Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn "Ehrenmord": Bruder gesteht tödliche Schüsse auf Arzu
Lokales Stormarn "Ehrenmord": Bruder gesteht tödliche Schüsse auf Arzu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:38 08.01.2013
Fünf Geschwister der entführten und ermordetenKurdin Arzu Ö. müssen sich vor dem Landgericht Detmold verantworten.Der Vorwurf gegen sie lautet Geiselnahme. Drei von ihnen wirft dieStaatsanwaltschaft zudem Mord vor. Quelle: dpa

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Detmold gab

der 22-jährige Osman Ö. am Montag zu, die Kontrolle verloren und

seine Schwester Arzu erschossen zu haben.

Ebenso wie die Schwester

Sirin (27) und der Bruder Kirer (25) gestand er auch die Entführung

der 18-Jährigen im November 2011. Als Tatmotiv gilt für die Anklage,

dass Arzus Familie deren Liebesbeziehung zu einem deutschen

Bäckergesellen aus religiösen Gründen nicht dulden wollte.

Arzu war im November plötzlich spurlos aus Detmold verschwunden.

Zehn Wochen lang suchte die Polizei nach ihr, im Januar wurde ihre

Leiche in Schleswig-Holstein entdeckt. Arzu wurde erschossen.

Eigentlich hätten sie ihrer jüngeren Schwester nur „den Kopf

waschen wollen“, um sie zur Vernunft zu bringen, sagte Sirin vor

Gericht. Doch dann sei alles anders gekommen. Bei einer Rast in einem

Waldstück bei Lübeck seien plötzlich zwei Schüsse gefallen,

schilderte Sirin. Sie sei zu Osman gelaufen und habe ihn geschüttelt.

Er habe etwas in der Hand gehalten, „auf dem Boden lag Arzu“.

Zuvor hatte Sirin berichtet, dass Arzu getrunken und Drogen

genommen und sich immer mehr von ihrer Familie entfernt habe. Dann

sei Arzu von der Familie verprügelt worden und kurz darauf

weggelaufen. Sirin sagte, sie habe ihre verstoßene Schwester mit

aller Macht in die Familie zurückholen wollen.

Wegen der Entführung Arzus sind noch zwei weitere Brüder

mitangeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem religiösen

Hintergrund der Tat aus. Jesiden dürfen nach strenger Auslegung nur

untereinander heiraten. In der Anklageschrift ist von „ehrbezogenen

Motiven“ die Rede. Derartige niedrige Beweggründe seien nach den in

Deutschland geltenden Maßstäben und den hier herrschenden sittlichen

und rechtlichen Auffassungen besonders verachtenswert.

Zunächst sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht in

Detmold hat 30 Zeugen geladen. Der Vater des Opfers ist nicht

darunter. Er gilt zwar als Beschuldigter, das Ermittlungsverfahren

gegen ihn wurde aber abgetrennt.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Menschenrechtsvereine gegen

sogenannte Ehrenmorde. Vertreter von Terre des Femmes und Peri

forderten gerechte Strafen. Es dürfe keinen „Kulturbonus“ für

Ehrenmorde geben.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Barsbüttel - Drei Personen wurden heute Vormittag bei einem Unfall auf der Autobahn 1 in Höhe Barsbüttel verletzt. Auf der Fahrt zum Unfallort verunglückten zudem ein Streifenwagen und ein Feuerwehrfahrzeug.

08.01.2013

Ratzbek – Werner Nagel und Heino Esse sind seit 1942 bei der Freiwilligen Feuerwehr ihrer Gemeinde.

08.01.2013

– Der Brand eines Mülleimers löste gestern Abend Feueralarm am Trittauer Gymnasium aus. Um 18.32 Uhr schlugen die Melder der Trittauer Feuerwehr Alarm. Das Gebäude war stark verqualmt, so Feuerwehrchef Clemens Tismer.

08.01.2013
Anzeige