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Ein Dorf mit großer Zukunft

Trenthorst Ein Dorf mit großer Zukunft

Tradition und Veränderung – Trenthorst ist ein Ort mit vielen Facetten.

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Lisa Baldinger mit ihren Hühnern. Ein Mobilstall sorgt dafür, dass sie draußen ständig frisch-saftiges Futter finden.

Quelle: Fotos: von Dahlen

Trenthorst. Kaum ein Dorf im Stormarnschen ist so stark geprägt von der Vergangenheit. Wer über welliges Kopfsteinpflaster in Trenthorst einfährt, fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt. Das hübsche Torhaus mit der sauber gegliederten Fachwerkfassade ist frisch saniert, ganz wie zu Zeiten des Ölfabrikanten Friedrich Thörl. So traditionell auch das Karree mit dem putzigen Uhrenturm wirkt, das er im damals angesagten Heimatschutzstil errichten ließ, mit ihm hielt der unternehmerisch-kaufmännische Geist in Trenthorst Einzug. Aus Knecht und Herr wurden Arbeitgeber und Beschäftigte.

Förderverein lädt ein

Historische Fotos und Interessantes aus der Geschichte Trenthorsts präsentiert Rüdiger Hildebrand am 17. September ab 10 Uhr im Herrenhaus.

„ Hühnermast von morgen“ ist Titel eines Vortrags von Lisa Baldinger am 29. September, 19 Uhr, im Herrenhaus.

Eine Pionierrolle nehmen auch die derzeitigen Nutzer des Anwesens ein. Das Institut für Ökologischen Landbau – seit 2008 Teil des Thünen-Instituts – lotet aus, wie umweltschonende und artgerechte Landwirtschaft ökonomisch erfolgreich sein kann. Wissenschaftler aus dem In- und Ausland betrachten dies als große Chance.

So auch Lisa Baldinger. Die Österreicherin befasst sich mit der Mast von Biohühnern. „Während das Schalenei als Bioprodukt einen hohen Marktanteil von zehn Prozent hat, kommen wir hier bisher nur auf 1,6 Prozent“, sagt die junge Forscherin. Sie erprobt derzeit, welches naturbelassene Futter aus der Region sich am besten eignet, damit die Tiere an Gewicht gewinnen. In mehreren Versuchsreihe werden den Tieren verschiedene Kombinationen von Pellets, geschrotetem Getreide und Weizenkeimen verabreicht. „Extreme Höchstleistungen wie mit Kraftfutter werden wir nicht erreichen. Unsere Tiere wachsen langsamer, sind dafür aber auch robuster“, sagt die 34-Jährige.

Abgesehen von dieser speziell auf den Ökobauer gemünzten Fragestellung versucht sie einem Problem beizukommen, dass Tierhalter generell betrifft: das Töten männlicher Küken bei Rassen, die speziell fürs Eierlegen gezüchtet wurden. „Wir haben Tiere der Rasse Dual, die sich auch für die Mast der Bruderhähne eignen“, erklärt Lisa Baldinger. Die Hennen legten 250 Eier im Jahr.

Auf die Arbeitsbedingungen am Standort Trenthorst befragt, beginnt die Wienerin zu schwärmen. „Es ist wohl weltweit das größte Forschungsinstitut, das sich mit Ökolandbau beschäftigt. Eine besondere Stärke ist hier, dass nicht nur Pflanzen, sondern auch Tierhaltung untersucht wird. Das finde ich toll. Wenn ich eine Frage zum Futter habe, kann ich mich direkt an einen Spezialisten wenden.“

Über die Jahrzehnte haben das Institut und seine Vorläufer MaxPlanck-Gesellschaft und Bundesforschungsanstalt das Dorf auf besondere Weise geprägt. Nicht wenige Mitarbeiter haben sich im Ort niedergelassen und Häuser bezogen, die zum einstigen Gut gehörten und bei der Übernahme auch ins Eigentum der jeweiligen Forschungseinrichtung gelangten.

Doch inzwischen wandelt sich die Bevölkerungsstruktur des Dorfes. Das Thünen-Institut trennt sich nach und nach von den privat genutzten Immobilien, so dass auch Familien von außerhalb hinzuziehen.

Die wenigsten stammen aus der Region. Ein typisches Stormarner Dorf mit traditionellen Vereinen und einer tief verwurzelten Gemeinschaft stellt Trenthorst deshalb mit Ausnahme der Feuerwehr nicht unbedingt dar.

Es überwiegen die Individualisten, die ihre Ruhe fernab des Großstadtstresses suchen und sich urwüchsig-romantischer oder mondän gepflegter Gärten erfreuen. Nicht alle Trenthorster führen indes ein so zurückgezogenes Leben. „Wir am Ende des Dorfes feiern ab und zu mit den anderen Familien. Das ist immer sehr lustig“, erzählt etwa Christiane Schwarze. Sie würde sich freuen, wenn es einen besseren Zusammenhalt im Dorf geben würde.

Gewissermaßen als Bindeglied zwischen dem sehr dominanten Forschungsinstitut und der Bevölkerung ringsum zu fungieren, hat sich der Förderverein aufgeschwungen, den Gerd Herrmann leitet. Mit einem ganzen Strauß von Veranstaltungen wollen die Mitglieder die Arbeit des Instituts und dessen Relevanz nach außen hin deutlich machen. Es gibt Vorträge zu aktuellen Forschungen, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Umweltproblemen wie der globalen Wasserkrise oder der vermeintlichen Bedrohung durch das Jakobskreuzkraut. Mehrmals im Jahr wird gefeiert. Verkostungen von Biospeisen, Weinproben und Kochkurse runden das Programm ab. „Wir überlegen auch, mal ein Fest nur für das Dorf zu veranstalten. Damit sich auch die Bewohner untereinander kennenlernen“, sagt Vorstandsmitglied Kurt Weirauch, einstiger Institutsmitarbeiter und selbst auch Trenthorster.

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Dorothea von Dahlen

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