Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Großer Andrang bei der Einwohnerversammlung
Lokales Stormarn Großer Andrang bei der Einwohnerversammlung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:56 07.11.2018
Reinfeld braucht neuen Wohnraum - zu dem Thema hatten Bürgervorsteher Gerd Herrmann (v.l.) und Bürgermeister Heiko Gerstmann eingeladen. Bauamtsleiter Stephan Kruse beantwortete Fragen aus dem Publikum. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Wohnraumentwicklung brennt den Menschen in Reinfeld unter den Nägeln. Das zeigte sich Dienstagabend bei der Einwohnerversammlung in der Immanuel-Kant-Schule, die auf reges Interesse stieß. „Das ist ein Thema, das uns alle angeht“, sagte eine Reinfelderin auf dem Weg in die Aula. Bei der Veranstaltung ging es hoch her. Vor allem, als die Fraktionen das Wort hatten. Eröffnet wurde die Versammlung durch Bürgervorsteher Gerd Herrmann, der sich begeistert vom großen Zuspruch zeigte. „Wir haben 350 Stühle aufgestellt. Wenn ich das so überblicke, sind wir locker über 300 Personen, das ist sehr beeindruckend.“ Anschließend folgte eine Präsentation des Bürgermeisters zur Entwicklung Reinfelds im Hinblick auf Wohnungsbau, insbesondere auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Wachstumsdruck aus Hamburg

Zunächst erläuterte Heiko Gerstmann die Ausgangsposition: Von Hamburg ausgehend gebe es einen Wachstumsdruck, der in naher Zukunft auch Reinfeld erreichen werde. Laut Prognosen des Kreises Stormarn würden in Reinfeld bis 2030 weitere 380 bis 540 Wohneinheiten benötigt. „Wir werden auch eine Verschiebung des Bedarfes haben – die Ein- und Zwei-Personen-Haushalte werden um 15 Prozent steigen, die größeren Haushalte gehen runter“, so der Verwaltungschef. Zudem habe sich der benötigte Wohnraum pro Mensch verdoppelt. „1960 lebten die Menschen auf 19 Quadratmeter pro Person, 2011 waren es 42,7 Quadratmeter.“

Sozialwohnungen werden in Reinfeld nicht gefördert

Jetzt seien die politischen Gremien gefordert. Sie müssten sich überlegen, wohin die Entwicklung Reinfelds gehe. „Will die Stadt wachsen? Will sie nicht wachsen? Ich kann nur sagen, wir als Verwaltung registrieren jetzt schon eine steigende Nachfrage“, so Gerstmann. Allerdings für hochpreisige Segmente. Im vergangenen Jahr habe die Stadt 90 Anfragen für Baugrundstücke gezählt, also für Einfamilien- und Doppelhäuser. „Wohnungsanfragen gibt es in der Regel bei uns nicht, die laufen meist übers Internet. Aber vollkommen unstrittig ist: Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist nicht ausreichend gedeckt“, so der Bürgermeister.

Mehr Nähe zum Bürger

Gerd Herrmann hatte die Idee zu der Einwohnerversammlung. „Ich habe im Juni bei meiner Wiederwahl gesagt, dass ich das Instrument der Einwohnerversammlung mehr in den Vordergrund rücken möchte. Eines der Ergebnisse ist der heutige Abend“, sagte der Bürgervorsteher bei der Veranstaltung. Gemeinsam mit Bürgermeister Heiko Gerstmann wolle er in den nächsten Monaten eine Reihe von Einwohnerversammlungen zu unterschiedlichsten Themen anbieten.

Was auch damit zusammenhänge, dass sozialer Wohnungsbau in Reinfeld im Gegensatz zum Hamburger Rand und Lübeck nicht gefördert werde. „Reinfeld liegt leider außerhalb der Fördergebiete“, teilte Gerstmann mit. Investoren hätten deshalb wenig Interesse, Sozial-Wohnungen zu errichten. Einzige Möglichkeit: Die Stadt müsse sozialen Wohnungsbau vorantreiben. Das sei wegen der Haushaltslage derzeit jedoch schwierig.

Bebaubare Flächen im Innen- und Außenraum

Nachfolgend stellte der Bürgermeister eine Liste von bebaubaren Flächen im Innen- und Außenraum vor. „Wir haben einen B-Plan für Grundstücke zwischen Körliner und Kolberger Straße. Wenn die Bürger dort bauen wollen, können sie das.“ Innenverdichtung sei unter anderem möglich in der Schillerstraße, Stockmannstraße, Lokfelder und Voßfelder Straße ebenso wie zwischen der Kloster- und Heimstättenstraße. „Beim Alfapark sind wir im Gespräch mit dem Eigentümer.“ Auch der Sportplatz war auf der Liste der Innenraumverdichtung, ebenso die Kleingärten. „Es gibt den Beschluss, dass auf dem Sportplatz nicht gebaut wird, es ist nur eine theoretisch mögliche Fläche. Verlegung der Kleingärten – wir hatten 2017 einstimmig entschieden, dass die Kleingärten dortbleiben, wo sie sind.“

