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Stormarn Drohende Insolvenz: Um das Grönwohlder Bier gärt es
Lokales Stormarn Drohende Insolvenz: Um das Grönwohlder Bier gärt es
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10:43 08.03.2018
Torsten Schumacher braut das Grönwohlder Bier in seiner Hausbrauerei in Grönwohld selber. Quelle: Fotos: B. Albrod
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Grönwohld

„Ein Grönwohlder bitte“ – diese Bestellung in Gaststätten, auf Stadtfesten, im Einzelhandel oder bei „Wacken-open-Air“ wird bald der Vergangenheit angehören. Denn die Gröhnwohlder Vertriebs- und Event GmbH in Ahrensburg hat im Februar Insolvenz angemeldet. Das bestätigt Gerhard Pfeiffer, der gemeinsam mit Torsten Last im Dezember 2017 die Geschäftsführung von Sascha Hauck übernommen hatte.

 

Das Grönwohlder Bier ist über Stormarn hinaus beliebt.

Tag der offenen Tür

Am Sonntag, 24. März, ist in der Grönwohlder Hausbrauerei Tag der offenen Tür. Von 10 bis 18 Uhr kann sie besichtigt werden, dazu gibt es Schwein aus dem Lehmbackofen.

Damit wird das beliebte Bier bald aus Ausschank und Supermärkten verschwinden, wenn sich nicht noch ein Kapitalgeber findet.

Nicht betroffen ist dagegen die Grönwohlder Hausbrauerei von Torsten Schumacher in Grönwohld. Denn hinter dem Etikett „Grönwohlder“ auf der Bierflasche verbergen sich zwei unterschiedliche Firmen:

Während das Bier aus der Hausbrauerei das Original ist und weiter in Grönwohld gebraut wird, stammt das „Grönwohlder“ in Supermärkten aus der Klosterbrauerei im hessischen Eschwege. „Brauerei und Vertrieb sind zwei Paar Schuhe“, erklärt Schumacher, der seine Brauerei 2009 gegründet hat. „Weil sie sehr schnell gewachsen ist, habe ich 2012 die Grönwohlder Hausbrauerei GmbH für den Vertrieb gegründet.“ Um sich auf seine eigene Brauerei konzentrieren zu können, gab Schumacher die GmbH, die sich jetzt Grönwohlder Vertriebs- und Event GmbH nennt, 2015 an Geschäftsführer Sascha Hauck ab.

„Die GmbH sollte den Handel bedienen und sich um Stadtfeste und die Auslandsgeschäfte kümmern. Vertrieben wurde dort ein Grönwohlder Bier, das nach unseren Vorgaben in Eschwege gebraut wurde“, so Schumacher. „Die Marke Grönwohlder gehört meiner Frau.“ Schumacher blieb mit 25 Prozent Anteilen größter Gesellschafter.

Bier-Aktionäre betroffen

Betroffen sind nun rund 250 Aktionäre, die sich über „Bieraktien“ genannte Anteilscheine, die seit 2012 zu je 1000 Euro ausgegeben wurden, an der Vertriebsgesellschaft beteiligt haben. Denn ihre Aktien, die mit 7,5 Prozent verzinst wurden – ausgezahlt in Naturalien – können nun nicht mehr eingelöst werden. Bislang gab es als Dividende Einkaufsgutscheine für die Grönwohlder Brauerei. „Die Bieraktie war ein Vertrag zwischen dem Kunden und der GmbH“, betont Schumacher. „Ich habe immer darauf hingewiesen, dass das Geld weg ist, wenn die Vertriebs-GmbH mal weg sein sollte.“ Im Vertrag steht, dass der Aktionär einen Vertrag mit der Grönwohlder Vertriebs und Event GmbH schließt, nicht mit Torsten Schumacher.

„Aber ich bin das Gesicht zur Marke“, sagt er, „deshalb machen die Leute mich verantwortlich.“ Dabei sei er selber von der Insolvenz betroffen. „Ich bin der größte Gesellschafter. Meine Familie verliert dadurch einen Betrag in sechsstelliger Höhe.“ Von der Schieflage der Vertriebs GmbH habe er erst zu spät etwas gemerkt. „Es war mein Fehler, nicht genauer zu kontrollieren“, sagt er heute.

Im Dezember habe er noch eine Gesellschafterversammlung einberufen, zwei neue Geschäftsführer hätten den Betrieb retten sollen, aber da sei es zu spät gewesen.

Damit die Aktionäre nicht völlig leer ausgehen, bietet Schumacher an, die Aktien auf seine Brauerei zu übertragen. „Die Leute kriegen zwar kein Geld, aber lebenslang 20 Prozent auf mein Bier.“ Mit der Goodwill-Aktion wolle er die Kunden bei der Marke Grönwohlder halten. Daneben hat Schumacher vor kurzem die neue Vertriebs-Firma Toshi´s GmbH gegründet. „Das hat mit der bisherigen Vertriebs GmbH aber nichts zu tun“, betont er. „Hier geht es um eine völlig neue Idee.“

Das sehen die Gesellschafter der Gröhnwohlder Vertriebs und Event GmbH anders. Ein Teil von ihnen macht Schumacher für die Insolvenz mitverantwortlich und wirft ihm vor, mit Toshi’s eine Konkurrenz-Firma gegründet zu haben, um sein Bier unabhängig von der Vertriebsgesellschaft vertreiben zu können. „Torsten Schumacher war bis 2017 Prokurist der GmbH“, erklärt Gesellschafter Joachim Falk. „Er und sein Sohn haben 37 Prozent Anteile, er hätte wissen müssen, dass eine Schieflage besteht.“ Die Kontrollmechanismen hätten gefehlt, so dass jetzt rund eine Million Euro Gesellschaftskapital verloren sei. Von der Insolvenz seien drei Mitarbeiter betroffen. „Die Hoffnung auf Rettung ist äußerst gering“, bedauert Falk – eigentlich sei die Marke „Grönwohlder“ sehr positiv besetzt, auch gebe es sicher Möglichkeiten, die GmbH zu sanieren. „Aber die Markenrechte für das „Grönwohlder“ liegen bei Frau Schumacher, nicht bei der GmbH“, sagt Falk.

 Bettina Albrod

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