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Stormarn Ein offenes Ohr für die Nöte Jugendlicher
Lokales Stormarn Ein offenes Ohr für die Nöte Jugendlicher
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21:34 15.12.2017
Andrea Schulz leitet das Kinderhaus Blauer Elefant in Bargteheide. Die Telefonberatung ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Quelle: Foto: B. Albrod
Bargteheide

„Hallo, mein Freund hat Schluss gemacht, und ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll“ – wenn im Kinderhaus Bargteheide das Telefon klingelt, ist am anderen Ende immer jemand, der einen Zuhörer braucht. Das Kinder- und Jugendtelefon Stormarn und Herzogtum Lauenburg gehört zu einem Netzwerk von bundesweit 79 Standorten, die vom Verein „Nummer gegen Kummer“ (Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund) koordiniert werden. Träger vor Ort ist der Deutsche Kinderschutzbund, Kreisverband Stormarn.

„Das Kinder- und Jugendtelefon wird hauptsächlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut“, erklärt Andrea Schulz, Leiterin des Bargteheider Kinderhauses. „Die werden von uns speziell für diese Aufgabe ausgebildet.“ Sechs Monate lang lernen sie Zuhören, Geduld und die Fähigkeit, mit den Kindern gemeinsam über Probleme und deren Lösung nachzudenken. „In 2016 hatten wir 6096 Anrufe“, sagt Andrea Schulz. „Der Schwerpunkt liegt bei der Gruppe der 13 bis 17-Jährigen, sie machen 65,5 Prozent der Anrufer aus.“ 61,7 Prozent der Anrufer hätten hauptsächlich ein Problem mit sich selbst.

„Die Anrufe sind immer anonym“, betont Andrea Schulz, „sie tauchen auch in der Telefonrechnung der Eltern nicht auf. Hier werden wir von der Telekom unterstützt, die die Leitung kostenlos zur Verfügung stellt.“

116111 wählen Kinder und Jugendliche bundesweit, wenn sie jemanden zum Reden brauchen. „In den meisten Fällen (31,5 Prozent) geht es um Fragen zu Sexualität und zum eigenen Körper“, so Andrea Schulz. „Es kommen Fragen zur Veränderung des eigenen Körpers, zu Verhütung oder zum Frauenarzt. Das sind schambesetzte Themen, für die die Anrufer eine Antwort brauchen, die sie aber lieber anonym einholen.“

An zweiter Stelle stehen mit 26,9 Prozent Fragen zu psychosozialen Problemen und Gesundheit. Mobbing ist hier ein Stichwort, Liebeskummer oder Angst vor dem Sportunterricht, weil die Anrufenden dort geärgert werden. „Die Mitarbeiter am Telefon bemühen sich dann, mit den Kindern gemeinsam eine Lösung zu finden“, beschreibt Andrea Schulz die Hilfe der Ehrenamtlichen. „Zuhören hilft meist schon.

Die Anrufer wollen sich die Probleme von der Seele reden.“

Meist riefen Kinder an, wenn sie mit starken Gefühlen konfrontiert würden, die sie nicht einordnen könnten. Liebeskummer, Eifersucht, Streit mit den Eltern oder Einsamkeit gehörten dazu. Auch Scheidung der Eltern ist ein Thema. „Vielen fehlt eine Bezugsperson, der sie sich anvertrauen können. Wir versuchen dann, die Anrufer dahin zu lenken, wer ihnen in ihrem Umfeld zuhören könnte.“ In 408 Fällen wurden die Berater aber auch aktiv, um den Hilfesuchenden Beratungseinrichtungen wie Jugendamt, Schulpsychologe, Kinderschutzbund oder spezielle Beratungsstellen zu vermitteln.

„Gelassenheit ist wichtig und Empathie, wenn man am Telefon ist“, hat Andrea Schulz die Erfahrung gemacht. „Gelegentlich gibt es erst ein paar Scherzanrufe, ehe die Betroffenen sich trauen, über ihr eigentliches Problem zu reden. Wir wollen die Anrufer in ihrem Kummer begleiten, damit sie sich ein Problem von der Seele reden können und merken, dass sie Ernst genommen werden.“

Danach müsse man auch wieder loslassen können. Alle Anrufe werden protokolliert. „Unser Ziel ist es, den Anrufern Anregungen zur eigenständigen Bewältigung ihrer Probleme zu geben“, betont Andrea Schulz.

14 Mitarbeiter sitzen derzeit Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr am Telefon. „Wir brauchen immer wieder Menschen, die uns am Telefon unterstützen“, so Andrea Schulz. „Der nächste Kurs beginnt im März und ist kostenlos. Dabei lernt man auch viel über Kommunikation, was man auch außerhalb der Beratung gebrauchen kann.“ Anschließend sollten sich die Teilnehmer idealerweise für mindestens zwei Jahre als Telefonberater für den Kinderschutzbund zur Verfügung stellen. Wie gut der Dienst nachgefragt ist, zeigen die Zahlen.

HILFE IM ADVENT

Der aktuelle Spendenstand:

5425Euro

Gespendet haben Horst und Hannelore Meyer, 20 Euro, insgesamt 210 Euro anonym, Klaus und Anke Krochmann 20 Euro, Detlef Kuthal 30 Euro.

Die Spender werden mit Namen veröffentlicht. Es sei denn, sie möchten dies ausdrücklich nicht. Im Verwendungszweck steht dann: „bitte anonym“. Der Kinderschutzbund stellt auch Spendenbescheinigungen aus, wenn Sie Ihre Adresse angeben. Alternativ ist auch eine Mitteilung unter Telefon 04532/280680 möglich.

Spendenkonto:

Deutscher Kinderschutzbund

Kreisverband Stormarn

Iban: DE92213522400179071071

Bic NOLADE21HOL

Sparkasse Holstein

Verwendungszweck:

„Spende: Hilfe im Advent“

 Von Bettina Albrod

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