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Stormarn Dogument: Therapie von Hund und Mensch kennt keine Grenze
Lokales Stormarn Dogument: Therapie von Hund und Mensch kennt keine Grenze
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00:08 11.02.2018
Nadin Matthews mit ihren eigenen Hunden: Sport- und Schlittenhund „Pace“, Owtscharka „Faust“ und Hirtenhündin „Piaf“ (v.l.). Quelle: Foto: Von Dahlen
Bad Oldesloe

Schon mal Tango getanzt mit dem Hund? Was zunächst absurd klingt, bei Dogument bildet diese sportlich-kreative Leistung die abschließende Kür eines Basiskurses. Für das Mensch-Hunde-Gespann ist sie zugleich Prüfstein, wie gut die beiderseitige Verständigung schon klappt. Bevor sie das Tänzchen wagen, erhalten die Teilnehmer Einblicke in die Psychologie des Tieres, erfahren etwa wie Körpersprache oder Gesichtsausdruck zu deuten sind und was den Lernprozess begünstigt.

Das kleine Seefeld im Schatten von Bad Oldesloe ist zum Mekka der deutschen Hundeszene geworden. Dogument heißt die Schule, in der Nadin Matthews und ihr Team Profis und ambitionierte Amateure ausbilden, aber auch Problemfälle therapieren – und das auf ungewöhnliche Weise.

„Ich bin ein sehr unkonventioneller Typ und habe das Glück, damit erfolgreich zu sein“, sagt Nadin Matthews, selbst eine begnadete Tänzerin. Ursprünglich absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und studierte Sozialpädagogik. Doch letztlich übte die Beschäftigung mit Hunden eine stärkere Faszination aus. Wissbegier und der Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, ließen sie weiter forschen und zur Expertin auf dem Gebiet der Hundeausbildung werden. Seit 18 Jahren ist sie in der Branche tätig, hat unter anderem Polizeihunde in Eutin ausgebildet und Lizenzen für Jagdleistungs- und Gespannprüfungen in der Tasche. Heutzutage ist sie Ideenquelle und Motor des abwechslungsreichen Bildungsangebots von Dogument, das sich deutlich von der klassischen Benimmschule für Vierbeiner abhebt. Bei aller Routine liegt der 42-Jährigen viel daran, dass Spaß und vor allem Experimentierfreude beim Hundetraining nicht zu kurz kommen.

Zugleich legt Matthews großen Wert darauf, dass verbriefte Fachkenntnisse in die Trainingsarbeit einfließen. „Ich habe ein wahnsinnig tolles Team am Start. Die Crême de la Crême in ihren Fachgebieten aus ganz Deutschland“, erzählt sie. Und so gehören dem 20-köpfigen Dozentenstab von Dogument nicht nur Tierärzte, Pädagogen und Therapeuten, sondern auch ein Neurowissenschaftler an.

Vom Dog-Walker zum Tough-Hunter

Einen Namen hat sich die Schule gemacht, da sie Spezialwissen für verschiedene Zielgruppen parat hält. Der Dog-Walker vom professionellen Gassi-Dienst, der zwanzig Hunde zugleich an der Sammelleine managen muss, bekommt in Seefeld ebenso sein Rüstzeug wie Halter von Support-Dogs, die zur Behandlung von Menschen mit Angststörungen oder Traumata hinzugezogen werden. Zudem bildet Nadin Matthews Mensch und Hund für Tough-Hunter aus, einem Hindernisparcours, der für beide gleichermaßen eine körperliche und mentale Herausforderung darstellt.

Nicht nur sportlich geht die Hundeexpertin an ihre Grenzen. Sie schreckt selbst vor der Behandlung äußerst aggressiver Hunde nicht zurück. Die Schutzwesten im Seminarraum sprechen Bände. „Manche Hunde schaffen es, noch durch den Maulkorb zu beißen und das tut verdammt weh“, sagt Matthews und versichert, dass eine Therapie gefährlicher Hunde ohne direkte Konfrontation nicht möglich sei. „Die Aggression muss stattfinden dürfen, nur so kann dieser Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden und eine Heilung einsetzen“, sagt sie.

Und die couragierte Frau geht noch einen Schritt weiter. Was auf Hunde zutrifft, muss auch für Menschen mit hohem Aggressionspotential gelten. Das hat sie dazu bewogen, einen völlig neuen Therapieansatz zu entwickeln, bei dem sich zähnefletschend knurrende Hunde und Straftäter mit hohen Gewaltpotential direkt gegenüberstehen.

Und das Kinopublikum wird in absehbarer Zeit sogar Zeuge solch spannungsgeladener Momente. Nadin Matthews ist nämlich unter die Drehbuchautoren gegangen und steht auch selbst als Hauptakteurin in dem halb fiktiv halb dokumentarischen Film mit dem Titel „Die Rüden“ unter der Regie von Connie Walther vor der Kamera. Erzählt wird die Geschichte von jungen Strafgefangenen, die im gesicherten Raum einer Haftanstalt unter Anleitung einer Therapeutin mit Hunden arbeiten, die Menschen attackieren. „Gedreht wird in einer speziell dafür gebauten Arena, die mit einem Eisentor verschlossen ist“, erzählt Matthews. Wie sie berichtet, stehen keine Schauspieler, sondern in der Tat Straftäter mit Hang zur Gewalt vor der Kamera. Ähnlich verhält es sich mit den Hunden. Sie sind wirklich hochgradig aggressiv. „Es gibt gefährliche, impulsive Ausraster. Aber wenn man den endlosen Kreislauf durchbrechen will, muss das sein“, sagt Matthews. Nur so bekämen auch gefährliche Straftäter die Chance, ihre Gewaltkarriere hinter sich zu lassen.

Sogar Stoff für Kinofilm

Regie beim Kinofilm „Die Rüden“ führt die zweifache Grimme-Preisträgerin Connie Walther. Die Co-Produktion von SWR und Arte wird von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Würtemberg gefördert. Der Filmstart steht noch nicht fest.

Abgesehen von der erdachten Rahmenhandlung werden authentische Szenen gezeigt. Junge Männer mit Gewalt-Biografie und gefährliche Hunde therapieren sich gegenseitig.

 Dorothea von Dahlen

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