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Stormarn E-Highway: Strecke wird kürzer
Lokales Stormarn E-Highway: Strecke wird kürzer
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23:06 24.03.2018
So ähnlich wie hier auf einer Teststrecke in Brandenburg wird es im kommenden Jahr auf der A 1 zwischen Reinfeld und Lübeck aussehen.
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Reinfeld

Was ist der E-Highway?

Auf der A 1 soll mit Fördermitteln des Bundes eine Teststrecke für elektrisch angetriebene schwere Nutzfahrzeuge entstehen. Zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck werden dazu Oberleitungen errichtet und in Betrieb genommen. Bundesweit gibt es noch zwei weitere Pilotprojekte dieser Art. Auf der A 5 zwischen Frankfurt und Darmstadt haben bereits die Bauarbeiten für den geplanten E-Highway begonnen. Er verläuft auf fünf Kilometern zwischen dem Flughafen Frankfurt mit einem Güterverteilzentrum in Darmstadt. Außerdem soll eine Bundesstraße in Baden-Württemberg mit Oberleitungen ausgerüstet werden.

Aus zunächst 13 Kilometern sind jetzt acht geworden. Außerdem wird der E-Highway auf der Autobahn 1 zwischen Reinfeld und Lübeck nun auch erst wohl im Sommer 2019 in Betrieb gehen. Bis zu fünf Lkw der Firma Bode werden dann unter Strom zum Hafen pendeln.

Lärmschutz 2020

Für Hamberge gebe es durch die spätere Fertigstellung des E-High- way keine Änderungen, verspricht Ministeriumssprecher Harald Haase. Das heißt, der etwa 1,5 Kilometer lange Lärmschutzwall an der A 1 soll Mitte 2020 kommen. Bauzeit: etwa ein Jahr. Versprochen war der bessere Lärmschutz bereits vor 30 Jahren.

Wann geht’s los?

Die Ausschreibung für den Bau des Oberleitungssystems mit einer Gesamtlänge von ursprünglich bis zu 13 Kilometern (6,5 Kilometer in jeder Fahrtrichtung) wurde im Sommer 2017 begonnen. Den Zuschlag erhielt jetzt ein Baukonsortium unter der Leitung von Siemens. Der geplante Baubeginn war für Frühjahr 2018 vorgesehen, und die Teststrecke sollte ursprünglich Ende 2018 in Betrieb genommen werden.

Jetzt ist von Mitte 2019 die Rede, vielleicht erfolgt sogar erst im Herbst 2019 der Startschuss.

Gibt es Verkehrsbehinderungen? Die Bauarbeiten finden hauptsächlich von der Standspur aus statt, so dass nur geringe Einschränkungen zu erwarten sind. Da die A 1 an der Stelle der geplanten Teststrecke in jeder Fahrtrichtung dreispurig verläuft, sollte auch die kurzzeitige Sperrung des rechten Fahrstreifens für die Installation der Fahrdrähte nur zu geringfügigen Behinderungen des Verkehrs führen, heißt es vom federführenden Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel.

Ist die Oberleitung fertiggestellt und der Betrieb des E-Highways gestartet, kann der Straßenverkehr normal weitergehen. Auch Pkw und Lkw, die nicht mit dem Strom aus der Oberleitung fahren, können dann den rechten Fahrstreifen wieder wie gewohnt nutzen.

Woher kommt der Strom?

Der Strom soll überwiegend aus Windkraftanlagen stammen und ist gratis. Mit seinem hohen Anteil an erneuerbaren Energien sei das Land dafür prädestiniert, so der Kieler Umweltminister Robert Habeck. Entlang der Teststrecke werden in Abständen von rund 60 Metern an den Fahrbahnrändern Pfeiler für die Oberleitung installiert. Diese Leitungen, die 600 Volt liefern sollen, werden in einer Höhe von rund fünf Metern angebracht. Die Lastwagen sind mit ihren Stromabnehmern auf den rechten Spuren unterwegs.

Wie teuer ist das Projekt?

Der Staatssekretär des Bundesumweltministerium überbrachte im Februar 2017 einen Förderbescheid über 14 Millionen Euro. Damals hieß es noch, dass sogar jeweils 6,5 Kilometer Oberleitungen auf beiden Fahrspuren installiert werden. Aus insgesamt 13 sind mittlerweile nur noch acht Kilometer geworden.

Warum wird die Strecke kürzer?

Zu mehr hat das Geld nicht gereicht, heiß es lapidar aus dem Kieler Verkehrsministerium. Entgegen der ursprünglichen Annahme sei der angebotene Preis höher. Ob es jeweils vier Kilometer werden auf beiden Seiten, ist noch unklar.

„Der Draht wird nicht symmetrisch verlaufen“, erklärt Ministeriumssprecher Harald Haase. „Auf einer Seite wird er etwas länger sein als auf der anderen. Aber wie genau, wo genau, wann genau steht alles noch nicht fest.“ Dazu werde sich bald das Konsortium äußern. Auf jeden Fall werden die Oberleitungen zwischen der A-1-Anschlussstelle Reinfeld und dem Kreuz Lübeck installiert.

Die Testreihe soll vier Jahre dauern, dabei erfolgt die ökonomische und ökologische Bewertung des Systems unter realen Verkehrsbedingungen. Anschließend ist eine Verlängerung des Projekts denkbar.

Welche Lkw werden genutzt?

Bis zu fünf Lkw der Firma Bode – sie ist der Projektpartner vor Ort – sollen mit Stromabnehmern ausgerüstet werden und dort elektrisch fahren – im Pendelverkehr zwischen dem Standort der Spedition Bode in Reinfeld und dem Lübecker Hafen. Vom Ende der elektrifizierten Strecke bis zum Ziel fahren die Transporter wieder mit dem Dieselmotor. „Da drückt man einfach auf einen Knopf“, sagt Geschäftsführer Kai Bode, der selbst schon solche Lkw auf einer Teststrecke gefahren ist.

Unter anderem bringt Bode Waren von Lidl mehrmals die Woche zum Hafen. Von dort aus geht es weiter nach Schweden oder Finnland. Zwischen 60 und 160 Fahrten könnten es laut Bode pro Woche werden. In einem zweiten Schritt könnten dann vollelektrische Lkw zum Einsatz kommen. Die laden dann an der Oberleitung ihre Batterien auf und können mit der Energie die Strecke ohne Stromzufuhr bewältigen.

Hersteller der Lkw ist die schwedische Firma Scania. Kaufen wird Bode die Fahrzeuge nicht, sondern mieten oder leasen.

Markus Carstens

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