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Stormarn Ein Eiszeit-Museum fürs Tunneltal?
Lokales Stormarn Ein Eiszeit-Museum fürs Tunneltal?
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11:53 09.11.2018
Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein zeigt einen Knochenfund aus dem Ahrensburger Tunneltal. Quelle: Bettina Albrod
Ahrensburg

Wie geht man mit einem Gelände um, das einerseits eine bedeutende archäologische Fundstätte für das Leben eiszeitlicher Rentierjäger und andererseits ein Naturschutzgebiet allerhöchster Güte ist? Was tun, wenn der Schritt zur interaktiven Infosäule auf einem seltenen Kammmolch enden könnte? Vor diesem Dilemma stehen der Kreis Stormarn und die Stadt Ahrensburg bei der Überlegung, wie man das Fundgebiet Ahrensburger Tunneltal öffentlichkeitswirksam erschließen könnte. Am Donnerstag tagten die zuständigen Ausschüsse des Kreises und der Schlossstadt gemeinsam, um sich über Möglichkeiten einer Gestaltung zu informieren.

Denn bisher sieht man von der eiszeitlichen Fundstätte so gut wie nichts. Andreas Konrath, Berater für Freizeitwirtschaft, stellte ein Konzept vor, wie eine Erschließung des Tunneltals für Tourismus und Freizeit aussehen könnte. „Das Tunneltal besitzt mit den eiszeitlichen Rentierjägern ein enormes Potenzial“, betonte er, „man sieht aber davon nichts. Durch den geologischen Fachbegriff Tunneltal wird das Gebiet ausschließlich als Naturraum wahrgenommen.“

Hier bedürfe es eines Leitthemas. „Das Thema Eiszeit verbindet die Archäologie mit der Geologie und dem Naturraum“, so Konrath. Alle drei Themen könnten unter diesem Leitthema miteinander verknüpft werden. Als Beispiel nannte er Schöningen, wo mit den Schöninger Speeren die ältesten europäischen Jagdwaffen aus der Eiszeit gefunden wurden. Dort ist ein interaktives Erlebnis- und Ausstellungsgebäude entstanden, das Forschung und Erlebnis verknüpft. Dazu kämen Programme, Veranstaltungen, Infrastruktur und eine Website.

Gemeinsame Website nötig

Eine gemeinsame Website sieht Konrath für das Eiszeit-Gelände in Ahrensburg als vordringlich an. „Es gibt für das Tunneltal viele unterschiedliche Organisationen, die jeweils auf ihrer Seite für Veranstaltungen werben“, so Konrath. Er rät dazu, alle auf einer gemeinsamen Website zusammen zu bringen. Wichtig sei auch hier das attraktive Leitthema „Eiszeit“. „So kann man unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Angeboten zusammen bringen.“ Auf einer website sollten sich möglichst alle Anbieter wieder finden, so Konrath weiter. Beispielsweise verfügt das Stormarnsche Dorfmuseum in Hoisdorf über die größte regionale Sammlung eiszeitlicher Artefakte aus dem Tunneltal, das Naturschutzzentrum „Wilde Weiden“ im Höltigbaum bietet Programm, es gibt Wanderwege, Schautafeln oder spezielle Führungen, aber nirgends sind sie gemeinsam einsehbar. „Unterschiedliche Zielgruppen müssen mit unterschiedlichen Angeboten angesprochen werden.“ Bisher seien alle Angebote zum Tunneltal dezentral und böten nur Teilaspekte. „Ein Angebot ist da, aber es ist schwer aufzufinden.“

DIE IG Tunneltal

Vor kurzem hat die Interessengemeinschaft zum Erhalt der Bodendenkmäler und Naturschätze im Ahrensburger Tunneltal, IG Tunneltal, eine website zum „Tal der Rentierjäger“ eröffnet (www.tunneltal.de) und damit ein Leitthema angeboten. Gegründet hat sie sich 2015.

Ziel der IG Tunneltalist es, die Besonderheiten des Tunneltals einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, um so die Wahrnehmung des Tunneltals als schützenswerten Ort zu verbessern und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Natur- und Kulturbewusstsein zu schaffen.

Mammuts im Tunneltal

Marketing ist nötig, um mit den Funden des Tunneltals wuchern zu können. Archäologie zu den Rentierjägern, Findlinge und seltene Tiere und Pflanzen hätten als verbindendes Element die Eiszeit bei Mensch, Landschaft und Natur. „Hier kann man mit einem Mammut oder szenischen Bildtafeln spannende Assoziationen wecken.“ Nötig seien eine attraktive Infrastruktur mit einer Anlaufstelle, Karten, Bänken und Rastplätzen, die spielerische Vermittlung von Inhalten über Quiz, Tonaufnahmen, Filme oder eine Tunneltal-App, denkbar seien eine Wanderausstellung zum Thema, eine Aussichtsplattform über das Gelände, Kunst im Tunneltal oder Rundflüge mit Drohnen, um einen Überblick über das Tunneltal zu geben. „Als Vision könnte ein Besucherzentrum mit Gastronomie, Museum und Tagungsräumen entstehen.“ Wichtig sei eine gemeinsame Organisation. „Sie müssen zunächst entscheiden, wie Sie sich positionieren wollen“, schloss Konrath.

Ein Mammut Quelle: Olga Sokolo/Fotolia

„Den Schwerpunkt der Trägerschaft sehen wir in Ahrensburg“, erklärte Kirstin Krochmann, Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses. Der Kreis könnte mit ins Boot geholt werden, ebenso die Aktivregionen, wenn es um Fördermittel gehe. Als große Frage bleibe: Wie kann man Unsichtbares sichtbar machen und das in einem FFH-Gebiet, so Christian Schubbert-von Hobe, Vorsitzender des Ahrensburger Bildungsausschusses. Eine sanfte Entwicklung sei nötig, auch wenn Konrath nicht die Gefahr sieht, dass das Tunneltal von Touristen überrannt werden könnte. Über das weitere Vorgehen soll nun in den verschiedenen Ausschüssen beraten werden.

Bettina Albrod

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