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Stormarn Ein Dorf will seinen Charme behalten
Lokales Stormarn Ein Dorf will seinen Charme behalten
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20:10 30.07.2018
Jens Poppinga vor dem Gemeindewappen im Gemeinschaftshaus: Für den ehrenamtlichen Bürgermeister hat die dritte Amtszeit begonnen.
Rethwisch

„Die Städter drücken ganz schön“, stellt Bürgermeister Jens Poppinga fest. Der CDU-Politiker hat nach der Kommunalwahl im Mai dieses Ehrenamt zum dritten Mal übernommen und leitet die elfköpfige Gemeindevertretung. Ihr gehören vier Fraktionen an – von CDU, SPD und zwei Wählergemeinschaften. Vor allem beim Thema Bauleitplanung müssen die Kommunalpolitiker wichtige Entscheidungen treffen, denn wegen der Nähe zur Autobahn 1 und dem Bahnhof in Bad Oldesloe weist Rethwisch ausgezeichnete Verkehrsbedingungen auf. Das weckt großes Interesse von jungen Familien, die sich in dem Dorf niederlassen wollen.

Die ausgewiesenen Bauplätze sind heiß begehrt, die Dorfgemeinschaft ist intakt und in die Infrastruktur soll erheblich investiert werden. Ganz behutsam will Rethwisch einen Wandel durchleben, denn das Dorf gewinnt wegen seiner ausgezeichneten Lage an Bedeutung.

„Wir versuchen, diese Entwicklung zu kanalisieren“, erläutert der Bürgermeister. 14 Bauplätze seien in der Vergangenheit ausgewiesen worden – die dann rasch an Interessenten aus Rethwisch vergeben worden seien. „Wir hatten kaum über die neuen Bauplätze entschieden, da war die Zahl der Interessenten schon größer als die der Grundstücke“, blickt Jens Poppinga zurück. Möglicherweise werde weiteres Bauland ausgewiesen.

Neue Wohngebiete für junge Familien bedeuten auch einen weiteren Ausbau der Infrastruktur. Unter anderem ist die Erweiterung der Kindertagesstätte ein wichtiges Vorhaben (siehe den weiteren Bericht auf dieser Seite). „Wegen der guten Verkehrsanbindung arbeiten die jungen Leute auch in Lübeck oder Hamburg. Da ist dann eine gute Kinderbetreuung notwendig“, sagt der Bürgermeister. Ein schnelles Internet, das im gesamten Bereich des Amtes Bad Oldesloe-Land ausgebaut wurde, gehöre außerdem zu den selbstverständlichen Annehmlichkeiten. „Wir haben eine intakte Dorfgemeinschaft – auch weil es in der Umgebung noch viel Wald und Flur gibt“, betont Jens Poppinga.

Einen Strukturwandel hat es in der Region schon in der Vergangenheit gegeben. Mittlerweile existierten nur noch etwa fünf landwirtschaftliche Betriebe. Vor 30 Jahren, so Landwirt Jens Poppinga, seien es mindestens vier Mal so viele gewesen: „Und die Situation ist nicht einfacher geworden angesichts der aktuellen Hitzewelle. Ich denke oft an den Klimawandel.“ Zumindest einen kleinen Beitrag zur Förderung regenerativer Energie gab es durch den Bau von Windkraftanlagen. „Das sind aber alte Standorte, die nur 700 Meter vom Dorf entfernt liegen. Da ist vermutlich ein Repowering wegen des zu geringen Abstandes kaum möglich“, so der Bürgermeister.

Zwei Feuerwehren in Rethwischdorf und Klein Boden bestimmen das gesellschaftliche Leben – und der VfL Rethwisch. Dem Sportverein gehören 500 Kinder und Erwachsene an. Beim Fußball sind die Aktiven entsprechend der Größe ihres Ortes in Stormarn mit dabei – beim Jugger setzt der Club nationale und internationale Standards. „Jugger wurde zunächst in Bad Oldesloe gespielt. Weil es da Probleme mit dem Sportplatz gab, fragte die Sparte an, ob sie nicht zu uns kommen könnte“, erinnert der Bürgermeister. Die Rethwischer hatten kein Problem damit, und mittlerweile sind viele Einwohner bei dieser Trendsportart aktiv: „Wir spielen auf sehr hohem Niveau und haben schon mehrere deutsche Meisterschaften geholt.“

Nerviges Warten auf Kita-Anbau

Drei Millionen Euro sollen investiert werden, um die evangelische Kindertagesstätte in Rethwisch erheblich zu erweitern.

Davon will die Gemeinde die Hälfte der Kosten selbst finanzieren, die anderen 1,5 Millionen Euro sind jedoch als Zuschüsse eingeplant. „Und wir haben lange auf die Zusage gewartet“, erläutert Bürgermeister Jens Poppinga (CDU). Jetzt gab es zumindest einen Bescheid über 330000 Euro. Es fehlen damit aber immer noch knapp 1,2 Millionen Euro. Es sei höchst ärgerlich, dass Kreis und Land diese wichtigen Voraussetzung immer noch nicht ganz erfüllt haben. Erst dann könnten von der Gemeindevertretung die Aufträge vergeben werden.

Auch Kita-Leiterin Simone Tuchlinski wartet auf den Startschuss für das wichtige Projekt, denn in der Einrichtung werden nicht nur Kinder aus Rethwisch betreut – es sind auch Jungen und Mädchen aus Meddewade und Westerau in Stormarn sowie Groß Boden im Herzogtum Lauenburg mit dabei. „Wir betreuen zurzeit 62 Kinder, nach der Erweiterung sollen es 125 sein“, blickt Simone Tuchlinski voraus. Vier weitere Gruppen sollen noch dazu kommen.

Der Rethwischer Bürgermeister bleibt optimistisch „Unser Ziel ist es, im August 2019 mit der Erweiterung fertig zu sein.“

Ganz weit vorn

In der Jugger-Weltrangliste belegen die Rethwischer von mehr als 700 aufgezählten Mannschaften den fünften Platz. Jugger ist ein schneller Rasensport, bei dem sich alles um Taktik, Ausdauer und Teamgeist dreht. Es geht darum, den Jugg (den Spielball) zu erobern und im gegnerischen Tor (das sogenannte Mal) unterzubringen. Fünf Feldspieler und bis zu drei Auswechselspieler bilden ein Team.

Nur der Läufer darf den Jugg aufnehmen und Punkte erzielen. Seine Mitspieler sind mit gepolsterten Sportgeräten – sogenannten Pompfen – ausgestattet, um ihrem Läufer freie Bahn zu verschaffen.

mt Michael Thormählen

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