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Eine große Belastung: Die Pflege von Angehörigen

Delingsdorf Eine große Belastung: Die Pflege von Angehörigen

Menschen wie Bärbel Schimmelpfennig, die ihre 93-jährige Mutter zu Hause betreut, stehen unter starker Anspannung.

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Delingsdorf. „Manchmal bin ich einfach so am Ende.“ Dieser Satz ist bezeichnend für pflegende Angehörige. Sie betreuen zu Hause einen Verwandten, gehen oftmals auch noch ihrem Beruf nach. Auf Dauer geht das an die eigene Substanz. Das merkt gerade Bärbel Schimmelpfennig (57), die ihre 93-jährige Mutter Anna Weckel zu Hause betreut. Der obige Satz stammt von ihr.

 

LN-Bild

Jung und ohne gesundheitliche Probleme: Anne Weckel (r.), die heute 93 Jahre alt ist.

Quelle: Fotos: Privat

Vor zwei Jahren hat Schimmelpfennig ihre Mutter, die in der Nähe von Düsseldorf gelebt hat, zu sich geholt. „Damals konnte sie noch ein bisschen was“, erinnert sich die Tochter. Körperlich bergab ging es erst nach einer Kiefer-OP im vergangenen Jahr. „Die OP hatte sie einigermaßen überstanden, aber am nächsten Tag ist sie das erste Mal gestürzt“, erzählt Schimmelpfennig. Ihre Mutter hatte einen doppelten Beckenbruch. Es sollten im Laufe der Zeit noch mehr Stürze folgen, mal mit mal ohne Verletzungen. „Im Frühjahr ist sie wieder gefallen, ich habe sie kaum hochgekriegt. Ich habe ja niemanden, der mir helfen kann, ich mache das alles alleine.“ Mittlerweile kommt alle zwei Wochen eine Haushalthilfe, Erleichterung also wenigstens in diesem Bereich. „Meine Hemmschwelle war aber sehr hoch, mir diese Hilfe zu holen“, erzählt die Delingsdorf. Heute ist sie froh, dass das läuft. Auch über die Unterstützung eines Pflegedienstes, wenn ihre Mutter nach einem Krankenhausaufenthalt wieder auf die Füße kommen soll, ist sie dankbar. Und doch lastet das meiste auf ihr. Sie will nicht ungerecht werden, aber „manchmal werde ich richtig sauer. Sie trinkt zu wenig. Ich schimpfe sie dann aus, in der Hoffnung dass sie es dann macht“, erklärt Schimmelpfennig. Wohlwissend, dass ihre Mutter das noch selbst kann. Aber „wenn sie den ganzen Tag schläft, trinkt sie natürlich auch nicht“. Für die Zeit, in der die Tochter in Hamburg arbeitet, hat ihre Mutter einen Hausnotruf. Das schafft Sicherheit, und Schimmelpfennig kann in Ruhe ihrer Arbeit in einem Handwerksbetrieb nachgehen.

Sobald sie zu Hause ist, steht sie wieder unter Anspannung. Hört sie Geräusche denkt sie sofort daran, dass ihre Mutter, die im ersten Stück ihr Zimmer hat, wieder gefallen ist. „Ich versuche dann immer Ruhe zu bewahren. Und merke ja, wenn sie mich nicht ruft, ist auch nichts passiert.“ Ihr ist klar, dass ihre Mutter ihr nicht zur Last fallen will, eine Belastung ist es trotzdem. Atempausen gibt es kaum, neulich war Bärbel Schimmelpfennig nach langer Zeit zwei Wochen im Urlaub und wusste ihre Mutter in einer Kurzzeitpflege gut versorgt. „Ich war wie befreit, es war wie ein neues Leben“, fast schämt sich Schimmelpfennig für dieses Gefühl. Denn „meine Mutter ist eine ganz Liebe, dafür das sie auch so viele Schmerzen hat. Sie jammert nicht, sie ist nicht biestig und erklärt mir immer wieder, wie leid es ihr tut, dass sie mir zur Last fällt“, und trotzdem hat die die Delingsdorferin das Gefühl, „mein Leben aufzuschieben“. Sie habe sich das nicht so vorgestellt, dass es so heftig werde, die eigene Mutter zu pflegen. „Bei kleinen Kindern wird es ja immer besser, ich muss beim Verfall meiner Mutter Zugucken. Alles was sie mal konnte geht langsam verloren. Meine Mutter möchte gerne gehen, weil es so für sie kein Leben mehr ist“, ihre Mutter ist aber immer noch da. „Ich habe so ein Mitleid mit ihr.“

Bei aller Belastung ist Bärbel Schimmelpfennig eines klar: „Ins Heim gebe ich meine Mutter nicht, ich glaube, dann stirbt ihre Seele. Ihre Seele lebt davon, dass ihr Kind für sie da ist.“ Hinzu komme, dass sich Bärbel Schimmelpfennig selbst nicht vorstellen kann, später in ein Alten- und Pflegeheim zu ziehen. „Ich mag das nicht.“ Kraft tanken möchte die Delingsdorferin jetzt im Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen, die vom Pflegestützpunkt des Kreises angeboten wird. Selbsthilfegruppen sind ihr nicht fremd, sie schätzt die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

„Man kann sich gegenseitig Halt geben.“ Dass jetzt eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige gegründet wird, freut sie. „Ich gucke mir das jetzt mal an und entweder es passt oder es passt nicht.“

Morgen gründet sich die Selbsthilfegruppe

Der Pflegestützpunkt des Kreises Stormarn lädt zusammen mit Kibis (Selbsthilfekontaktstelle Stormarn) zur Gründungsveranstaltung der Selbsthilfegruppe für pflegenden Angehörige ein. Gedacht ist diese Gruppe für pflegende Angehörige und Personen, die pflegebedürftige Menschen unterstützen. Um die täglichen Herausforderungen zu meistern, kann der Austausch mit anderen Betroffenen nämlich sehr hilfreich sein. Allein das Gefühl, dass es anderen genauso geht, und die Menschen nicht allein sind mit ihren Gefühlen und Problemen, kann helfen.

Das erste Treffen ist am Donnerstag, 1. September, um 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus Oase, Ratzeburger Straße 20 in Bad Oldesloe. Wer Unterstützung bei der Suche nach einer Ersatzpflege für diesen Termin benötigt, der kann sich an den Pflegestützpunkt unter 04531/1601504 wenden. Eine Anmeldung für das Treffen ist nicht erforderlich.

 K. Kuhlmann-Schultz

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