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Stormarn Ein Stormarner im Kieler Kabinett
Lokales Stormarn Ein Stormarner im Kieler Kabinett
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22:25 08.07.2017
Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) gehört dem neuen Kabinett an und ist in Ahrensburg zu Hause. Quelle: Foto: Bettina Albrod
Ahrensburg

Bisher war der 55-Jährige „unser“ Mann in Ahrensburg: „Ich habe im Finanzausschuss der Stadt mitgearbeitet und will jetzt gleich noch mal hingehen, um mich zu verabschieden“, erklärt Buchholz, der sein regionales Engagement wegen der neuen Aufgabe einschränken muss. Auf dem Rondeel – einem belebten kleinen Platz in Ahrensburgs Mitte – trifft er kurz seine Frau, die als Amtsrichterin in der Schlossstadt arbeitet, später am Abend will er mit ihr zusammen noch das Weinfest in Ahrensburg besuchen.

Bernd Buchholz ist der neue Wirtschaftsminister und in Ahrensburg zu Hause.

„Ich bringe meinen eigenen Blick mit." Bernd Buchholz

Wirtschaftsminister

„Als Wirtschaftsminister kann ich nicht wie ein Stormarner denken, ich will das gesamte Land im Blick haben“, betont Buchholz, der von 1992 bis 1996 schon einmal dem Schleswig-Holsteinischen Landtag angehörte. „Aber mit den Verhältnissen in Stormarn bin ich natürlich vertraut.“ Einige Stormarner Interessen seien eng mit landesweiten Themen verknüpft, beispielsweise die Planung der S 4 vor dem Hintergrund der geplanten Fehmarn-Belt-Querung oder die Autobahnanbindung generell.

„Die Infrastrukturthemen Stormarns nehme ich mit in den Landtag“, sagt Buchholz. „Es gibt bekanntermaßen ein Problem mit den Autobahnabfahrten in Ahrensburg, dort gibt es immer wieder Rückstaus, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.“

Vom Land wieder in die Stadt

Seit 1995 lebt Buchholz, der in Berlin geboren wurde, in Stormarn, hatte erst zehn Jahre in Todendorf sein Zuhause und zog dann 2005 nach Ahrensburg, als die Kinder älter waren. „Als unsere beiden Söhne zur Welt kamen, wollten wir, dass sie in ländlicher Umgebung groß werden“, erklärt Buchholz, „später sollten sie dann auch das städtischere Leben in Ahrensburg kennen lernen.“ Hier gefällt ihm die lebendige Innenstadt, was er generell wichtig für Stormarns Städte findet. „Der Einzelhandel mit individuellen Angeboten sollte gestärkt werden, damit die Geschäfte neben dem Internet-Handel bestehen können“, so Buchholz. „Einzelhandel und Mittelstand sind die Stärken der Region und machen die Orte attraktiv.“

In ihrer Freizeit ist die Familie im Ahrensburger Golf-Club aktiv, hier, so Buchholz, könne er abschalten, wenn er zu viele politische Probleme mit nach Hause bringe. Dazu erkundet Buchholz den Kreis per Rad und fährt selber gerne Motorrad. „Stormarn hat herrliche Ecken“, erklärt er, „und es gibt sehr gute Restaurants im Kreis. Wir sind hier sehr nett verwurzelt.“ Lütjensee und Großensee seien idyllische Orte zur Naherholung, der Wald bei Trittau oder die Radwege um Bad Oldesloe hätten viel zu bieten.

