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Stormarn Entführt und getötet: Leiche am Golfplatz ist junge Kurdin aus Detmold
Lokales Stormarn Entführt und getötet: Leiche am Golfplatz ist junge Kurdin aus Detmold
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15:23 14.01.2012
So suchte die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY noch nach dem Mädchen. Quelle: JEB

Zweieinhalb Monate später, am Freitag, findet ein

Golfplatz-Angestellter in Großensee (Kreis Stormarn) eine

Frauenleiche in einem Gebüsch. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt

es sich um Arzu Ö..

Die Polizei glaubt, dass fünf ihrer Geschwister sie entführt

hatten, vier Brüder und eine Schwester. Alle sind seit vielen Wochen

in U-Haft. Einer der Brüder räumte bereits vor mehreren Wochen in

einer Vernehmung ein, dass die Geschwister Arzu den Kopf waschen

wollten. An der Entführung habe er aber nicht teilgenommen. Eine

Tötung von Arzu verneint er. Ansonsten schweigen die fünf.

Schon seit längerem ging die Polizei davon aus, dass Arzu nach der

Verschleppung getötet wurde. Allen fünf wurde entsprechend

Geiselnahme mit Todesfolge vorgeworfen.

Die Familie Ö. stammt aus einem kleinen Dorf mit 300 Einwohnern im

Kurdengebiet im Süden der Türkei. Seit gut 25 Jahren lebt die Familie

in Deutschland: Die Großeltern, die Eltern und die zehn Kinder, alle

mit deutschem Pass. Es sind Jesiden, eine Glaubensrichtung, die dem

Christentum näher ist als dem Islam. Eine ihrer Regeln sagt: Wer sich

mit einem Nicht-Jesiden zusammentut, wird aus der Gemeinschaft

ausgeschlossen. Alex ist kein Jeside.

Bis zum vergangenen Sommer galt die Familie als ruhig,

rechtschaffen und ordentlich. „Die Familie Ö. ist eigentlich ein

Paradebeispiel für eine gelungene Integration“, sagte Anwalt Detlev

Binder, der einen inhaftierten Bruder vertritt, Anfang Dezember.

„Alle sind zur Schule gegangen, haben eine Ausbildung gemacht, haben

Arbeit.“ Die älteste Tochter arbeitet sogar bei der Stadtverwaltung.

Auch sie sitzt seit Wochen in U-Haft.

Was geschah im Sommer? Arzu jobbt in einer nahe gelegenen

Bäckerei. In diesen Wochen muss es gefunkt haben zwischen der jungen

Frau mit den langen schwarzen Haaren und dem fünf Jahre älteren

Bäckergesellen.

Eine verbotene Liebe. Ende August ist ein Fall „häuslicher Gewalt“

aktenkundig. Die junge Frau soll von Familienmitgliedern verprügelt

worden sein. Arzu flieht ins Frauenhaus. Sie schneidet sich die Haare

kurz und färbt sie blond. „Die Familie Ö. hat intensiv nach der

Tochter gesucht“, sagte vor einigen Wochen Jürgen Heinz, Leiter der

Sonderkommission „Talstraße“, „Frauenhäuser angeschrieben, das Umfeld

befragt.“

Arzu sei intensiv beraten worden, nicht zu Alex zu gehen. Die

Wohnung ihres Freundes liegt gerade mal anderthalb Kilometer vom

Elternhaus entfernt. „Aber sie ist 18, dazu verliebt“, so Heinz

weiter. In der Nacht zum 1. November hält es Arzu nicht mehr aus,

übernachtet bei Alex, ein verhängnisvoller Fehler.

Die Beamten stoßen bei ihren Befragungen in der weitläufigen

Familie - allein in der Region an die 100 Verwandte - und im Umfeld

auf eine Mauer des Schweigens. Medienberichte und heftige Debatten in

Internetforen veranlassen den Zentralrat der Jesiden in Deutschland

dazu, sich von jeglicher Gewalt zu distanzieren. „Es gibt keinen

"Ehrenmord" im Jesidentum“, betont der Zentralrat.

Arzu bleibt verschwunden und auch die Hoffnung wird geringer, sie

noch lebend wiederzufinden. Mehrmals durchsuchen Hundertschaften

Waldgebiete in Ostwestfalen. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“

wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. 5000 Euro Belohnung setzt

die Staatsanwaltschaft aus. Per Rechtshilfeersuchen über das

Bundeskriminalamt bitten die Ermittler ihre Kollegen in der Türkei,

im Umfeld der Familie zu ermitteln.

Die 18-Jährige wurde wohl nicht am Fundort getötet, sagt die

Polizei. Und dass die Frau „eines gewaltsamen Todes“ gestorben ist.

Mehr wollen die Ermittler an diesem Wochenende erstmal nicht.

LN

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