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Entwicklerfirma ist insolvent: Aus für Mini-Wasserkraftwerk

Sühlen Entwicklerfirma ist insolvent: Aus für Mini-Wasserkraftwerk

Eigentlich sollte die Zettler Mühle zu dem werden, was sie einmal war: Lieferantin umweltfreundlicher Energie aus Wasserkraft. Familie Boldt, seit neun Jahren dort mit mehreren Generationen ansässig, wollte Tradition und Moderne verbinden. Doch dem innovativen Projekt droht endgültig das Aus.

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Sven Boldt lebt mit seiner großen Familie seit neun Jahren in der Zettler Mühle an der Trave. Mit dem kleinen Kraftwerk, das derzeit nicht im Wasser schwimmt, sondern stillgelegt ist, sollte Strom produziert werden, der 50 Haushalte hätte versorgen können.

Quelle: Foto: D. Von Dahlen

Sühlen. „Wir hatten schon immer damit geliebäugelt, die Wasserkraft an der Trave zu nutzen“, erzählt Sven Boldt, während er auf die derzeit stillgelegte Anlage am Ufer der Trave zwischen Sühlen (Kreis Stormarn) und Dreggers (Kreis Segeberg) blickt. Das auf einem schwimmenden Ponton gelagerte Gehäuse, durch das Flusswasser strömen sollte, um in einem schonenden Verfahren elektrische Energie zu erzeugen, ruht auf Stahlstützen. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, muss die Familie die Anlage auf eigene Kosten abbauen und entsorgen lassen.

Dabei hatte alles aus ihrer Sicht sehr vielversprechend angefangen. „Als die Firma H2O auf uns zukam und ihre technische Lösung präsentierte, die sehr fischfreundlich ist, waren wir sehr angetan“, berichtet Sven Boldt. Immerhin sei ihm als Angler daran gelegen, dass Meerforellen und Salmoniden „nicht in einem Rotor landen und gehäckselt werden“. Da die von Pontons gehaltene Anlage auf der Oberfläche der Trave schwimme, passe sie sich dem jeweiligen Wasserstand an. Selbst bei Niedrigwasser hätten kleine Lebewesen Platz, sich unter dem Bauwerk aufzuhalten. „Wir brauchen hier auch kein Wasser anstauen, um Energie zu erzeugen“, sagt Sven Boldt. Aber mit diesen Vorurteilen hätten Widersacher während des gesamten Genehmigungsverfahrens ständig operiert.

14 verschiedene Behörden waren nach Angaben von Sven Boldt involviert, um zu prüfen, ob das Projekt eine Betriebsgenehmigung verdient hat. „Und wir haben von Beginn an die Öffentlichkeit mit einbezogen und das Projekt im Detail vorgestellt. Wir waren schon sehr bemüht, einvernehmliche Lösungen zu finden und haben nichts im Hinterzimmer ausgehandelt“, erzählt er. Zig Treffen habe es gegeben – nicht nur mit den Angelvereinen, sondern auch mit den Landes- und Bundeskanuvereinen. Letzteren gegenüber habe er stets den Nachweis führen müssen, dass neben der Anlage genug Raum sei, vorbeizufahren. Mehr als zwei Jahre habe sich der Diskussionsprozess hingezogen.

Zeit, die auch die Entwicklerfirma der neuen Technologie nicht überlebt hat. Die H2O mit Sitz in Malente-Timmdorf ist insolvent. Für die Boldts ist auch das eine Hiobsbotschaft. Denn ein technisches Detail, das für den Dauerbetrieb der Anlage unabdingbar gewesen wäre, blieb unvollendet. „Das Herein- und Herausheben des Pontons funktioniert noch nicht reibungslos. Es verkantet sich beim Absenken an den Stahlstützen“, sagt Boldt. Ein rasches Entfernen aus dem Wasser bei extremem Hochwasser etwa oder zu Pfingsten oder anderen Feiertagen – wie mit den Kanuten vereinbart – müsse aber möglich sein, ohne dass mehrere Leute mithelfen. Die Hoffnung auf eine gangbare Lösung hat Boldt aufgegeben. „Wahrscheinlich werden wir zum Jahresende alles abbauen“, sagt er.

Zu den Kritikern gehörten auch Manfred Michallik vom Hegering Trave sowie Dr. Christel Happach- Kasan, Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes. Sie monierte, dass die Trave als Flusslandschaft unter besonderem Schutz stehe. „Nach wie vor sehr ärgerlich ist der Einbau eines Energierotors bei Sühlen, der in dem FFH-Gebiet nichts zu suchen hat und die Fischfauna schädigen wird“, hatte sie auf einer Verbandsversammlung prophezeit.

Boldt kann diese Kritik nicht verstehen. Selbst das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume – für wasserwirtschaftliche Genehmigungen zuständig – habe sich hinter das Projekt gestellt. Denn zum einen verhindere ein engmaschiger Rechen, dass Fische ins Innere der Anlage geraten. Und selbst wenn, gelangten sie auf der Rückseite wieder heraus. Die Rotorblätter des so genannten Langsamläufers klappten durch die Kraft des Wassers hoch, so dass der Weg zum Fluss wieder frei werde.

Sauer ist Boldt übrigens auf die AfD. Deren Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Schnurrbusch hatte eine Kleine Anfrage im Landtag gestellt und dazu einen Kommentar unter der Überschrift „Grüner Schlag ins Wasser, für den der Steuerzahler aufkommen muss“ herumgeschickt. „Da werden Gerüchte gestreut, dass wir eine Förderung vom Staat bekommen haben. Die 200 000 Euro, die das Projekt unabhängig von den Nerven gekostet hat, hat unsere Familie aus eigener Tasche bezahlt“, äußert sich Boldt empört.

Wasserkraft schon vor 5000 Jahren eingesetzt

Wasserkraft wurde nach Schätzung von Historikern schon vor 5000 Jahren in China eingesetzt. An Nil, Euphrat und Tigris bewässerten durch Wasserkraft angetriebene Maschinen die Felder. Große Bedeutung gewann die Wasserkraft im 18. Jahrhundert mit der Erfindung des ersten gusseisernen Wasserrades, eine Technologie, die im Rahmen der Industriellen Revolution für eine Produktivitätssteigerung sorgte.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Wasserkraftwerken muss für den Energierotor, der in Sühlen zum Einsatz kommen sollte, kein Gewässer aufgestaut werden. Der Rotor wird vom Flusswasser, das ihn durchströmt, angetrieben. Zu einer Drehbewegung des Rotors kommt es, da die Rotorblätter in der Gegenströmung vom Wasser nach oben gedrückt werden. Die Kraft der Drehbewegung wird über eine Welle, an der die Rotorflügel befestigt sind, ins Getriebe geleitet. Dieses wiederum treibt einen Generator an, der Gleichstrom liefert. Er wird in einen Schaltschrank geleitet und dort zu Wechselstrom umgewandelt, der sofort genutzt werden kann.

 Dorothea von Dahlen

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