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Stormarn Eisheilige können den Beginn der Badesaison verhageln
Lokales Stormarn Eisheilige können den Beginn der Badesaison verhageln
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21:13 12.05.2016
Reinfelds Schwimmmeister Mathias Müller hat vor zwei Tagen noch 19 Grad im Herrenteich gemessen. Doch alle Wetterprognosen sagen für Sonntag einen Temperatursturz voraus. Nachts sei sogar mit Frost zu rechnen. Müller ist skeptisch, dass er tatsächlich das Tor aufschließen kann.
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Bad Oldesloe/Reinfeld

Es zwitschert und summt über dem Poggensee. Der Entenmutter zwischen den blauen Schwimmstegen folgen fünf, sechs flaumige Küken. Graugänse watscheln über die noch menschenleere Liegewiese. „Die haben in diesem Jahr das erste Mal hier gebrütet“, sagt Schwimmmeister Ömer Dagkesen. Seit 2005 lenkt er die Geschicke am Oldesloer Badesee:

Anlage am Reinfelder Herrenteich soll Sonntag öffnen – Abwarten am Oldesloer Poggensee.

„Jetzt werden die Tiere wohl hier bleiben.“

Bald werden die Vögel den Besuchern weichen müssen. In zwei Wochen beginnt die Badesaison in der Kreisstadt. „Das Wasser ist mit etwa 13 Grad noch zu kalt“, weiß Dagkesen. Der Poggensee ist tiefer als der Herrenteich im benachbarten Reinfeld. Da braucht es länger, bis ein angenehmes Baden möglich ist. Hinzu kommt, dass der als Gletscherausspülung entstandene See von zwei kalten Quellen unter den beiden Schwimminseln gespeist wird. „Wenn Sie da drüber schwimmen, merken Sie ganz deutlich die Temperaturunterschiede.“

Das noch kühle Wasser gibt Dagkesen und seinen Kollegen von den Wahlstedter Stadtwerken, die seit Jahren die am äußersten Stadtrand gelegene Badeanstalt betreuen, ein wenig Zeit, die neben einem Waldstück in hügelige Felder gebettete Anlage „aus dem Winterschlaf zu wecken“, wie der Schwimmmeister sagt. Sie harken und jäten Unkraut, sie entfernen die Hinterlassenschaften der Wasservögel am Strand und werden den Sand, wie alle zwei, drei Jahre, in Kürze durch etwa 60 Kubikmeter neuen gewaschenen Sand ersetzen. Regen und Hochwasser spülen ihn im Laufe der Zeit immer wieder zurück in den See.

Sie werden in Kürze vom Paddelboot aus die Markierungsleinen zur Begrenzung des Badebereiches ziehen. Früher gab es dort zwei hölzerne Stege, von denen „Köpper“ und je nach Körpervolumen mehr oder weniger schäumende „Arschbomben“ möglich waren. Doch die Stege waren morsch geworden. Rechteckige Schwimminseln aus Kunststoff ersetzten sie. „Die sind wartungsarm“, sagt Dagkesen. Nur Verbindungsteile müssten manchmal erneuert werden.

Am 1. Juni zieht Ömer Dagkesen in sein Reich ein, um bei gutem Wetter einen der schönsten Jobs in Bad Oldesloe zu machen. Eine Herausforderung sieht er allerdings auf sich zukommen: „Wie sollen wir Flüchtlingen beibringen, dass es bei uns eine Haus- und Badeordnung gibt?“ Dass Bikinis gang und gebe sind, dass Mädchen und Frauen nicht belästigt werden dürfen, wie man sich am Strand verhält, das soll durch ein dreieinhalb mal anderthalb Meter großes Banner am See in mehreren Sprachen unter anderem in Arabisch deutlich gemacht werden. Noch weiß der Schwimmmeister nicht, wo er das Banner für alle sichtbar anbringt.

Und Stress wird er bekommen, das kennt er aus langjähriger Erfahrung, „wenn wir bei Stau auf der Autobahn 1 viele Durchreisende als Gäste bekommen“. Bis zu 1500 Leute tummeln sich manchmal am und im Poggensee. Dann braucht es zwei oder drei Schwimmmeister, die das bunte Treiben überwachen. Auf ehrenamtliche Helfer muss er verzichten. In der Tat, bestätigt Dominic Geerken, Vorsitzender der Oldesloer Lebensrettungsgesellschaft, hätte der Nachwuchs oft aus schulischen Gründen kaum noch Zeit. Viele der jungen Rettungsschwimmer würden in ihrer Freizeit lieber in Supermärkten jobben, um das Taschengeld aufzubessern.

Dagkesens Kollege Mathias Müller am Reinfelder Herrenteich hat dieses Problem in der kommenden Saison nicht. „Obwohl es immer mal wieder Engpässe gibt“, berichtet Christan Leschert von den Reinfelder Lebensrettern. In diesem Sommer würde die Ortsguppe an jedem Wochenende drei Helfer stellen: „Dazu haben wir uns der Stadt gegenüber verpflichtet.“

So konnte Schwimmmeister Müller jetzt ganz gelassen das Thermometer in den Teich tauchen – und schon 19 Grad messen. Er freut sich auf die ersten Gäste – Senioren, die jedes Jahr und jeden Tag kommen. Obwohl Müller kein Reinfelder ist, kennt er sie alle beim Namen: „Kein Wunder, bin seit 2008 hier.“ Am Sonntag soll die Saison in Reinfeld beginnen. „Hoffentlich können wir öffnen“, sagt er.

Die Prognosen machen wenig Hoffnung. Es ist die Zeit der Eisheiligen.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Der Herrenteich ist montags bis freitags von 9.30 bis 20 Uhr, an Wochenenden von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Bei vielen Besuchern kann am Wochenende bis 20 Uhr geöffnet sein. Für Erwachsene kostet die Tageskarte 1,50 Euro, für Kinder 70 Cent, die Tageskarte für Familien kostet 2,50 Euro.

Der Poggensee ist ab 1. Juni täglich von 10 bis 20 Uhr, ab 1. bis 15. September von 10 bis 19 geöffnet. Bei schlechtem Wetter ist geschlossen. Die Einzelkarte für Erwachsene kostet zwei, für Kinder und Jugendliche von sechs bis 16 Jahren einen Euro; freier Eintritt für Begleiter von Schwerbehinderten.

 Uwe Krog

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