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Durch Babyboom in der Bredouille

Meddewade Durch Babyboom in der Bredouille

In Meddewade fehlen 26 Kita-Plätze und vielleicht sogar mehr – Gemeinde besorgt über hohe Betriebskosten.

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Der Platz in der Meddewader Kita ist begrenzt. Das bringt die Gemeinde genauso wie die neu hinzugezogenen Eltern in arge Bedrängnis.

Quelle: Fotos: Dorothea von Dahlen

Meddewade. Als hätte auch er seine Meinung äußern wollen, begann der kleine Lasse ausgerechnet beim kritischsten aller Tagesordnungspunkte zu wimmern. Immerhin ging es um Kita- und Krippenplätze. Vater Leif Brünsluw hatte ihn im Tragetuch zur Meddewader Gemeindevertretersitzung mitgenommen, weil dort über die Raumnot im Kindergarten diskutiert werden sollte. Indem er ihm sanft über den Rücken strich, beruhigte sich sein drei Monate alter Sohn wieder.

LN-Bild

In Meddewade fehlen 26 Kita-Plätze und vielleicht sogar mehr – Gemeinde besorgt über hohe Betriebskosten.

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Rohre verstopft

60 Meter Regenwasserkanal in Meddewade sind von Wurzeln verstopft und müssen wieder durchgängig gemacht werden. Wie Bürgermeisterin Marleen Wulf schilderte, sind die Leitungen so zugewuchert, dass bei einer Spülung die Fräse steckenblieb. Damit die Keller in der regenreichen Zeit nicht volllaufen, wird das Kanalnetz für 16 000 Euro instandgesetzt. dvd

Nicht so die Lokalpolitiker. Die desolate Situation löste bei allen große Betroffenheit aus. Denn schon jetzt ist klar, dass die Kapazität des erst vor kurzem erweiterten Kindergartens nicht ausreicht, um alle Neugeborenen betreuen zu können. „26 Kinder stehen auf der Warteliste. 41 Kinder vom Babyalter bis zu sechs Jahre sind angemeldet worden – so viele wie nie zuvor“, sagte Bürgermeisterin Marleen Wulf (Wählergemeinschaft Team). Und ob es bei diesen Zahlen bleibe, sei noch ungewiss, da einige Familien jetzt erst herzögen.

Marleen Wulf rief in Erinnerung, wie gut alles begonnen hatte, als die alte Brotfabrik abgerissen wurde und die Gemeinde dort ein neues Wohngebiet erschließen konnte. „Wir haben uns gefreut, dass viele Familien mit Kindern kommen und Leben ins Dorf bringen“, sagte sie. Durch den zwischenzeitlich eingeführten Rechtsanspruch auf Krippenplätze sei der Bedarf aber so gestiegen, dass die Gemeinde nicht mehr hinterherkomme. Sie habe schon Plätze in Rethwisch hinzugekauft, weitere Kinder seien in Reinfeld und Bad Oldesloe untergebracht. All das reiche nicht. Ausweichmöglichkeiten gebe es kaum. In einem Radius von zehn Kilometern seien alle Kindergärten voll belegt, auch in Steinburg.

Auf einer interfraktionellen Sitzung sei schon überlegt worden, ob es besser sei, die Kita um ein Stockwerk zu erweitern, Container aufzustellen oder neu zu bauen, fuhr Marleen Wulf fort. Mit einem Architekten sei sie schon durchs Dorf gefahren, um Grundstücke zu suchen. „Aber selbst wenn wir es schafften, günstig zu bauen: Die Folgekosten bringen uns um“, klagte die Bürgermeisterin. Einen zweizügigen Kindergarten zu betreiben, koste 100 000 Euro, hinzu kämen weitere 40 000 Euro für Kinder, die auswärts betreut würden. Und wenn sich die Gemeinde weiter verschulde, werde der Haushalt nicht mehr genehmigt.

Marlies Mülder (Team) wies zudem darauf hin, dass die Zuschüsse pro Platz, Kind und Betreuungsstunde gekürzt wurden, so dass die Gemeinde 7000 Euro zurückzahlen musste. „Hinzu kommt, je mehr Kinder unter drei Jahren betreut werden, desto teurer wird es wegen des höheren Personalschlüssels. Auf jedes Krippenkind entfallen zwei Kindergartenplätze“, sagte sie.

Einige Eltern regten an, ob es nicht möglich sei, Tagesmütter für die Betreuung zu gewinnen und ihnen ein Haus zur Verfügung zu stellen. Andere schlugen vor, einen Waldkindergarten zu gründen, so dass die Baukosten für ein neues Haus entfielen. Dem hielt Marleen Wulf entgegen, dass es selbst dafür strenge Auflagen gebe. „Da gibt es Vorschriften, wie groß die Bäume sein dürfen“, merkte sie an.

„Es ist traurig und nicht zu verstehen, dass man Lokalpolitiker, die ehrenhalber ihren Dienst tun, so im Regen stehen lässt“, entrüstete sich auch Vizebürgermeister Hansjürgen Boller (Wählergemeinschaft WGM). Er und Marleen Wulf wollen das Problem der Betreuungskosten beim Gemeindetag des Stormarner Kreisverbands am Montag in Badendorf aufs Tapet bringen, auf dass die finanzielle Misere vieler Kommunen auf übergeordneter Ebene bis nach Kiel hin wahrgenommen werden. Am 18. Oktober hat zudem Landrat Dr. Henning Görtz die Meddewader zu einem Gespräch über die Kosten der Kinderbetreuung eingeladen, nachdem Marleen Wulf ihn darauf bei seinem Besuch auf der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses angesprochen hatte.

Ratlos blieb auch Leif Brünsluw mit Sohn Lasse zurück. „Meine Frau und ich, wir sind beide berufstätig und arbeiten in Hamburg. Jetzt müssen wir uns etwas einfallen lassen“, sagte er.

Dorothea von Dahlen

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