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Stormarn „Ein Urteil am Rande der Vertretbarkeit“
Lokales Stormarn „Ein Urteil am Rande der Vertretbarkeit“
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20:10 19.08.2013
Bargteheide

Er war geständig, er hat sich entschuldigt — und er will nicht mehr daddeln und Drogen nehmen. Dennoch bekam ein 23-Jähriger gestern eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten, weil er im September vor zwei Jahren mit einem Messer bewaffnet etwas mehr als 300 Euro aus der Kasse eines Croque-Ladens im Bargteheider Mittelweg geraubt hatte.

„Damit in der Bevölkerung nicht der Eindruck entsteht, man brauche nur ein Messer zu nehmen, wenn man Geld benötige — und werde nicht bestraft“, begründete der vorsitzende Richter der Dritten Großen Strafkammer, Kai Schröder, am Lübecker Landgericht dieses Urteil. Und fügte hinzu: „Ein Urteil am Rande der Vertretbarkeit“. Bei schwerem Raub, könne der Angeklagte bis zu 15 Jahren Haftstrafe bekommen, hatte zuvor Staatsanwalt Christian Meyer in seinem Plädoyer ausgeführt. Selbst bei minderschweren Fällen drohten bis zu zehn Jahre. Doch das Gericht fand genügend Argumente, noch weit darunter zu bleiben. Auch deshalb verzichteten der Angeklagte und sein Verteidiger Patric von Minden auf weitere Rechtsmittel. Ja, sein Mandant möchte sogar, „dass man ihm hilft“, gab von Minden zu verstehen. Diese Hilfe sieht so aus, dass sich der junge Mann zunächst zwei Jahre in eine Schleswiger Entziehungsanstalt begeben muss und bei Folgsamkeit eine Chance hat, dass die restliche Strafzeit zur Bewährung ausgesetzt wird.

Er wisse bis heute nicht, was ihn in jener Nacht geritten hatte, als er den kleinen Laden im Mittelweg überfallen hat. „Ich dachte immer nur: So einer bist doch gar nicht.“

Er hatte nach eigenen Angaben vier Bier getrunken, Amphetamine und eine starke LSD-Pille genommen. Und als er „ziemlich unter Strom stand“, habe er sich entschlossen, den Imbiss zu überfallen. Zuvor schnitt er sich Gesichtsmasken aus einem Einkaufsbeutel und einer Mütze zurecht, zog über seine Jogginghose noch einen Blaumann und schnürte seine mit Stahlkappen bewehrten Arbeitsschuhe. Dann machte er sich auf zum Tatort, der nur fünf Minuten von seinem Elternhaus entfernt liegt.

Er sprang die Stufen hinauf zum Laden, ein ihm entgegen kommender Mann ging rückwärts wieder rein in den Laden, aber wirklich bedrohlich kann der Täter nicht gewirkt haben. Denn die beiden Frauen, die gestern als Zeuginnen vorgeladen waren, reagierten zwar erschrocken. Aber die eine wollte zunächst nicht die Kasse öffnen, bis sie das Messer in Hand des Räubers sah. Als er die Geldscheine in Hand hielt, flüchtete der Mann. Die eine der beiden Bedienungen lief ihm noch nach. Aber sie konnte ihn nicht aufhalten. Auch die Polizei war mit ihrer Fahndung zunächst erfolglos. Die Beamten fanden allerdings die auf der Flucht weggeworfenen Masken.

Erst sehr viel später kam ihm die Kripo auf die Spur. Der Täter selbst hatte in seinem Bekanntenkreis die Tat gebeichtet. Das hatte sich herumgesprochen im Ort. Der Erbgutvergleich zwischen weggeworfener Kleidung und Speichel des Verdächtigen überführte ihn schließlich.

Die Gutachterin gestern bescheinigte dem Mann zwar Drogensucht, seine Spielsucht bliebe aber in einem „sozialverträglichen Rahmen“. Er verfüge über „gute kognitive Möglichkeiten“. Die reichten auch aus, um zu erkennen, dass eine Entschuldigung bei den Betroffenen strafmildernd wirken kann. Allerdings blieb eine Croque-Verkäuferin bei ihrer Entscheidung: „Du hast bei uns trotzdem weiterhin Hausverbot.“ ukk

LN

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