Seine Ausflüge führen ihn auch durch Hammoor, wo sich die Bürger seit 30 Jahren eine Ortsumgehung wünschen, dazu soll ein Gewerbegebiet mit Autohof auf der Fläche ausgewiesen werden, wo die alte Landesregierung eine Windeignungsfläche sehen wollte. „Es gab eine lange Planung der Gemeinde, die nicht umgesetzt wurde“, stellt Buchholz fest, „hier sollte Hammoor die lange Suche deutlich machen. Wir haben im Hamburger Umland einen großen Bedarf an Gewerbeflächen.“

60 Hektar Gewerbefläche habe die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) als Bedarf genannt, alleine 22 Hektar davon könnte eine Gewerbefläche in Hammoor abdecken. „Es wäre schwierig, entlang der Achse A 1-Fehmarn-Belt woanders 50 Hektar Gewerbefläche zu finden. Hammoor bietet sich an, für Windkraft gibt es bessere Standorte im Land“, sagt Bernd Buchholz.

Beim Thema Lärmschutz für Hamberge sieht Buchholz Gesprächsbedarf; anlässlich der geplanten Teststrecke für Lkw mit E-Antrieb per Oberleitung ist das Thema wieder aktuell geworden.

„Ich weiß, dass es auch da lange schon Zusagen gibt und dass der Bürgermeister Taten sehen will“, erkennt Buchholz an. „Aber der E-Highway hat mit dem Thema Lärmschutz wenig zu tun.“ Er habe aber vor, demnächst ein Gespräch dazu mit Hamberges Bürgermeister und mit dem Landrat zu führen. Auch das Thema Wohnungsbau will Buchholz mit in den Landtag nehmen. „Es gibt in Stormarn nicht nur zu wenig Gewerbeflächen, sondern auch zu wenig Wohnraum“, betont der Minister. Hier sieht er die Lokalpolitik in der Pflicht. „Die Lokalpolitik muss mehr tun, um Ansiedlung zu ermöglichen“, erklärt Buchholz, „mit 3,3 Prozent Arbeitslosigkeit weist der Kreis den geringsten Arbeitslosenwert in Schleswig-Holstein auf.“

Auf der anderen Seite sei es gerade die Lokalpolitik, die er bewundere. „Während meiner Arbeit im Ahrensburger Finanzausschuss habe ich gemerkt, wie viele Menschen sich ehrenamtlich und uneigennützig für die Belange ihrer Kommune engagieren“, so Buchholz. „Das sollte noch viel mehr anerkannt werden. Wenn man an einem Stand auf dem Markt steht, sagen die meisten Bürger einem nur, was sie stört.“

Das Passive ist seine Sache nicht, Buchholz ist ein Mann, der etwas bewegen will. Das hat er buchstäblich mit den Schülern in der Ahrensburger Stormarnschule gemacht, wo er im Verein für den Fitness-Raum ist, den Eltern, Lehrer und Schüler für mehr Bewegung in den Pausen eingerichtet haben. Etwas zu bewegen ist aber auch grundsätzlich die Wurzel seines politischen Engagements.

„Mich hat eine Deutschlehrerin in meiner Schulzeit in Berlin zum politischen Denken gebracht“, erläutert Buchholz. „Sie hat damals gesagt, dass man nicht mit der Faust in der Tasche vor der Tagesschau sitzen, sondern selber Einfluss nehmen soll.“ In der FDP sah Buchholz am ehesten seine Überzeugungen vertreten, trat mit 19 in die Partei ein und wurde aktiv. „Ich war angefixt von der Politik“, sagt er heute, „die Möglichkeit des Gestaltens ist für mich nach wie vor wichtig.“ Als Wirtschaftsminister kann er das nun tun. „Ich bringe meinen eigenen Blick auf die Wirtschaft mit und will die Dinge mit großer Dynamik anschieben“, kündigt Buchholz an.

Zur Person

Der promovierte Jurist gehört seit 1981 der FDP an. Zwischen 1992 und 1996 war er Mitglied des Kieler Landtags und machte sich als stellvertretender Vorsitzender im Barschel-Untersuchungsausschuss einen Namen. Von 1996 bis 2012 war er im Management von Gruner + Jahr tätig, seit 2009 als Vorstandsvorsitzender. 2014 wechselte Buchholz in das Hamburger Büro der Anwaltskanzlei CausaConcilio.

 Bettina Albrod

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