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Ein Fest der Freude statt tiefer Trauer

Bad Oldesloe Ein Fest der Freude statt tiefer Trauer

Fröhliches Hellblau, plakatives Pink – ein solch buntes Bild geben Friedhöfe in Mexiko ab. Im Kontrast dazu behandeln Deutsche Beerdigungen eher als tieftrauriges Ereignis. Die Rituale unterschiedlicher Kulturen werden beim „Sterbefest“ in Bad Oldesloe am 14. Oktober vorgestellt.

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Der Baum ist das Symbol des Vereins. Aus den Reihen der Mitglieder kam die Idee, Kekse in dieser Form zu backen und zu verschenken.

Bad Oldesloe. Veranstalter ist der Verein Lebensweg. Die Mitglieder stehen nicht nur kurz davor, ein stationäres Hospiz in der Kreisstadt zu etablieren, sie wollen Tod und Sterben vom Schleier des Tabus befreien, es quasi in die Mitte der Gesellschaft holen. Denn in Deutschland, so sind die Erfahrungen der Vereinsvorsitzenden Sabine Tiedtke, wird das Thema meist so lange verdrängt, bis es unvermeidbar ist, darüber zu sprechen.

LN-Bild

Fröhliches Hellblau, plakatives Pink – ein solch buntes Bild geben Friedhöfe in Mexiko ab. Im Kontrast dazu behandeln Deutsche Beerdigungen eher als tieftrauriges Ereignis. Die Rituale unterschiedlicher Kulturen werden beim „Sterbefest“ in Bad Oldesloe am 14. Oktober vorgestellt.

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„Wir wollen zeigen, dass es auch andere Wege gibt, damit umzugehen“, sagt Tiedtke. Für das Veranstaltungsplakat hat sie deshalb eine farbenfrohe Aufnahme von Grabstätten im mexikanischen Yucatán gewählt. Auch dort werde alljährlich der Toten gedacht, aber auf ganz andere Weise als in Deutschland. In Bäckereien gebe es bunte Särge oder auch Zuckerköpfe zu kaufen. Und wenn jemand sterbe, veranstalteten die Angehörigen ein Picknick auf dem Friedhof, um gemeinsam mit den Verstorbenen zu feiern.

Welche Traditionen es in anderen Kulturen gibt, erfahren die Besucher des Oldesloer Festes übrigens aus berufenem Munde. Sabine Tiedtke und ihre Mitstreiter haben Vertreter unterschiedlicher geografischer Herkunft und Glaubensrichtungen eingeladen. Sie berichten über die Gepflogenheiten in ihren Heimatländern. So wirken etwa Menschen aus Afrika, Indien, Peru, Afghanistan oder der Türkei mit.

Glücklich schätzt sich der Verein, die gebürtige Angolanerin Juliana Gombe für die Veranstaltung gewinnen zu können. Da sie in ihrem Herkunftsland gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit kämpfte, wurde sie bedroht und musste fliehen. Seit 1996 lebt sie in Deutschland und kümmert sich um Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Für ihr großes Engagement ist sie in Berlin zur Botschafterin für Demokratie und Toleranz gekürt worden und wurde auch anderweitig ausgezeichnet.

Sabine Tiedtke lernte Juliana Gombe schon vor zwei Jahren kennen. „Sie erzählte damals, dass sie Deutschland über alles liebt. Aber wenn sie stirbt, will sie zurück nach Angola gebracht werden“, erinnert sich Sabine Tiedtke. Diese Worte gingen ihr damals nicht mehr aus dem Kopf, ein weiterer Grund sich intensiver mit anderen Beerdigungsritualen zu beschäftigen und dies auch öffentlich vorzustellen. „Schließlich müssen wir selbst mehr darüber wissen, um perspektivisch auch Menschen aus anderen Kulturen im Hospiz eine gute Begleitung zu sein“, sagt die Lebensweg-Chefin.

Die Veranstaltung im Oldesloer Bürgerhaus will nicht nur mit kleinen Referaten oder Infomaterial über die Bedeutung von Tod und Sterben in anderen Kulturen aufklären, die Besucher sollen die Chance bekommen, in diese andere Welt einzutauchen die Rituale der jeweiligen Länder selbst erfahren und vollziehen.

„Es können auch immer wieder Fragen gestellt werden. Nur wer über andere Kulturen Bescheid weiß, kann Fettnäpfchen oder auch Verletzungen der Gefühle von Menschen anderer Glaubensvorstellungen vermeiden. Das hat auch etwas mit gegenseitiger Achtung zu tun“, sagt Sabine Tiedtke. Die Farben Schwarz und Weiß etwa hätten in muslimischen Ländern eine genau umgekehrte Bedeutung, führt sie als Beispiel an.

Beginnen wird das Fest mit einem Trommelkonzert, einem „Ehrenrhythmus“ wie er in Westafrika praktiziert wird. Auch aus anderen Ländern werden Gesänge oder Instrumentalstücke zu hören sein, die auf Beerdigungen gespielt werden. Dazu gibt es ein Buffet. Die Landfrauen stiften selbstgebackenen Kuchen. Die Räume im Bürgerhaus werden fröhlich mit Blumen geschmückt sein.

Ein langer Weg zum stationären Hospiz

Das letzte Fest? wird am Sonnabend, 14. Oktober, im Oldesloer Bürgerhaus gefeiert. Musik, Vorträge und Kulinarisches werden dort ab 15 Uhr geboten.

Die Idee , sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, kam Sabine Tiedtke bereits im November 2012. Beim ersten Treffen, das sie daraufhin organisierte, erschienen elf Personen, zur ersten öffentlichen Veranstaltung im Januar 2013 war das Interesse bereits sehr groß.

Gegründet wurde der Förderverein „Lebensweg – Stationäres Hospiz für Jung und Alt“ am 28. Februar 2013. 26 Personen aus den verschiedensten beruflichen und sozialen Schichten gehörten zu den Pionieren. Unlängst konnte der Verein das 200. Mitglied in seinen Reihen begrüßen.

Das Vorhaben , ein stationäres Hospiz in Bad Oldesloe zu errichten, erlitt indes einige Rückschläge. Ein dem Verein kostenlos offeriertes Grundstück am Schwarzendamm konnte aus planungsrechtlichen Gründen nicht genutzt werden. Vor zwei Jahren wurde dem Verein ein alternativer Standort am Sandkamp angeboten. Die Verhandlungen über den Ankauf der Fläche sind noch nicht abgeschlossen.

Ungeachtet dessen sind die Planungen schon weitergelaufen. Die Architektenpläne liegen schon fertig in der Schublade. Auch die Stiftung Lebensweg ist schon von der Landesregierung anerkannt worden.

 Dorothea von Dahlen

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