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Stormarn Anwohner: „Sportler sind mal laut. Na und?“
Lokales Stormarn Anwohner: „Sportler sind mal laut. Na und?“
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15:48 12.09.2018
Sie wohnen direkt am Reinfelder Sportplatz und stören sich nicht am Spielbetrieb: Angelika und Holger Keßner (v.l.) Detlef Wienk, Eva-Maria Wienk und Manfred Jonialis. Quelle: Britta Matzen
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Reinfeld

Logenplatz, erste Reihe. Wenn der SV Preußen Reinfeld spielt, haben die Familien Keßner, Wienk und Jonialis die besten Plätze. Sie wohnen in direkter Nachbarschaft zum B-Platz, Rasen an Rasen sozusagen. „Ich wohne in der Jahnstraße, seitdem die Häuser gebaut sind - seit 1963“, sagt Manfred Jonialis. Wienks zogen 1981 in die Jahnstraße, Keßners 1983. Mit Fußball haben die Anwohner nicht viel am Hut, außer dass die Enkel kicken. Aber dass sich jetzt Nachbarn über den Lärm vom Sportplatz beschweren, können die Familien, die direkt am Zaun wohnen, gar nicht verstehen. „Uns stören die Fußballspieler überhaupt nicht. Einige Monate im Jahr ist Ruhe“, sagt Eva-Maria Wienk. In den Sommermonaten sei kein Spielbetrieb, in schlechten Wintermonaten sei auch Pause. Um diese Jahreszeit werde der Platz wegen der Flutlichtanlage zwar öfters bespielt. Aber lautstärkenmäßig sei alles im Rahmen. „Sonntag war ein Spiel von viertel nach eins bis drei. Dann haben die sich noch 20 Minuten amüsiert und gefeiert, was normal ist, danach war Ruhe den ganzen Nachmittag, abends sowieso“, hat Eva-Maria Wiek beobachtet und dabei auf die Uhr geschaut.

Torschusstraining ist vorbei

„Man darf ja auch nicht vergessen, der Verein hat auf unser Betreiben hin einige Veränderungen vorgenommen“, führt Holger Keßner an. So seien die Leichtmetallbanden gegen Plane ausgetauscht worden. „Die Zuschauer hatten die Unsitte, auf Blechschildern zu trommeln. Das ist ein Wahnsinnslärm gewesen. Da habe ich Adelbert Fritz angeschrieben und ihn gebeten, die Blechschilder gegen Planenwerbung auszutauschen.“ „Das Torschusstraining ist auch vorbei“, ergänzt Manfred Jonialis. Das habe immer ordentlich gegen den Zaun geknallt. „Lärmbelästigungen, die nicht unbedingt sein müssen, wurden im Laufe der Jahre abgestellt“, so die unmittelbaren Anwohner. Heutzutage seien es die Fangesänge, die etwas auffälliger als früher seien. „Aber das gehört beim Sport einfach dazu. Ich fühle mich davon nicht gestört“, betont Manfred Jonialis.

Anwohner lehnen Schallschutzwand ab

„Wir haben keine Straße, keine Industrie, wir schauen von unseren Reihenhäusern direkt ins Grüne. Wir fühlen uns wohl hier“, so Eva-Maria Wienk. Eine Schallschutzwand ist im Zuge der Sportplatzsanierung im Gespräch, um die Anwohner der Jahnstraße vor dem Geräuschpegel zu schützen. Doch das lehnen die direkten Nachbarn des Sportplatzes ab. „Wer guckt schon gerne gegen eine drei Meter hohe Wand?“, so die Wienks. Zudem stünde die Investition in keinem Verhältnis zu den Spielzeiten. „Was ist das für ein Aufwand? Die meiste Zeit ist es doch ruhig.“

