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Stormarn Ein Dorf setzt auf saubere Wärme
Lokales Stormarn Ein Dorf setzt auf saubere Wärme
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21:00 28.07.2017
Bürgermeisterin Heidi Hack zeigt die Übergabestation. Statt einer wartungsbedürftigen Heizungsanlage hat sie jetzt nur noch diese Apparatur in ihrem Haus stehen. Die Kosten für den Schornsteinfeger kann sie auch sparen, da es keine Abgasemission bei der Nahwärme gibt. Quelle: Fotos: Von Dahlen
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Steinburg

 Mit ihrer dezentralen Energieversorgung ist die Gemeinde gut gerüstet für die Zukunft.

Als erster Ortsteil von Steinburg sind Teile von Mollhagen ans eigene Nahwärmenetz angeschlossen.

„Wir gehen mit gutem Beispiel voran. So wie sich die Immissionsgesetzgebung entwickelt, entfernen wir uns immer mehr von fossilen Energieträgern“, erklärt Bürgermeisterin Heidi Hack. Sie ist froh, dass das Projekt in der Gemeinde nicht zerredet wurde. „Das Gegenteil ist der Fall. Im Vorstand der Energiegenossenschaft sind so viele engagierte Mitglieder mit Herzblut dabei. Das ist ein richtiger Glücksfall“, lobt die Bürgermeisterin. Statt sich durch Gutachten und zig Stellungnahmen verunsichern zu lassen, habe der Vorstand überlegt, aber rasch gehandelt. Das berge durchaus Vorteile. Denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt, da sich innovative Energieprojekte erst langsam entwickelten, stelle der Staat noch Fördermittel in Aussicht. Ob sich das in einigen Jahren noch so verhalte, sei völlig ungewiss. Sicherlich komme eines Tages der Zeitpunkt, da folge Deutschland in punkto Energiewende dem Beispiel von Dänemark, „und dann sind wir als erste mit dabei.“

In insgesamt elf Straßen Mollhagens werden nun nach und nach die Hausanschlüsse gelegt. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein. Nicht bei allen Anliegern stoßen die Bauarbeiten indes auf Verständnis. „Natürlich ist es für die Bürger anstrengend, dass die Straßen am Rand aufgebuddelt werden. Aber das lässt sich nicht ändern“, sagt die Bürgermeisterin.

Sie selbst ist darüber verärgert, dass konzertierte Aktionen verschiedener Medien nicht an einen Tisch zu bringen sind, so dass Straßen nicht mehrmals hintereinander aufgerissen werden müssen. Leider sei das auch in Mollhagen der Fall, da die Vereinigten Stadtwerke zu einem späteren Zeitpunkt die Breitbandversorgung im Ort vorantreiben wolle. „Man kann kein Unternehmen zur Kooperation zwingen.

Das ist den Bürgern aber nicht zu vermitteln“, sagt Heidi Hack. Dabei würde es für alle miteinander kostengünstiger, wenn diverse Leitungen in einem Rutsch verlegt würden.

Mit Nahwärme werden nach Abschluss der Arbeiten in Mollhagen 65 Haushalte versorgt sein. Noch besteht aber die Möglichkeit, sich spontan anschließen zu lassen. Einen Puffer von zehn Prozent gibt es wohl, so dass fünf bis sechs Nutzer noch hinzukommen können. Angeschlossen wird im übrigen auch die Schule Mollhagen. Zwar übernimmt das Nahwärmenetz nicht die komplette Versorgung, da es an der Schule ein Blockheizkraftwerk (BHKW) gibt, aber zumindest der Spitzenlastkessel, der bei überdurchschnittlichem Verbrauch zugeschaltet wird, soll durch die regenerative Energie aus der Biogasanlage ersetzt werden. Doch über kurz oder lang könnte die Grundschule eine der wenigen in ganz Schleswig-Holstein werden, die zu 100 Prozent klimafreundlich beheizt wird.

„Die Heizkosten mit dem BHKW haben sich nicht so reduziert, wie wir es eigentlich erhofft hatten“, erklärt Heidi Hack. „Mit dem neuen Netzanschluss haben wir aber die Weichen für die Zukunft gestellt und können später problemlos auf Nahwärme umstellen.“

Im Ortsteil Eichede soll im kommenden Jahr noch einmal die Werbetrommel für das Nahwärmenetz gerührt werden. Beim ersten Anlauf erzielte der Vorstand der Genossenschaft noch nicht genug Interessenten. Das könnte sich indes ändern, da nun schon Erfahrungen mit dem Betrieb eines solchen Netzes in Mollhagen vorliegen. „Ob die Kapazität der Biogasanlage reicht, um alle anzuschließen, wird sich zeigen. Denkbar wären aber auch andere Energieträger wie Holzhackschnitzel oder Gas“, sagt die Bürgermeisterin.

Klimafreundliches Heizen gewinnt immer mehr Anhänger

Pläne für die Versorgung mit regenerativer Energie schmieden auch die Westerauer im Rahmen eines Quartierskonzeptes. Dazu soll am Dienstag, 1. August, ein Beschluss gefasst werden. Einwohner können Fragen ab 18.30 Uhr im Gemeindehaus stellen. Die Gemeindevertreter selbst tagen ab 19.30 Uhr. Drei Schulen und ein Berufsbildungszentrum mit Sporthalle sollen auch in Preetz sowie im Kreis Plön mit Nahwärme versorgt werden. Die Machbarkeitsstudie fördert die Aktivregion Schwentine-Holsteinische Schweiz.

 Dorothea von Dahlen

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