Dröhnhorst ist noch Zukunftsmusik

Thema Außenentwicklung: Hier ging es vor allem um das Gebiet Dröhnhorst. Eine Aussage des Verwaltungschefs ließ viele aufatmen: „Es ist klar, dass wir nicht alles voll knallen mit Häusern. Das ist nicht die Intention. Zudem haben wir noch keinen Auftrag erteilt, den Flächennutzungs- und Landschaftsplan zu überarbeiten“, so Gerstmann. Dröhnhorst sei somit noch Zukunftsmusik. Wenn es konkreter werde, werde man Bürger und Naturbelange selbstverständlich einbinden. Das sei gesetzlich vorgeschrieben. Spannend im Zusammenhang mit Dröhnhorst war auch der Punkt Verkehrsführung. Heiko Gerstmann stellte eine Idee zur Verlegung der L 71 vor. Man könne einen Tunnel unter der Bahnschiene bauen, die L 71 weiter westlich auf die Bundesstraße einmünden lassen – etwa durch einen Kreisverkehr. Durch diese Maßnahme werde der Kalkgraben entlastet und die Kreuzung zur B 75 als Unfallschwerpunkt entschärft. Gerstmann: „Ich betone jedoch: Dazu gibt es keine politischen Beschlüsse. Das ist nur ein Brainstorming der Verwaltung.“

Radweg an der B 75 wird fortgeführt

Anlass zur Freude gab es zunächst bei den Beiträgen der Fraktionen. „Wir haben seit zwei Wochen den Antrag durch, dass die Stadt Reinfeld mit dem Landesbetrieb Straßenbau den Radweg an der Hamburger Chaussee weiterführen darf“, teilte Lorenz Hartwig mit. Dafür erntete der CDU-Vorsitzende Applaus.

Vonseiten der Politik gab es Kritik am Vorgehen der Verwaltung.

Doch dann holte Hartwig aus – in Richtung Heiko Gerstmann. „Was hat der Bürgermeister bisher für den sozialen Wohnungsbau unternommen? Es sind uns als CDU-Fraktion keine Aktivitäten und Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften oder Bauträgern in dieser Sache bekannt. Ohne Geld wird auch wenig passieren. Und das bekommen wir nur, wenn die immer noch fehlenden Jahresabschlüsse fertig werden. Also, Herr Gerstmann, es ist Zeit, die Hausaufgaben zu machen.“

Kritik vonseiten der Fraktionen

Kritik kam auch vonseiten der Grünen. „Uns hat vor allem bei der Planung für das Gebiet Dröhnhorst der Ablauf nicht gefallen“, sagte Fraktionsvorsitzender Geert Karnick. Nach dem Dafürhalten der Grünen hätte man zuerst überlegen müssen, was es an Bedarf für Wohnungen gebe. „Zweiter Schritt: Welche Flächen haben wir zur Verfügung, um den Wohnbedarf schonend für Mensch und Umwelt zu decken?“ Im dritten Schritt gehe es um die Infrastruktur und Investitionen. „Danach muss Reinfeld gemeinsam diskutieren und entscheiden, wie viele Wohnungen wollen wir wo bauen.“ Wolle man überhaupt wachsen und die Probleme von Hamburg lösen, oder wolle man eine Obergrenze festlegen. „Erst, wenn wir diese Punkte abgearbeitet haben, können wir uns darüber einigen, auf welche Fläche wir zugreifen“, so Karnick. Rolf Jürgen Hanf, Fraktionsvorsitzender der SPD, betonte, wie wichtig die Einbindung der Bürger in die Thematik Wohnraumentwicklung sei. „Wenn wir gemeinsam sagen, meinen wir nicht nur Politik und Verwaltung. Sondern das Gemeinsame umfasst auch die Beteiligung der Bevölkerung.“ Jens Löper, Vorsitzender der Wir-Fraktion, fasste sich kurz. „Uns geht es um die Innenstadtverdichtung und -belebung vor Flächenfraß. Außerdem stehen wir zum Sportplatz am heutigen Standort und zum Standort des Kleingartenvereins.“ Letzteren stellte die CDU bei der Einwohnerversammlung erneut in Frage.

Britta Matzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Für manche ist der Herbst die schönste Zeit im Jahr. Die LN machten sich auf den Weg, um stimmungsvolle Motive einzufangen.

07.11.2018

Pflegeheime bleiben im Kreis Stormarn seit Jahren auf hohen Kosten für die Versorgung pflegebedürftiger Sozialhilfeempfänger sitzen. Grund ist ein Personalmangel in der Kreisverwaltung. Dieser ist jetzt behoben, die Rückstände sollen bis zum nächsten Jahr aufgeholt sein. In einem eigens dafür eingerichteten Projekt sind 14 Mitarbeiter beschäftigt.

07.11.2018

Politiker aller Parteien begrüßen die Entscheidung des Bundes, den Bau des dritten Gleises von Hamburg nach Ahrensburg zu finanzieren.

07.11.2018