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Stormarn Ein Abschied mit Wehmut
Lokales Stormarn Ein Abschied mit Wehmut
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21:22 02.07.2013
Von Kerstin Kuhlmann-Schultz
Brigitte Muche packt die Umzugskartons. Ab September lebt sie in Schneverdingen. Quelle: Foto: K. Kuhlmann-Schultz
Trittau

Wehmut gehört dazu, zu diesem Abschied aus Trittau: Brigitte Muche, seit 16 Jahren das Gesicht der Trittauer Tafel, verlässt die Gemeinde, zieht sich aus der Tafelarbeit zurück. Nach dem Tod ihres Mannes Herbert im September vergangenen Jahres rückt sie enger mit der Familie zusammen, zieht sie zu ihrem Sohn nach Schneverdingen.

„Meine Tochter Mareike wohnt in Berlin, mein Sohn Nils-Oliver in Schneverdingen“, erzählt die sechsfache Großmutter. Der kleinere Ort in der Heide hat den Zuschlag bekommen. „Berlin ist mir zu groß.“

Letztlich hätten nach dem Tod des Ehemannes, mit dem Muche 45 Jahre verheiratet war, „meine Kinder ein bisschen Druck gemacht. Sie haben gesagt: ,Verbleib in Deiner Depression oder verkauf Dein Haus‘“. Muche (66) verkaufte das Haus in der Königsstraße — „wir haben hier 30 Jahre lang gewohnt“ — und packt jetzt die Kisten.

„Ich kann gut allein sein, aber wenn mal was ist . . .“ Da würden immer die Freunde und Bekannten — unter anderem von der Trittauer Tafel — helfen, aber das ist eben doch etwas anderes als die eigene Familie. In Schneverdingen erwartet sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrem Sohn ein kleines Häuschen mit Garten. 450 Quadratmeter Grundstück, der jetzt ehemaligen Vorsitzenden der Trittauer Tafel reicht das voll aus, um „rumzupusseln“. Mit ihrem Herbert hat sie gemeinsam 800 Quadratmeter in Schuss gehalten.

Die Trittauer Tafel muss jetzt ohne ihren größten Motor auskommen. Der fünfköpfige Vorstand ist um eine Person dezimiert, weiter aktiv bleiben bis zur nächsten Jahreshauptversammlung im ersten Quartal 2014 die zweite Vorsitzende Ursula Assmann, Petra Kusebrink (Kasse), Jürgen Heuseler (Besitzer) und Walter Heidenreich (Beisitzer). „Es ist dann Sache des neuen Vorstandes, die Aufgabenverteilung so zu machen, dass nicht nur einer so stark belastet ist“, findet Brigitte Muche. Das werde sich schon finden, es seien alles „tüchtige Leute“.

16 Jahre war Brigitte Muche bei der Tafel aktiv. „Als ich anfing, da war das noch die Stormarner Tafel.“ Erst später machten sich die Trittauer mit einer eigenen Tafel selbstständig. Ihr Schlüsselerlebnis, selbst aktiv zu werden, waren die Obdachlosen, die bei Penny in der Tonne nach Lebensmitteln wühlten, die noch brauchbar waren. „Das hat mich damals wirklich erschüttert.“ Sie hörte von der Stormarner Tafel und krempelte dort die Ärmel mit hoch. Mit Unterstützung von Trittaus ehemaligem Bürgermeister Jochim Schoop machten die Trittauer sich im Jahre 2000 selbstständig, sammelten Lebensmittel und verteilten diese an die Bedürftigen. Damals noch in der großen Scheune gegenüber der Wassermühle — heute steht dort das Atelierhaus. Die Tafel selbst ist vor Jahren an ihren neuen Standort in der Großenseer Straße gezogen — und hofft, dass sie dort bleiben kann.

In Schneverdingen will Muche erst einmal zur Ruhe kommen. „Ich möchte mich einfach nicht mehr an ein Amt binden“, weiß die Seniorin ganz genau. „Ein bisschen selbstbestimmter leben.“ Wenngleich es auch in Schneverdingen eine Tafel gibt. „Ich kann mir vorstellen, dort als Helfer zu arbeiten, ohne Verantwortung.“

Gleichzeitig denkt sie über die Betreuung einer alten Dame nach und will ihrer Schwiegertochter gerne unter die Arme greifen. „Wenn sie wieder vormittags arbeiten gehen möchte, haben die Kinder bei mir mittags eine Anlaufstelle. Ich wohne dann ja nur zwei Grundstücke weiter.“ Darauf freut sich Brigitte Muche, deren Abschied von Trittau eben aber auch mit Wehmut verbunden ist.

Ansprechpartner der Trittauer Tafel
120 Kunden, darunter sehr viele Familien, kommen regelmäßig mittwochs — nur nach Absprache — und donnerstags zur Trittauer Tafel an der Großenseer Straße 12.

Ansprechpartner sind künftig nur noch: Ursula Assmann (041 54/68 83), Petra Lusebrink (041 04/51 61), Jürgen Heuseler (041 54/595 00 25) und Walter Heidenreich (04154/67 35).

Kerstin Kuhlmann-Schultz

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