgen Fahl, Werkleiter der Stadtwerke Bad Oldesloe. „Ein generelles Fotoverbot halte ich aber für übertrieben.“ Bislang sei am Poggensee auch kein großes Problem bekannt. Das bestätigt auch Ömer Dagkesen vom Freibad Poggensee: „Ich arbeite hier seit 2005 als Rettungsschwimmer und seitdem gab es diesen Fall nur sehr selten.“

In Reinfeld gibt es kein Fotoverbot und es sei auch keines geplant. „Ich wüsste auch nicht, wie wir das personell umsetzen könnten“, sagt Mathias Müller, Rettungsschwimmer am Herrenteich. Nach seinen Erfahrungen gibt es keine Beschwerden von Badegästen, die sich belästigt fühlten, weil sie von Fremden fotografiert werden.

Im Freibad in Trittau gibt es dagegen ein generelles Fotoverbot. „Wenn es Beschwerden gibt, lassen wir uns das Handy zeigen. Wenn die Beschuldigten nicht kooperieren, rufen wir die Polizei“, sagt Sabine Jonas, Leiterin vom Fachdienst Kinder, Jugend und Kultur. Aktuell gab es zwei Fälle, in denen ein Verdacht bestand. „Es zeigte sich, dass die nur im Internet gesurft haben“, sagt Jonas. „Es ist aus der Ferne nicht zu unterscheiden, ob jemand surft oder fotografiert.“

Genau das Problem kennt auch Hans- Jörg Ottinger. Er ist Schwimmmeister im Bargteheider Freibad. Dort gibt es das Fotoverbot schon seit Jahren. Mit den sozialen Netzwerken sei es schwieriger geworden: Vor 20 Jahren landeten Fotos im Album, heute im Internet. „Wir sprechen Badegäste an, wenn sie Fotos machen. Gerade Mütter reagieren darauf oft verständnislos – sind doch die eigenen Kinder“, sagt Ottinger. „Mein Job ist es aber aufs Becken zu achten – nicht zu gucken, wer zu wem gehört.“

Die Bäderland Hamburg GmbH, Europas zweitgrößtes Schwimmbadunternehmen, will auf die Probleme aufmerksam machen: mit Kamerasiegeln. Die wurden eigentlich gegen Industriespionage entwickelt. „Die Siegel werden über die Handylinse geklebt. Sie haben eine Soll-Bruchstelle und werden somit beim Ablösen beschädigt“, erklärt Holger Ditzel, Geschäftsführer von Lens Seal Spionageschutzsiegel. Liege ein Verdacht vor, könne er so leichter kontrolliert werden. Außerdem sei damit für Badegäste sichtbar, ob eine Kamera überhaupt benutzt werden könnte.

„Wir testen die Siegel ab der kommenden Woche“, sagt Michael Dietel, Sprecher der Bäderland Hamburg GmbH. Ein Fotoverbot gebe es bereits seit dem vergangenen Jahr. „Es kommt immer mal wieder vor, dass wir Badegäste darauf hinweisen müssen.“ Die Siegel sollen auf freiwilliger Basis genutzt werden. „Nach dem Motto: Mein Handy ist abgeklebt, so komme ich erst gar nicht in Verdacht“, erklärt Dietel. Denn kontrollierbar sei das Verbot auch durch die Siegel seiner Meinung nach nicht.

Differenziert sieht Barbara Körffer, stellvertretende Landesdatenschutzbeauftragte, das Thema. Einerseits gebe es zahlreiche schutzwürdige Interessen für ein Verbot, gerade in sensiblen Bereichen.

„Aber es schränkt auch die Handlungsfreiheit ein.“ Sie plädiert generell für einen bedachteren Umgang mit Fotos. Körffer: „Was einmal im Internet ist, lässt sich nicht mehr rückstandslos entfernen.“

Rauchverbot am Poggensee

In der Haus- und Badeordnung wurde noch eine neue Verhaltensregel verankert: „Rauchen ist ausschließlich in den dafür ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Dies gilt auch für elektrische Zigaretten.

Die Liegewiese ist von Zigarettenresten freizuhalten.“ Das ärgert Harald Göttsch, obwohl er Nichtraucher ist. „Raucher dürfen jetzt nur da rauchen, wo unter den Bäumen häufig die Familien im Schatten liegen“, sagt er. „Es hat doch immer alles geklappt, wenn ein Raucher gestört hat, wurde er eben gebeten, ein Stück wegzurücken. Wir sind doch unter freiem Himmel.“ Viele Besucher seien verärgert.

„Der Wunsch nach einem Rauchverbot wurde im Hauptausschuss aus der Politik an uns herangetragen“, sagt Jürgen Fahl, Werksleiter der Stadtwerken Bad Oldesloe. „Wir haben uns schon für bestimmte Bereiche entschieden und nicht für ein generelles.“ Es gäbe genug andere Möglichkeiten im Schatten zu liegen. „Das dient zum Schutz der Nichtraucher und Kinder“, sagt Fahl. „Wir werden diese Saison mal abwarten.“

 Kim Meyer und Michael Thormählen

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