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Stormarn Ein Seelsorger für alle Fälle
Lokales Stormarn Ein Seelsorger für alle Fälle
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23:33 22.09.2016
Wolfgang Stahnke präsentiert den neuen Raum der Stille im Oldesloer Krankenhaus. Der Seelsorger nutzt diesen für Gespräche oder Gebete, geht aber auch direkt in die Zimmer zu den Patienten. Quelle: mc
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Bad Oldesloe

Zudem ist 54-Jährige weiter als Vertretungspastor tätig, springt also überall dort ein, wo es gerade Vakanzen gibt. Dadurch hält Stahnke Kontakt zu vielen Gemeinden im Kirchenkreis Segeberg-Plön, zu dem auch der Norden Stormarns gehört. Das ist gut so, denn dadurch dürfte seine dritte Aufgabe etwas leichter werden: Er erstellt ein Konzept, um die gesamte Notfallseelsorge in der Nordkirche neu auszurichten. Das heißt, Pastoren machen Fortbildungen bei ihm, um für Ernstfälle gewappnet zu sein.

Langfristig sollen die Rettungsleitstellen bei schlimmen Unfällen nicht nur Feuerwehr und Rettungsdienst alarmieren, sondern auch einen Notfallseelsorger. „Nach eigenem Verständnis haben Pastoren einen 24-Stunden-Dienst“, erklärt Stahnke, der vorher für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises zuständig war.

Er selbst hat mehrere Fort- und Weiterbildungen auf dem Gebiet der Notfallseelsorge gemacht. „Ich mache das gerne und gut“, sagt der 54-Jährige. Und in seinem Alter habe er jetzt die nötige Gelassenheit für den Job im Krankenhaus.

Auch wenn die Oldesloer Klinik keine Kinderstation habe und auch kein Unfallschwerpunkt sei, gäbe es viele schwere Schicksale, vor allem in der onkologischen Abteilung. „Einen Patienten habe ich kennengelernt, der sein ganzes Leben immer schwer krank war und sehr haderte“, berichtet Stahnke.

Aber meistens seien es schöne Begegnungen, die den Patienten guttun und sie etwas aufrichten. Er wolle auch niemanden bekehren, erzählt der Seelsorger, es gehe einfach ums Zuhören. „Manchmal kann ich im Gespräch auch eine neue Sichtweise vermitteln.“

Besonders schön sei vor Kurzem der Besuch in einem Krankenzimmer gewesen, in dem eine ältere Dame aus der Türkei lag. „Ihr Sohn, ein gestandener Mann und schon lange in Deutschland, war so begeistert davon, dass ein Pastor im Krankenhaus die Patienten besucht, dass er es allen seinen Freunden erzählen wollte“, so Stahnke.

Ein Problem seien indes häufig die Mehrbettzimmer, wenn alle anderen Patienten zuhören könnten. Denn wer bettlägerig sei, könne auch nicht in den neuen Raum der Stille kommen.

Einen Unterschied hat Wolfgang Stahnke auch bei den Geschlechtern ausgemacht, was die Gesprächsbereitschaft angeht: „Männer lehnen das Angebot eher ab als Frauen.“

Und wie geht der Pastor selbst mit den vielen verschiedenen Schicksalen um? „Ich gebe sie Gott ans Herz“, sagt Stahnke und weiß: „Ich kann nicht die Welt retten und das Leid wegschaffen.“ Aber:

„Häufig kommen die Menschen ein Stück weit aus ihrer Perspektivlosigkeit heraus. Die Gespräche geben ihnen Kraft.“

Einführung am Sonntag

Wolfgang Stahnke (54) stammt ursprünglich aus Goslar und kam wegen der Liebe nach Schleswig-Holstein. Mit seiner Frau Renate, die Kirchenmusikerin in Todesfelde ist, hat er drei Kinder.

Da die mittlerweile erwachsen sind und auch Auto fahren, kommt Stahnke oft mit dem Motorroller oder sogar mit dem Fahrrad von Bebensee (Kreis Segeberg) nach Bad Oldesloe.

Schon früh wollte er entweder Arzt oder Pastor werden. Entscheidend für seine Berufswahl war sein eigener Konfirmationspastor. Dieser war eine Art Vatervorbild und habe ihn sehr geprägt, erzählt Stahnke.

Seine Einführung ist am Sonntag,

25. September, um 10.30 im Foyer der Asklepios-Klinik. Anschließend wird auch der neue Raum der Stille eingeweiht. Jeweils am letzten Sonntag im Monat gibt es einen Gottesdienst im Krankenhaus, zu dem auch viele Menschen aus der Nachbarschaft kommen.

172 Betten hat das Krankenhaus.

Fünf Frauen organisieren einen Besuchsdienst. „Dafür brauchen wir dringend Nachwuchs“, sagt der Pastor. Wer Interesse hat, kann sich bei Wolfgang Stahnke melden unter E-Mail w.stahnke@kirchenkreis-ploen-se.de.

 M. Carstens

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