„Neubaugebiet wäre eine Katastrophe“

Ein Neubaugebiet am Standort Sportplatz wurde in der Vergangenheit schon öfters diskutiert: „Für uns wäre das eine Katastrophe. Der Lärmpegel wird wesentlich größer sein als der vom Sportplatz. Und dann ist der Lärm auch ständig da“, befürchtet Manfred Jonialis. „Vor allem, wenn viergeschossig gebaut werden soll“, fügt Detlef Wienk hinzu. „Eigentlich dürfte darüber in der Stadt auch nicht mehr diskutiert werden“, findet Angelika Keßner. Vor zwei Jahren hätten die Stadtverordneten einen Beschluss gefasst, nach dem der Sportplatz am jetzigen Standort verbleiben und saniert werden solle. Dass der Vorstoß für ein Neubaugebiet immer wieder vonseiten der CDU komme, habe auch ein „gewisses Geschmäckle“, so Holger Keßner. „Man muss sich doch fragen, wem nützt das, wenn der Sportplatz verlegt wird.“ Es sei nämlich so, dass das Grundstück am Lehmkamp, das als Ausgleichsfläche für den Sportplatz vorgesehen sei, einem CDU-Mitglied gehöre. „Ich will nichts unterstellen. Aber ich vermute, er möchte es gerne loswerden“, so Keßner. Als Bauland komme das Stück Land nicht in Frage, weiß Keßner. „Bleibt nur Ackerfläche oder Sportplatz.“

„Sportlärm gehört zum Leben dazu“

Der SV Preußen ist bemüht, den Lärm weitestgehend einzudämmen. „Wir haben den Trainingsbetrieb so weit wie möglich vom B-Platz weggenommen. Ballspiele erfolgen auch nicht mehr auf den Zaun. Aber wenn knapp 600 Fußballer auf der Anlage rumlaufen, wird man nie absolute Ruhe herkriegen“, so Vorsitzender Adelbert Fritz. Sportlärm sei auch etwas anderes als Straßenlärm. „Aus unserer Sicht gehört das mit zum normalen Leben dazu. Nicht umsonst hat auch die Bundesregierung die Sportlärmverordnung geändert und die Lärmwerte angehoben.“

Dafür, dass die CDU das Thema Wohnbebauung immer wieder aufs Tapet bringt, obwohl sie den Beschluss der Stadtverordneten mitgetragen habe, fehlt auch Fritz das Verständnis. „Es war ein einstimmiger Beschluss, den Sportplatz hier zu belassen und entsprechend die Sanierung vorzunehmen. Wir verstehen nicht, warum die CDU nach wie vor im Hintergrund mit diesem Thema arbeitet. Sie bringt damit eine gewaltige Unruhe in den Verein. Das ist schädlich für uns als Verein und nach außen hin.“

CDU hat Investor für neuen Sportplatz

Warum thematisiert die CDU in ihrer Stadtentwicklungsvision einen alternativen Standort? „„Wir stehen natürlich zu dem Beschluss. Aber wir denken auch parallel, da die Stadt wegen der Eröffnungsbilanz-Situation kein Geld aufnehmen kann“, so CDU-Vorsitzender Torsten Fuhr. Wenn er sehe, wie langsam es mit den Abschlüssen vorangehe, könne es noch sehr lange dauern, bis der Kreis die Freistellung für die Sportplatzsanierung erteile. Zumal weitere große und wichtige Investitionen auf der Agenda stünden. Fuhr: „Wir wollen doch eine schnelle Lösung für die Sportler. Also haben wir bei Investoren für einen neuen Sportplatz vorgefühlt. Es besteht Interesse. So könnte das Ganze viel schneller und geschmeidiger auf den Weg gebracht werden. Auf dem alten Platz kann weiter gespielt werden, während der Investor die neue Sportanlage baut. Man muss auch kein öffentliches Geld in die Hand nehmen.“ Der D-Platz bei der Schule bleibe in jedem Fall. „In dem anderen Bereich könnte man innenstadtnahe Wohnungen bauen“, erläutert Fuhr die Idee der CDU. „Das wäre einfach eine praktische Geschichte.“ Dass manche jetzt vermuten, dass ein CDU-Mitglied Vorteile aus dieser Lösung ziehen könne, weil ihm das Grundstück am Lehmkamp gehöre, macht Torsten Fuhr wütend. „Da kann ich richtig ärgerlich werden, wenn uns so etwas unterstellt wird. Es in die Ecke zu schieben, dass jemand begünstigt werden soll, ist schon bösartig. Wir sind einfach nur bemüht, sachgerechte Lösungen zu finden.“

Britta Matzen

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