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Eine Spende für die Kinder von Bisso

Bad Oldesloe Eine Spende für die Kinder von Bisso

Seit knapp vier Jahren besteht die Schulpartnerschaft zwischen der Oldesloer Stadtschule und der afrikanischen Grundschule in Bisso. Gerade konnten die rund 430 Kinder der Oldesloer Schule Jean Atto einen Scheck über 800 Euro überreichen.

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Die 3 a überreichte Jean Atto (M.) das Geld. Lehrerin Hella Wrohn (hinten rechts) und Thomas Grütter zeigten, wie das Geld verwendet wird.

Bad Oldesloe.  „Mit diesem Geld werde ich die Schulapotheke in Bisso auffrischen und einer alleinerziehenden Mutter von vier Kindern eine Augenoperation ermöglichen“, freute sich der Global-Trainer der Dräger-Akademie über die Spende.

LN-Bild

Oldesloer Stadtschul-Klasse, die Lehrerin und Eltern helfen beim Wiederaufbau einer afrikanischen Schule.

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Die Partnerschaft der beiden Schulen entstand rein zufällig durch die Freundschaft des Kommunikations-Designers Thomas Grütter (51) und Jean Atto (45), die sich als Kollegen beim Drägerwerk in Lübeck begegneten. Irgendwann erzählte Jean von der Schule, die er in Bisso wieder aufbaute. „Das hat mich sofort fasziniert“, berichtet der Oldesloer.

„Eigentlich war das Ganze zunächst ein Projekt meiner inzwischen verstorbenen Mutter Pauline. Sie hatte in den siebziger Jahren erst eine Kirche, dann eine Grundschule in Bisso aufgebaut“, erzählt Atto. Als er, der seit 1987 in Deutschland ist, inzwischen mit Frau und zwei Kindern in Warder lebt (eine weitere, schon erwachsene Tochter lebt in Frankreich), seine alte Heimat wieder besuchte, musste er feststellen, dass Termiten und ein Wirbelsturm die Schule zerstört hatten. Fortan machte der Global-Trainer es sich zur Aufgabe, alles wiederaufzubauen.

In Thomas Grütter fand er einen Mitstreiter. Grütter stellte das Projekt in der Klasse 3 a der Oldesloer Stadtschule vor, die sein Sohn Nick (heute zwölf Jahre alt) damals besuchte, und fand in Klassenlehrerin Hella Wrohn eine weitere Mitstreiterin. Sie wollte mit ihrer Klasse sofort helfen. „Gemeinsam mit Kindern und Eltern schmierten wir an einem Morgen Brote en masse, die wir in der Pausenhalle verkauften. 300 Euro kamen zusammen“, erinnert sich die Pädagogin.

Für das Geld richtete Jean Atto eine Schulapotheke ein. „Die nächste ärztliche Versorgung ist 25 Kilometer entfernt, da ist eine Erstversorgung wichtig.“ Inzwischen gibt es einen regen Austausch zwischen der Stadtschule und der Kameruner Schule. Die Acht- bis Zehnjährigen schreiben sich Briefe, stellen sich gegenseitig kleine Aufgaben und Fragen. Jean Atto schaut immer mal wieder in der Stadtschule vorbei, um zu berichten oder den Kindern zu zeigen, was wie in Kamerun gemacht wird.

An einem Tag bereitete er mit den Schülern Kochbananen und Beigné, eine Süßspeise, zu. Jetzt berichtete er vom Leben der Kinder in Bisso: „Es gibt keinen Wasserhahn, die Kinder müssen einen 20 bis 30 Meter langen Hang runter zum Fluss und tragen das geschöpfte Wasser dann in einem Eimer auf dem Kopf wieder rauf.“ Leider ist das Wasser dort von Keimen verseucht. Atto arbeitet daran, den Bisso-Einwohnern die Wichtigkeit des Abkochens von Wasser deutlich zu machen. Auch sonst ist das Leben dort ganz anders als hier: „Es gibt keine Handys, kein Spielzeug zu kaufen, keinen Supermarkt, kaum Geld“, zählt Atto auf und blickt in 27 interessierte Kinderaugenpaare. Als Spielzeug dient zum Beispiel ein Propeller, den sich die Kinder aus einem Blatt zurecht gebogen haben. Autos gibt es dort natürlich auch nicht, alles wird zu Fuß erledigt. „Deshalb war der Schulbau so wichtig“, betont Atto. Denn davor sind die Kinder sonntagabends 25 bis 30 Kilometer in die nächste Stadt gelaufen und haben bis freitags bei Verwandten gewohnt, um überhaupt eine Schule besuchen zu können.

Nun hat sich der Weg auf zwei bis drei Kilometer verkürzt, so dass die Zwei- bis Dreizehnjährigen zu Hause wohnen können. Die Schule in Bisso, in der 80 Kinder lernen, umfasst jetzt drei Steinhäuser, in jedem sind zwei Klassen untergebracht. Die Hauptsprache ist Französisch, doch lernen die Kinder ab der ersten Klasse bereits Englisch.

Zweimal waren Jean Atto und Thomas Grütter gemeinsam in Bisso, um den Fortschritt des Projektes zu besichtigen. „Es ist toll, in so leuchtende Kinderaugen zu blicken“, zeigte sich Grütter ergriffen.

Gerade ist Atto wieder in die alte Heimat geflogen, um mit dem nun von der ganzen Stadtschule bei einem Frühlingsfest erwirtschafteten Geld die Grundschule in Bisso zu unterstützen.

Und für die Schüler dort hat er reichlich Briefe und Geschenke aus Bad Oldesloe im Gepäck. Nach seiner Rückkehr wollen Atto, Thomas Grütter und Hella Wrohn eine neue Idee umsetzen, den kleinen Oldesloern das Leben der Kinder in Afrika näher zu bringen: „Eine Olympiade, bei der zum Beispiel Wasser in Eimern auf dem Kopf balanciert wird“, verraten sie schon mal eine Disziplin.

Armes Kamerun braucht dringend Hilfe

Die Schulpartnerschaft ist ein Projekt, um die Schule in Bisso und Umgebung zu unterstützen. Aber das ist nicht die einzige Hilfe. Zudem gibt es noch den Verein Future for Bisso, der sich für die Entwicklungshilfe in Kamerun einsetzt, insbesondere für eine Verbesserung der Ausbildung, der Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen. Diese Hilfe soll als gezielte Projektarbeit vor Ort erfolgen und so die Menschen in Bisso direkt erreichen. Durch die Initiative des Vereins unterstützt nun auch der Staat das Bildungswesen in Bisso. Näheres ist unter der Internet-Adresse www.future-for-bisso.org. nachzulesen. ep

 Edith Preuß

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